Berlin

Theologe Essen: Nicht nur Deutsche Bischöfe über Zukunft der katholischen Fakultäten bestimmen lassen

Der Theologe Georg Essen zeigt sich aufgrund eines Positionspapiers der deutschen Bischöfe zu den Katholisch-Theologischen Fakultäten besorgt. Darin fordern die Autoren, dass lediglich drei Fakultäten bestehen bleiben. In einem Beitrag der Herder-Korrespondenz bringt der Theologe Vorschläge, wie die Zukunft der Fakultäten und somit der Priesterausbildung gesichert werden kann.
Priester
Foto: Harald Tittel (dpa) | Die Deutschen Bischöfe plädieren dafür, nur noch drei der Katholisch-Theologischen Fakultäten in Deutschland weiter zu betreiben. Das hätte jedoch weitreichende Folgen, denn dort werden die Priester ausgebildet.

Um den Fortbestand der Katholisch-Theologischen Fakultäten und somit der Priesterausbildung zu sichern, spricht der Professor für Systematische Theologie am Zentralinstitut für Katholische Theologie der Humboldt-Universität zu Berlin, Georg Essen für grundlegende Veränderungen aus. Aufgrund eines starken Rückgangs der Studierenden an den Katholisch-Theologischen Fakultäten sei die Frage berechtigt, ob es für eine derart geringe Anzahl von Immatrikulierten nicht viel zu viele Ressourcen gäbe, so der Theologe.

Profilbildung kreativ gestalten

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Da kirchlich anerkannte Fakultäten daran gebunden seien, für das akademische Studium der Priesteramtskandidaten Sorge zu tragen, hätte eine Reduzierung der Katholisch-Theologischen Fakultäten in Deutschland weitreichende Folgen für die Priesterausbildung, so Essen. 

Zum Fortbestand der Einrichtungen schlägt Essen deswegen vor, dass die Fakultäten ihre internen Gestaltungsspielräume für Profilbildung innovativ und kreativ nutzen, wozu auch der Wissenschaftsrat von 2010 in seinen „Empfehlungen zur Weiterentwicklung von Theologien und religionsbezogenen Wissenschaften an deutschen Hochschulen“ rät. Solange die überkomplexe Fächervielfalt  als petrifizierter Kanon festgeschrieben sei, ließen sich kaum Gestaltungsspielräume für eine Profilbildung gewinnen. Stattdessen fordert Essen „eine auf Entdifferenzierung setzende Enzyklopädiestrategie für den Fächerkanon der Theologie“.  

Kooperation mit anderen Einrichtungen

Zudem habe der Wissenschaftsrat eine Bedeutungszunahme der Institute ohne Fakultätsstatus festgestellt und empfahl daher zur Stärkung der Theologien eine stärkere Kooperation mit den Instituten. 

Um die Vergabe der kanonischen Grade eines „Dr. theol.“ und„Mag. Theol.“ sicherzustellen sei es notwendig, dass der Fächerkanon zwar weiterhin die Priesterausbildung sicherstelle, aber nicht exklusiv daran gebunden sei. Vielmehr solle der „Dr. theol.“ und„Mag. Theol.“  auf theologische Berufe generell ausgeweitet werden, meint der Theologe. 

Nicht die Bischöfe allein entscheiden

Des weiteren spricht Essen sich dafür aus, dass die Entscheidungsprozesse für die künftige Priesterausbildung nicht ohne Beteiligung der Fakultäten laufen: Man müsse an die Deutsche Bischofskonferenz die Forderung adressieren, dass eine Entscheidung von solcher Tragweite erst dann getroffen werde, wenn auf der Basis eines allseitig ausgehandelten Konzeptes Klarheit über die Zukunft der Katholisch-Theologischen Fakultätenlandschaft herrsche.

Grund für die Mahnung und Analyse des Theologen war nämlich eine Pressemitteilung der Deutschen Bischofskonferenz vom 26. Juni 2020 zur „Qualitätssicherung der Priesterausbildung in Deutschland“. Darin schlugen die Bischöfe vor, die Zahl der Ausbildungsstandorte, an denen Priesteramtskandidaten künftig ihr Studium der Theologie absolvieren, drastisch zu reduzieren. Die Autoren des Papiers plädierten dafür, dass nur noch die universitären Standorte Münster, Mainz und München übrigblieben.

Dieses Positionspapier, „zeigt ohnehin, dass die Fakultäten, bislang jedenfalls, eher am Katzentisch, nicht jedoch als gleichberechtigte Partner  am Verhandlungstisch sitzen“, so Essen.   DT/ vwe

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