Die missionarische Pfarrei

Pfarrei St. Blasius in Salzburg: Mission im Wind des Geistes

St. Blasius in Salzburg ist ein Hotspot der Neuevangelisierung. Denn die Pfarrei arbeitet eng mit der jungen, missionarischen Loretto-Gemeinschaft zusammen. Trotz anfänglicher Spannungen trägt die gemeinsame Arbeit nun reiche Früchte.
Pfingsten online
| Vergangenes Jahr konnte der Pfingst-Kongress der Loretto-Gemeinschaft, der jährlich mehr als 10.000 junge Leute in Salzburg anlockt, nur online stattfinden.

Die berühmte Salzburger Getreidegasse, die auf die Bürgerspitalkirche St. Blasius zuläuft, war noch nie so leer: keine Gruppen, kein Gedränge, nur ein paar freundliche Einheimische, die die pandemiebedingte Stille und Entschleunigung ein klein wenig zu genießen scheinen. Am westlichen Ende des sonstigen Touristenhotspots, geht es zu Füßen des Mönchsbergs in den großzügig angelegten Bürgerspitalhof, dessen Gebäude die Pfarrei St. Blasius beherbergen. Pfarrer Gerhard Viehhauser betont, dass die Ende des 12. Jahrhunderts vom Benediktinerstift Admont erbaute Anlage schon immer ein Ort der Begegnung, Nächstenliebe und Heilung war. Die Kirche St. Blasius, deren Weihe 1350 stattfand, gehöre nach dem Dombezirk und dem Mönchsberg zu den wichtigsten historischen Orten Salzburgs.

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Früher Krankenlager, heute Gebetsraum

Anna Tiefenthaler, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, öffnet die Tür zum großen gotischen Saal: Wo früher Krankenlager waren, trifft sich jetzt der große Loretto-Gebetskreis sonntags zu Lobpreis und Gebet: „Im Moment mit Corona-Bestuhlung und gezwungenermaßen mit weniger Leuten“, meint Anna mit Blick auf die großzügig verteilten Sofas und Stühle. Dass St. Blasius eine Pfarrei mit Stil ist, zeigt sich sofort. Die Corona-Zeit hat man genutzt, um Räumlichkeiten zu renovieren, denn hier geht die Post ab!

Wo es an diesem Freitagvormittag während der Pandemie relativ ruhig ist, herrscht üblicherweise starker Betrieb, das merkt man nicht nur an der notwendigen Beschilderung, dem sorgfältig betreuten Büchereck neben den Büros, sondern auch am neu gestalteten „Wohnzimmer“, einem beeindruckenden Begegnungsraum, der auch als schicke Cafébar durchgehen könnte. Man merkt das Anliegen, dass Menschen sich hier wohlfühlen sollen. Einfach sympathisch. „Cor ad cor loquitur … man hat leicht reden“, zitiert Pfarrer Viehhauser den heiligen John Henry Newman und betont mit diesem für ihn zentralen Satz auch, dass er St. Blasius in erster Linie als Ort der lebendigen Christuserfahrung und der herzlichen Begegnung versteht.

Junge Missionsbewegung trifft auf alteingesessene Pfarrei

Der Name „Geistliches Zentrum St. Blasius“ ist adäquat, denn St. Blasius ist eine Pfarrei, aber auch viel mehr als das. Als Erzbischof Georg Eder 2002 Gerhard Viehhauser als Pfarrer in St. Blasius einsetzte und die Pfarrei der Loretto-Gemeinschaft anvertraute, war das ein mutiger und folgenreicher Schritt für die Erzdiözese Salzburg. Die charismatische, marianische, junge, missionarische Loretto-Bewegung, die einen Hang zu englischen Ausdrücken hat, freies Gebet lebt, dynamisch ist, die Medien mutig zur Mission einsetzt – und eine alteingesessene Pfarrei? „Ganz einfach war es nicht“, gesteht Gerhard Viehhauser, „es gab schon auch schmerzvolle Spannungen. Sehr geholfen hat mein Vorgänger als Pfarrer, P. Franz Schaberger, der wirklich ermutigend war und ein offenes Herz für die Jugend hatte. Aber unser missionarischer Impact hat schon manche überfordert.“ Mittlerweile scheint sich die Situation wunderbar entwickelt zu haben: „Pfarrei und Lorettos, das geht Hand in Hand!“, beschreibt Anna Tiefenthaler die gelungene Verbindung.

