Die missionarische Pfarrei

Pfarreiengemeinschaft Donaustauf-Bach: Jenseits der Komfortzone

Die Pfarreiengemeinschaft Donaustauf-Bach im Bistum Regensburg hat sich mit der "Kleinen Mission" raus aus der Komfortzone gewagt und Personen aller Konfessionen zu Hause besucht. Daraus sind nun auch neue Initativen entstanden.
Donaustauf-Bach im Bistum Regensburg
Foto: Bistum Regensburg | Zu zweit ausgesandt, suchten Missionare – links: Agnes Träger – den Kontakt mit den Menschen in der Gemeinde.

Die Pfarreiengemeinschaft Donaustauf-Bach hat sich auf den Weg der Neuevangelisierung begeben: mit neuen Formen und bewährten Formen, um den katholischen Glauben missionarisch weiterzugeben. 25 Missionare sind deshalb vier Wochen lang in der Pfarreiengemeinschaft Donaustauf-Bach im Bistum Regensburg von Tür zu Tür gegangen. Ziel der Aktion „Kleine Mission“, die in der Verantwortung der Passionisten von Schwarzenfeld bei Schwandorf liegt, war es, den Glauben in den Pfarreien östlich von Regensburg zu stärken und weiteren missionarischen Schwung zu bringen. Bischof Rudolf Voderholzer sandte die Missionare im Oktober aus.

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Personen unabhängig von Konfession besucht

Von Tür zu Tür ging es ungeachtet dessen, ob die Besuchten ungetauft, aus der Kirche ausgetreten, katholisch sind oder einer weiteren Konfession angehören. Etwa 95 Prozent der etwa dreitausend Haushalte wurden aufgesucht, zumindest kamen sie mit dem Besuchsangebot in Kontakt: in Donaustauf, Bach, Sulzbach, Demling und Frengkofen. „Manche haben nur hallo gesagt“, blickt Pfarrer Erich Renner zurück, der die Missionare eingeladen hatte: „Vereinzelt gab es auch abweisende Reaktionen. Insgesamt aber waren die Antworten neutral bis sehr positiv.“ Passionistenbruder Antonius Maria Bringmann sagte, man wollte auf alle Fälle die Haltung vermeiden: „Wir sind kurz da, mischen die Pfarrei auf. Toll! Und dann sind wir wieder weg.“

Von den 25 Laienmissionaren waren mindestens sechs bis zehn Personen in Zweierteams dauernd präsent. So waren stets drei bis fünf Gruppen oder noch mehr unterwegs. Sie waren in Vorbereitungsabenden geschult worden. Die kleine Mission fügt sich ein in das Konzept der missionarischen Pastoral, das seit 2020 im Bistum Regensburg verwirklicht wird. Während der Hausbesuche war eucharistische Anbetung in der Kirche. Für die Pfarreiengemeinschaft waren das Kommen der Missionare und ihre Unterstützung eine einmalige Aktion. Passionistenpater Dominikus Hartmann und Bruder Antonius Maria hatten die missionierende Gruppe zusammengestellt. Agnes Träger etwa aus Schmidgaden bei Schwarzenfeld war Teil des Teams und hatte sich für die Mission eigens Urlaub genommen. Bruder Antonius (42) war bis 2017 Inhaber zweier Apotheken. Ein Jahr darauf trat er der Gemeinschaft der Passionisten bei.

Buntes Missions-Team

Wenn sich nach dem Klingeln eine Haustüre öffnete, entwickelte sich meist ein zumindest kurzes Gespräch. Wichtig sei es, berichtete Bruder Antonius, Ablehnung nicht persönlich zu nehmen. Die Missionare hielten eine Kerze als Geschenk bereit, dazu ein Faltblatt mit dem Hinweis auf die vier Barmherzigkeitsabende und weitere Angebote der Pfarreiengemeinschaft. Den Tag starteten sie mit einer heiligen Messe im Rahmen der Pfarrei oder einer gemeinsamen Gebetszeit in der Kirche. Bei einer Gebetspause legten sie die erlebten sowie die folgenden Begegnungen und Gespräche vor den Herrn.

Die Missionare waren ein bunt gemischtes Team im Alter zwischen 20 und 70 Jahren. Pater Dominikus wünscht sich, dass jeder Christ die eigene Komfortzone verlässt und mit anderen über den Glauben spricht. Jeweils vom Donnerstag bis zum Samstag waren die Missionare unterwegs. In der letzten Woche – wegen des zweiten Lockdowns waren Hausbesuche nicht mehr möglich – wurde die Pfarreiengemeinschaft bei Prozessionen mit dem Allerheiligsten in den fünf Orten gesegnet. Menschen auf der Straße bekreuzigten sich, andere haben froh gewunken. Pfarrgemeinderatssprecherin Dagmar Langer,  seit 2018 PGR-Sprecherin, Mutter von vier Kindern und in Teilzeit berufstätig, hebt hervor, dass nach den gemeinsamen Gottesdiensten die Möglichkeit für die Gläubigen bestand, mit den Missionaren ins Gespräch zu kommen. Am Ende der Gottesdienste legten sie Zeugnisse davon ab, wie sie Gott in ihrem Leben erfahren konnten. „Sie haben uns von ihrem Weg erzählt. Ich habe es als ein harmonisches Miteinander empfunden“, erzählt Frau Langer.

