Berlin

Porträt der Woche: Gerald Goesche

Gerald Goesche steht dem Institut Sankt Philipp Neri vor. Um seine Messen in der außerordentlichen Form in Berlin hat sich eine feste, fast familiäre Gemeinde gebildet.

 

"Erzkonservativ? Wir sind noch schlimmer." So kokettierte Gerald Goesche noch zuletzt in der NZZ. Der 60-jährige Propst steht dem Institut Sankt Philipp Neri vor. Nur wenige Meter vom Mauerpark und dem Brennpunkt Gesundbrunnen entfernt, feiert Goesche die Messe in der außerordentlichen Form. Die neugotische Kirche des Instituts, Sankt Afra, liegt in einem Hinterhof. Als Goesche das Institut im Jahr 2004 aus der Taufe hebt, besuchen 20 Personen die Messe. Mittlerweile hat sich eine feste, fast familiäre Gemeinde gebildet, die weit über die Grenzen Berlins hinausreicht.

Liturgie ist kein politisches Statement, sondern Schönheit

Es ist das Lebenswerk eines Priesters, der die Liebe zur alten Messe entdeckt hat, und den seine Erfahrungen aus Rom prägen. Dazu gehört auch ein romanischer Hang zum Essen und Trinken. In den Sommermonaten lädt der Propst auch mal in den Garten des Instituts ein. Goesches katholischer Traditionalismus zitiert eher den italienischen Barock als jene biederen Zerrbilder, die man ihm gerne unterstellt. Die Liturgie ist kein politisches Statement, sondern vor allem Schönheit, sie ist Fülle, sie ist "das Handeln Gottes durch die Kirche". Der Heilige Philipp Neri, der Namenspatron des Instituts, ist nicht nur als einer der großen Männer nach dem Trienter Konzil bekannt - sondern auch für die Anekdote, dass er weinselig und Gassenhauer singend mit seinem Freund Felix von Cantalice durch die Straßen torkelte. "Opus Dei und die Jesuiten sind eine sehr spanische Angelegenheit. Die Spanier haben immer so einen leichten militärischen Drall. Ich versuche, das alles sehr römisch aufzuziehen." Auch der französische Ernst in der alten Messe bleibt ihm fremd. "Jesus, verlass dich nicht auf mich", zitiert er ein Gebet des Patrons.

Schwarz macht bunt

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Ähnlich wie Philipp lässt sich auch Goesche auf das Leben in einer Stadt ein, die dem Christentum zugunsten des Zeitgeistes abgeschworen hat. Im multikulturellen Wedding ist die Soutane sein Ausweis als "Experte für Religionsfragen"; er wird angesprochen - auch von Muslimen. "Schwarz macht bunt", sagt Goesche. Zum jährlichen Orgelfestival in Sankt Afra, bei dem renommierte Organisten aus dem Ausland anreisen, wollen nicht nur Katholiken die Kompositionen auf der historischen Hill-Orgel hören. Sektiererei ist dem Institut, das als Gesellschaft päpstlichen Rechts direkt Rom untersteht, fremd. Goesche ist kein einsamer Rufer in der Wüste. Er hat in einer heidnischen Stadt nach Wasser gegraben und leitet eine "katholische Oase"; dazu eine, in die sich der Geschmack philippinischen Weins mischt.

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