Würzburg

Petrusbruderschaft: "Unsere Seminare sind gesteckt voll"

Volle Seminare und ein Zulauf an jungen Leuten: Der scheidende Distriktobere der Petrusbruderschaft, Pater Bernhard Gerstle FSSP, zieht positive Bilanz.
Priesterweihe der Petrusbruderschaft
Foto: P.Razzo (CIRIC) | Eine Priesterweihe der Petrusbruderschaft in der Kathedrale Notre-Dame in Chartres. Den Priesterseminaren der traditionellen Gemeinschaften mangelt es nicht an jungen Kandidaten.

Herr Pater Gerstle, Traditionalisten galten, wie Robert Spaemann einmal sagte, als Schmuddelkinder in der katholischen Kirche. Hat sich da etwas bewegt?

Ja, ich denke gern an einige Begegnungen mit Bischöfen zurück, die von einem spürbaren Wohlwollen mir als Distriktsoberen und unserer Gemeinschaft gegenüber geprägt waren. Generell darf ich betonen, dass wir fast überall fair und korrekt von Seiten der Bistumsleitungen behandelt worden sind. Als positives Beispiel sei die offizielle oder inoffizielle Sondererlaubnis zur Mundkommunion im außerordentlichen lateinischen Ritus mit verschiedenen Vorsichtsmaßnahmen in der Corona-Krise genannt, als in Deutschland die Mundkommunion zu diesem Zeitpunkt im ordentlichen lateinischen Ritus immer noch verboten war. Das war ein schönes Zeichen des Entgegenkommens von Seiten zahlreicher Bischöfe, auch wenn man das Verbot der Mundkommunion kritisch in Frage stellen kann.

Welche positiven Erfahrungen stehen Ihnen am Ende Ihrer Amtszeit vor Augen?

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Wir haben etliche Häuser mit Zustimmung der Bischöfe kanonisch errichten können, was unseren Apostolaten eine kirchenrechtlich nicht unbedeutende Stabilität verleiht und ein Hinweis ist auf eine gewachsene Wertschätzung. In einigen Niederlassungen haben sich die äußeren Rahmenbedingungen wesentlich verbessert, indem uns schöne und geeignete Kirchen zur Haupt- oder Alleinnutzung zur Verfügung gestellt wurden. In Tschechien, das ebenfalls zum deutschsprachigen Distrikt gehört, durften wir vor zwei Jahren in der Diözese Budweis die Verantwortung für einen altehrwürdigen Wallfahrtsort mit Pfarrei übernehmen. Erfreulich ist, dass gegen den allgemeinen Trend, die Zahl unserer Messbesucher seit Jahren in den meisten der von uns betreuten Gemeinden kontinuierlich zunimmt.

"Die Gläubigen nehmen dort zum Teil sehr weite Anfahrten zur Sonntagsmesse in Kauf und verbringen dann oft bis in den späten Nachmittag hinein die Zeit mit anderen Gläubigen und deren Familien."

Zu den jüngeren Ereignissen im Leben der Petrusbruderschaft gehörte das Generalkapitel 2018 im Seminar in Denton/Nebraska stattfand. Was fällt Ihnen aus europäischer Sicht vor Ort ins Auge?

Die Verhältnisse in Nordamerika, wo wir stark vertreten sind, unterscheiden sich doch sehr von denen in Europa. Dort stehen viele Bischöfe der überlieferten Liturgie äußerst positiv gegenüber, so dass wir zahlreiche Anfragen um Priester gar nicht positiv beantworten können. Die Gläubigen nehmen dort zum Teil sehr weite Anfahrten zur Sonntagsmesse in Kauf und verbringen dann oft bis in den späten Nachmittag hinein die Zeit mit anderen Gläubigen und deren Familien.

Die alten Frontstellungen zwischen altem und neuem Ritus scheinen inzwischen in den Hintergrund gerückt zu sein. Wieviel Konfliktpotenzial steckt eigentlich noch in diesem einst so heißdiskutierten Thema?

Durch das Motu Proprio „Summorum Pontificum“ von Papst Benedikt XVI. aus dem Jahr 2007 haben sich die Fronten wesentlich entschärft. Das hat im Sinne des Papstes deutlich zur liturgischen Versöhnung beigetragen. Inzwischen feiern zahlreiche Diözesan- und Ordenspriester beide Formen des römischen Ritus. Seitdem sind die kritischen und negativen Stimmen gegenüber dem „alten Ritus“ leiser und weniger geworden. Das Verständnis und die Wertschätzung des „alten Ritus“, der ja für die jüngere und mittlere Generation inzwischen der „neue Ritus“ geworden ist, ist dadurch deutlich gewachsen, besonders bei jungen Menschen. Umso bedauerlicher wäre es, wenn nun die Zelebration der überlieferten Form durch die römische Kurie wieder eingeschränkt würde. Ich beobachte allerdings innerhalb des „Novus Ordo Missae“ eine immer tiefer werdende Kluft zwischen jenen Priestern, welche die neue Liturgie vorschriftsmäßig und würdevoll feiern und jenen, die sich willkürliche Freiheiten erlauben und sich immer mehr in ihrem liturgischen Verständnis von der katholischen Lehre über das heilige Messopfer entfernen.