„Die Pfarrei braucht in Zukunft den langen Atem des Heiligen Geistes"

Pfarrer Renner ist sich nach den Erfahrungen der Mission sicher:„Die Pfarrei braucht in Zukunft den langen Atem des Heiligen Geistes und viele Leute, die selber brennen, weil sie von Gott begeistert sind, weil sie eine Bekehrung erlebt haben, weil sie den Glauben unbedingt weitergeben wollen. Solche Leute können die Pfarrei in eine gute Zukunft führen. Der Pfarrer allein kann das nicht.“ Daher wird, was gesät wurde, seit Monaten praktisch weitergeführt, wobei vorhandene Initiativen ausgebaut werden: Seit mehr als zehn Jahren findet einmal im Monat die nächtliche Anbetung des Allerheiligsten in der Pfarrkirche Donaustauf vom Freitag auf Samstag statt – seit 4. Februar nun gibt es zusätzlich den wöchentlichen Anbetungstag von 8 bis 19 Uhr donnerstags mit der Feier der Heiligen Messe als Abschluss. „Das ist aus der kleinen Mission erwachsen und darüber bin ich sehr froh“, sagt Renner. Mehr als 20 Personen haben sich dazu bereit erklärt.

Gibt es bereits seit dem Weltjugendtag in Köln monatlich eine Holy Hour, von der Jugend mit Band gestaltet, so wird seit vergangenem Jahr eine eigene Messe mit den Jugendlichen in der Pfarrei angeboten, in deren Rahmen die Jugendband spielt. Auch die Gebetskreise haben den Schwung aufgenommen: Jeden ersten Dienstag im Monat ist Alpha-Gebetskreis, der sich aus dem gleichnamigen Kurs entwickelt hat. Sobald es möglich ist, wird der dritte Alpha-Kurs stattfinden. Der Medjugorje-Gebetskreis trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat. Im Gebetskreis „Mütter beten“ beten jüngere Mütter wöchentlich für ihre Kinder und die Anliegen der Familie.

Vielfältige Angebote

Die Glaubensgespräche haben als monatliche Katechesen zu dem Thema der Sakramente bereits 2019 begonnen. Sobald wieder möglich, werden sie weitergeführt. Es gibt Familiengottesdienste, Kleinkindergottesdienste sowie die Kinderkirche in Bach mit Angeboten für Vorschulkinder. Gerade die Vorschulkinder haben in Corona-Zeiten „Advent- und Weihnachten in der Tüte“ erhalten – damit sie „dranbleiben“, wie sich Pfarrer Renner ausdrückt.
Zur Katholizität in Vielfalt gehören im Übrigen auch Messfeiern in der außerordentlichen Form des römischen Ritus. Jahr für Jahr hält Pfarrer Erich Renner in der Fastenzeit Schweigeexerzitien. Und in der Regel gibt es jährlich – so möglich – eine etwa einwöchige Wallfahrt zu bekannten Zielen wie Lourdes, Fatima, Rom, Assisi, Krakau.

Mitglieder der „Jugend 2000“ sind in der Pfarrei als „mobile Kontaktstelle“ stets gut erreichbar. Zu ihrem „Heilig-Geist-Tag“ für Firmlinge kommen bis zu 60 Jugendliche. Doch damit hat es nicht sein Bewenden: Wer entzündet ist, besucht die Besinnungstage für Kinder und Jugendliche. Eigene Fahrten ins Jugendbildungshaus vertiefen den Glauben weiter – in Gemeinschaft. Dazu passt, dass zwei junge Männer aus der Pfarrei das Priesterseminar St. Wolfgang in Regensburg besuchen. Renner: „Wir hoffen auf eine Doppelprimiz.“ Und in Bach war kürzlich eine Primiz, die erste seit Menschengedenken.

Mission soll kein Strohfeuer bewirken

Damit die Pfarrei Zukunft hat, gilt es, Menschen „noch mehr zu einer persönlichen Beziehung mit Gott zu führen, durch spirituelle Angebote, Katechese und neue Formen der Evangelisierung, noch mehr auf Gemeinschaft und persönliche Begegnungen zu setzen, vor allem, wenn dies wieder möglich ist, in Kleingruppen. Wir sollen uns im Pfarrgemeinderat noch mehr im Glauben gegenseitig bestärken“, sagt Pfarrer Renner, und: Zukunft hat „unsere Pfarrei dann, wenn wir auf die Leute zugehen, die Hausbesuche beibehalten, auch wenn die Kleine Mission vorbei ist, damit wir immer wieder Einzelne gewinnen können“. Sonst sei vieles nur ein Strohfeuer. Pfarrer Renner schaut zuversichtlich in die Zukunft: „Wir wollen den begonnenen Weg als missionarische Pfarreiengemeinschaft weitergehen.“

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