Tatsächlich, die Power ist enorm: St. Blasius ist das Headquarter für den jährlichen Pfingstkongress der Loretto-Gemeinschaft, der vor Corona jährlich mehr als 10 000 junge Leute in Salzburg versammelte, im Glauben stärkte, begeisterte und als missionarische Christen neu aussandte. Ob der Pfingstkongress heuer stattfinden wird? „Ja“, erzählt in der von Loretto betriebenen Dom-Buchhandlung ein Mitarbeiter, „aber natürlich anders, mit viel, viel weniger Leuten als sonst, aber alles wird übertragen, Ihr könnt alle live dabei sein!“

Krise wird zur Missionschance

Lisi Flittner, die Musikverantwortliche von St. Blasius, erzählt, dass die Kar- und Osterliturgie 2020 von 9.000 Menschen online mitgefeiert wurde: „Die heilige Messe, die bei uns sehr musikgeprägt ist, spricht wirklich viele an!“ Die Krise wird zur Missionschance: der „Sunday Morning“ von Loretto wird via „Home Church TV“ aus St. Blasius gestreamt, eine durchdachte Abfolge von Lobpreis, Kurzvortrag, Gebet und Eucharistiefeier. Das Thema, über das im März und April 2021 referiert wird, ist übrigens „Abenteuer Beziehungen“. Mission durch Musik, Glaubensvertiefung, Begegnung und Schönheit, das passt gut nach Salzburg! Erzbischof Franz Lackner weiß, welcher Schatz St. Blasius und Loretto für die Erzdiözese sind, das zeigt sich nicht nur darin, dass Pfarrer Gerhard Viehhauser mittlerweile Bischofsvikar für Ehe und Familie sowie Domkapitular ist.  Die in unmittelbarer Salzburger Nachbarschaft versammelten Charismen wirken: „St. Peter ist der Kulturmagnet, die Franziskanerkirche der Beichtmagnet und wir sind der Jüngerschaftsmagnet!“, stellen die Mitarbeiter des geistlichen Zentrums St. Blasius fest.

„Jüngerschaft“ ist in St. Blasius seit einigen Jahren ein zentraler Begriff: In der „Vita communis“ leben einige Leute im Pfarrhof mit, arbeiten und beten gemeinsam, und im Dienst an der Gemeinschaft, in der  „J9“ machen aktuell 37 junge Leute neun Monate lang eine „Jüngerschaftsausbildung“, die sie durch Glaubensvertiefung und konkrete Ausbildungsmodule befähigt, selbst in einer Leiterfunktion missionarisch tätig zu sein. Ein wichtiges Missionswerkzeug – wie sich gerade in der aktuellen Situation zeigt – ist die technische Ausstattung und das entsprechende Knowhow. Dass Loretto diesbezüglich seit langer Zeit professionell aufgestellt ist, trägt jetzt reiche Frucht.

Bürgerspitalkirche St. Blasius früher auch „Heilig-Geist-Kirche“ genannt

Einige Initiativen von St. Blasius seien noch erwähnt: Ein sehr zugängliches Format, das seit vielen Jahren eine starke persönliche Glaubenserfahrung für alle Altersgruppen ermöglicht, ist der „Abend der Barmherzigkeit“ mit Gebetsteams, Anbetung, Beichtmöglichkeit, Musik. In die Tiefe der Kontemplation geht es bei „24/7“ („twentyfourseven“), dahinter verbirgt sich Ewige Anbetung, die Chance, vor dem ausgesetzten Allerheiligsten in der Freundschaft mit Christus zu wachsen. Mit großer Dankbarkeit angenommen wird auch das „Gebet für Dich“, wo der Fokus auf körperlicher und geistiger Heilung liegt. Das geistliche Zentrum St. Blasius: Seelsorge und Mission im Wind des Heiligen Geistes, kraftvoll, hingegeben, voll Hoffnung und Freude. Schon interessant, dass die Bürgerspitalkirche St. Blasius in früheren Zeiten auch „Heilig-Geist-Kirche“ genannt wurde.

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