Würzburg

Porträt der Woche: Patriarch Bartholomaios I.

Im Alter von 51 Jahren wurde Bartholomaios I. zum Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel gewählt. Am Samstag feiert er seinen 80. Geburtstag.
Der orthodoxe Patriarch Bartholomaios I.
Foto: Wolfgang Ratgke (KNA-Bild Pool) | Sein ökologisches Engagement wird politisch breit gewürdigt und brachte ihm den Spitznamen „Grüner Patriarch“ ein: Bartholomaios I.

Seit den Begegnungen von Patriarch Athenagoras I. und Papst Paul VI. in Jerusalem und Istanbul haben sich die Beziehungen zwischen den Nachfolgern der Apostel-Brüder Andreas und Petrus gut entwickelt. Mit keiner orthodoxen Kirche hat Rom ein so ökumenisches, freundschaftliches, herzliches Verhältnis wie mit dem Ökumenischen Patriarchat. Das ist der menschlichen Größe und theologischen Tiefe von Bartholomaios I. zu verdanken, der 1991 im Alter von 51 Jahren zum Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel gewählt wurde und am Samstag nun seinen 80. Geburtstag feiert. Seine Treffen mit Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus waren von sichtbarer Brüderlichkeit und ehrlicher Suche nach christlicher Einheit geprägt.

Von der russischen Orthodoxie und ihren Verbündeten angefeindet

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Weniger brüderlich ist derzeit das Klima innerhalb der weltweiten Orthodoxie. Wie nie zuvor wird Bartholomaios heute von der russischen Orthodoxie und ihren Verbündeten angefeindet, ja verleumdet: Eine „papistische“ Überdehnung seines Ehrenprimats, Machtstreben, Abhängigkeit von den USA und sogar Käuflichkeit wirft Moskau ihm im Streit um die Ukraine vor. Zuvor hatten vier orthodoxe Kirchen Bartholomaios brüskiert, indem sie dem jahrzehntelang vorbereiteten Panorthodoxen Konzil auf Kreta 2016 kurzfristig fernblieben: aus kleinlichem kirchenpolitischen Streit und aus Ablehnung der Ökumene. So wurde das Konzil, das Bartholomaios' Lebenswerk hätte krönen können, zum Zeichen der Uneinigkeit.

Gleichwohl nimmt der Weise im Phanar (seinem Amtssitz im ärmlichen Istanbuler Stadtteil Fener) seine Aufgaben weiter kraftvoll wahr. Sein ökologisches Engagement wird politisch breit gewürdigt und brachte ihm den Spitznamen „Grüner Patriarch“ ein. Als moralische Autorität konnte er im Europaparlament und auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos sprechen. Selbst die Regierung in Ankara hat längst akzeptiert, dass Bartholomaios mehr ist als ein Seelsorger der knapp 3.000 Griechen in und um Istanbul. Die Kemalisten wollten ihn auf diese Rolle reduzieren, doch Erdogan und die AKP hofieren ihn wieder unter dem alten Titel des „Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel“.

Die Würde seines Amtes trug er stets mit großer Demut

Als solcher ist er nicht mehr – wie seine Vorgänger einst – Führer der christlichen Millet im Osmanischen Reich, jedoch „der Erste“ (Protos) der orthodoxen Patriarchen, mit Jurisdiktion über jene Orthodoxen, die nicht einem autokephalen Patriarchat zuzurechnen sind. Die Würde seines Amtes trug Bartholomaios stets mit großer Demut. Dass diese auf Erden nicht gewürdigt werden würde, dürfte den geschichtlich wie theologisch Gebildeten nicht überrascht haben.

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16.09.2021, 13 Uhr
Stephan Baier