Berlin

Parolin besucht Berlin

Der Kardinalstaatssekretär würdigt das 100-jährige Bestehen der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und dem Vatikan. Während einer Messe in der Johannesbasilika geht er auf den Synodalen Weg ein.
Steinmeier empfängt Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin
Foto: Wolfgang Kumm (dpa) | Bundespräsident Franz-Walter Steinmeier empfing den Kardinal im Schloss Bellevue.

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hat am Dienstag in der Berliner Johannesbasilika gemeinsam mit dem Apostolischen Nuntius, Bischof Nikola Eterović und zahlreichen deutschen Bischöfen die heilige Messe anlässlich des Hochfestes Peter und Paul gefeiert.  Zuvor hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den „zweiten Mann“ im Vatikan empfangen. „Der Bundespräsident hat sein Treffen für einen Austausch zu aktuellen politischen Entwicklungen in Deutschland, Europa und weltweit genutzt, dabei ging es auch um die gegenwärtige Situation der katholischen Kirche“, sagte eine Sprecherin des Bundespräsidenten im Anschluss auf Anfrage der Katholischen Nachrichtenagentur.

Nach dem 1. Weltkrieg suchte Deutschland den internationalen Anschluss

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Als Ortsbischof begrüßte der Berliner Erzbischof Heiner Koch den Päpstlichen Staatssekretär. Koch und Parolin wiesen beide darauf hin, dass ein Besuch des Kardinals im Jahre 2020 aufgrund von Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie verschoben werden musste. Im letzten Jahr war es 100 Jahre her, dass Deutschland, genauer das Deutsche Reich, und der Heilige Stuhl offiziell diplomatische Beziehungen unterhalten. Bis dahin hatte lediglich das Königreich Preußen einen Botschafter beim Heiligen Stuhl sowie umgekehrt der Heilige Stuhl eine diplomatische Vertretung am bayerischen Königshof in München unterhalten.

Mit der Aufnahme von diplomatischen Beziehungen vor 100 Jahren war für beide eine win-win-Situation erreicht worden: Deutschland war nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg auf der Suche nach neuen internationalen Beziehungen und wollte in die Völkergemeinschaft aufgenommen werden. Über die Beziehungen zum Heiligen Stuhl versprach sich nicht mehr nur die katholische Zentrumspartei sondern sogar die von der Sozialdemokratie dominierte deutsche Regierung endlich wieder internationale Anerkennung. Der Heilige Stuhl war seinerseits daran interessiert, völkerrechtlich anerkannt zu werden, was dem Heiligen Stuhl 1929 mit den Lateranverträgen auch gelungen war.

Parolin erinnert an den Besuch Johannes Pauls II. und Benedikts XVI. in Berlin

In seiner Predigt erinnerte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin an den Besuch Johannes Pauls II. im Berliner Olympiastadion vor 25 Jahren, bei dem der Papst zwei Opfer des Nationalsozialismus seliggesprochen hatte: den Berliner Dompropst Bernhard Lichtenberg und den im Konzentrationslager Dachau zum Priester geweihten Karl Leisner. Auch erinnerte Parolin an den Besuch von Papst Benedikt XVI. und seine – wie er betonte – „denkwürdige Ansprache über die wahre menschliche Freiheit“ im Deutschen Bundestag vor fast zehn Jahren.

Parolin ging auch auf den Festtag ein: So wie die Apostel Peter und Paul verschiedene Charismen herausgebildet haben, so hätten sie beide auf verschiedene Weise für die Einheit der Kirche und des Glaubens Zeugnis abgelegt. Aus gutem Grund also feiere die katholische Kirche seit jeher beide Apostel zusammen. Trotz der geradezu gegensätzlichen Charaktere der beiden Apostelfürsten – so Kardinal Parolin – verbinde bei zwei Eckpfeiler des christlichen Lebens, nämlich der Primat der Gnade und die Sorge um die ganze Kirche. Mit den Worten von Papst Franziskus stellte der Kardinalstaatssekretär heraus, dass die katholische Kirche nicht lediglich „eine menschliche Organisation“ sei, sondern „der Tempel des Heiligen Geistes“.

Der Kardinal zitiert die Kritik Papst Franziskus am Synodalen Weg Deutschlands

Kardinal Parolin zitierte schließlich auch das Schreiben von Papst Franziskus „an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ vom 29. Juni 2019, in dem der  Papst den Synodalen Weg scharf kritisiert hatte: „So oft eine kirchliche Gemeinschaft versucht hat, alleine aus ihren Problemen herauszukommen, und lediglich auf die eigenen Kräfte, die eigenen Methoden und die eigene Intelligenz vertraute, endete das darin, die Übel, die man überwinden wollte, noch zu vermehren und aufrecht zu erhalten.“ Parolin mahnte, „sich wieder auf eine Einheit zu besinnen, die nicht von der Zustimmung zu gemeinsamen Visionen und Orientierungen abhängt, wie in der Politik üblich, sondern von der theologisch-spirituellen Verwurzelung in Gott“. Er wandte sich dagegen, „dass sich das Miteinander auf nur einen bestimmten Teil reduziert, so relevant und bedeutsam er auch sei“.

 

Nicht zuletzt mit diesem Zitat wies der Kardinal selbst auf die aktuelle Situation in Deutschland hin und erläuterte die Haltung des Heiligen Stuhls: Es ist die „Sorge für die ganze Kirche“, die Papst Franziskus umtreibt. Der Bischof von Rom darf nicht von seinen „persönlichen Überzeugungen“ ausgehen, sondern versteht sich als „oberster Zeuge des Glaubens der ganzen Kirche“, „als Garant des Gehorsams und der Übereinstimmung der Kirche mit dem Willen Gottes, mit dem Evangelium Christi und mit der Überlieferung der Kirche“.

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