Dass die Lage des Glaubens ernst ist, dürfte gerade mit Blick auf Deutschland außer Frage stehen. Welchen Beitrag kann eine Gemeinschaft wie die Petrusbruderschaft zur Überwindung der Krise der Kirche leisten?

Indem wir ohne Abstriche den katholischen Glauben verkünden und uns um ein glaubwürdiges priesterliches Lebenszeugnis bemühen. Je mehr der Glaube und die Moral der Kirche in Frage gestellt und angegriffen werden, umso mehr kommt es darauf an, diesen Glauben und die Moral der Kirche in der ganzen Fülle und Schönheit zu verkünden. Die Menschen sollen begreifen, dass dies keine Last, sondern ein Geschenk ist. Der christliche Glaube beinhaltet die Verheißung ewigen Lebens und ewiger Freude. Kann uns die Welt auch nur annähernd Ähnliches bieten? Ich kann die Mut- und Sprachlosigkeit vieler Bischöfe und Priester darum nicht nachvollziehen. Mit opportunistischer Anpassung an den Zeitgeist fahren wir jedenfalls den Karren vollends an die Wand. Jesus hat sich auch nicht nach der öffentlichen Meinung ausgerichtet oder sich an Mehrheiten orientiert, sondern die Wahrheit verkündet, ob gelegen oder ungelegen.

"Der christliche Glaube beinhaltet die Verheißung ewigen Lebens und ewiger Freude. Kann uns die Welt auch nur annähernd Ähnliches bieten?"

In Ihre Amtszeit fällt ein Dekret der Glaubenskongregation (2020), das den alten Ritus für neue Präfationen und neue Heilige öffnet. Wie beurteilen Sie das Ergebnis?

Kritik gab es von zwei Seiten: Überzeugte Anhänger des „Novus Ordo Missae“ betrachteten dies als Aufwertung der überlieferten Liturgie und sahen es ebenso kritisch wie einige traditionelle Laienvereinigungen, die ihre Sorge geäußert haben, dass nun etliche Änderungen erfolgen und so nach und nach der Ritus von 1962 ausgehöhlt werde. Gerade diese Sorge kann ich in diesem Fall nicht verstehen. Mit diesen organischen Anpassungen und Erweiterungen, die es bei einer lebendigen Liturgie immer wieder gibt, wurde vielmehr ein Grundanliegen von Papst Benedikt XVI. aufgegriffen und verwirklicht. Gerade die Aufnahme neuer Heiliger ist doch ein großer Gewinn und eine Bereicherung, die auch von vielen Befürwortern der überlieferten Liturgie lange ersehnt worden ist.

Was kann Gläubigen heute Mut machen, um nicht zu resignieren?

Dass es junge Menschen gibt, die allen Schwierigkeiten und Widerständen zum Trotz ihr Leben auf eine Karte setzen und sich Gott weihen, macht gläubigen Katholiken viel Mut. Unsere beiden Priesterseminare in Wigratzbad und Denton sind mit jeweils über achtzig Seminaristen proppenvoll. Es sind wunderbare junge Männer, die den Ruf Gottes vernommen haben und aus Liebe zu ihm bereit sind auf Familie und Karriere in der Welt zu verzichten. Freilich bedarf das einer sorgfältigen Prüfung von Seiten der Oberen und der Kandidaten selbst. Es geht darum, den Willen Gottes zu erkennen und zu erfüllen.

Was ebenso Mut macht, ist die eucharistische Anbetung, die viele junge Leute anzieht. Ich denke zum Beispiel an den eucharistischen Kongress in Altötting, den Bischof Stefan Oster ins Leben gerufen hat. Die zahlreiche Teilnahme junger Menschen macht deutlich, wie groß das Bedürfnis nach Spiritualität ist. Wir dürfen die Erfüllung dieser Sehnsucht doch nicht protestantischen Sekten oder gar nichtchristlichen Religionen überlassen, da wir mit der wirklichen Gegenwart Christi im heiligen Sakrament des Altars den größten Schatz auf Erden in unserer Kirche haben. Es ist auffällig, dass gerade auch bei diesen Gebetstreffen das heilige Sakrament der Buße neu entdeckt und wiederbelebt wird. Die Priester der Petrusbruderschaft halten in fast allen unseren Gemeinden in der Regel einmal wöchentlich vor oder nach der heiligen Messe eine stille eucharistische Anbetung bei gleichzeitiger Beichtgelegenheit. Das sollte Standard in allen Pfarrgemeinden werden!


Nach sechs Jahren hat das Amt des Distriktoberen der Petrusbruderschaft in dieser Woche an Pater Stefan Dreher FSSP übergeben.

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