Kirche

Päpstliche Orden und Auszeichnungen

Warum der Papst Orden und Auszeichnungen verleiht. Von Ulrich Nersinger
Benemerenti-Medaille für Verdienste der Päpstlichen Gesellschaft der Heiligen Petrus und Paulus
Foto: IN | Eine Benemerenti-Medaille für Verdienste der Päpstlichen Gesellschaft der Heiligen Petrus und Paulus. Angefertigt von der Firma Stefano Johnson in Mailand und Rom.

Der „Annuario Pontificio“, das offizielle Päpstliche Jahrbuch, kennt fünf Ritterorden und zwei Ehrenzeichen, die der Papst als weltlicher und geistlicher Souverän verleiht. Wie heißen sie und für welche Verdienste wurden sie geschaffen? Und wer erhält heutzutage päpstliche Orden und Ehrenzeichen?

Aufnahme in einen Ritterorden durch den Papst

Wird eine Verleihung nicht aufgrund internationaler diplomatischer Gepflogenheiten vorgenommen, muss sich der Auszuzeichnende um Papst und Kirche besondere Verdienste erworben haben. Seine Leistungen sollen das gewöhnliche Maß übersteigen. Haupt-Ansprechpartner für eine eventuelle Auszeichnung ist in der Regel der jeweilige Ortsbischof. Pfarrgeistliche, katholische Organisationen und Vereine können eine Verleihung der Orden und Ehrenzeichen anregen. Über den zuständigen Apostolischen Nuntius wird ein Gesuch an das Päpstliche Staatssekretariat weitergeleitet. Der Nuntius holt Informationen zur Person und zum Wirken des Auszuzeichnenden ein; das Staatssekretariat erkundigt sich dann bei den römischen Behörden, ob irgendetwas gegen eine Verleihung spricht. Für die Verleihung wird, außer sie geht auf den Papst persönlich zurück, von der Diözese, die sie beantragt hat, eine Taxe erhoben.

Die Ritterorden

Die Aufnahme in einen Ritterorden des Heiligen Stuhls geschieht durch ein päpstliches Schreiben. Der Ernennungsurkunde werden die Statuten des jeweiligen Ritterordens beigefügt, ebenso eine ausführliche Beschreibung der Uniform und die Umstände, wann und wo die Uniform oder die Ordensabzeichen zu tragen sind. Die Berufung in einen päpstlichen Ritterorden beziehungsweise die Verleihung eines Ehrenzeichens wird im offiziellen Amtsblatt des Heiligen Stuhls, den „Acta Apostolicae Sedis“, publiziert.

Der „Christusorden“

An oberster Stelle der päpstlichen Ritterorden erscheint der „Christusorden“. Er wurde 1318 durch den König von Portugal begründet und von Papst Johannes XXII. (1316–1334) bestätigt. Der Orden sollte an Stelle des aufgehobenen Templerordens treten. Doch schon 1499 wurden seine Mitglieder von den feierlichen Ordensgelübden entbunden – bis dahin lebten die Ritter nach der Regel des heiligen Bernhard. Der Orden verlor seinen monastischen Charakter und kam unter das direkte Patronat des Heiligen Stuhls. In der Folge teilte sich der Orden in einen päpstlichen und einen portugiesischen Zweig. Der Christusorden kennt nur eine Klasse und wird äußerst selten verliehen. Er war bis 1966 verdienstvollen katholischen Monarchen, Staatsoberhäuptern und hohen Würdenträgern des Päpstlichen Hofs vorbehalten.

Zwei der wenigen Ausnahmen, die von dieser Vorschrift gemacht wurden, waren die Verleihungen an Fürst Otto von Bismarck und Bundeskanzler Konrad Adenauer. Das feierliche Ordenszeichen besteht aus einer goldenen Kette, an der, überhöht von einem Schild mit militärischen Trophäen und Krone, ein rotes lateinisches Kreuz mit einem darauf liegenden kleineren weißen Kreuz hängt. Dazu wird als Brustdekoration eine „Placca“ (Stern) getragen, die das von einem goldenen Lorbeerkranz umgebene Ordenskreuz zeigt. 1966 verfügte Papst Paul VI. (1963–1978), dass der Orden nur noch an bekennende katholische Staatsoberhäupter zu verleihen sei.

Der „Orden vom Goldenen Sporn“

Der Ursprung des „Ordens vom Goldenen Sporn“ liegt im Dunkeln. Der Legende nach soll Kaiser Konstantin der Große ein Ritterkollegium mit dem Namen „Goldene Miliz“ gegründet und Papst Silvester ihm die Regel des heiligen Basilius auferlegt haben. Für fast zweihundert Jahre – von Pius IV. (1559–1565) bis Benedikt XIV. (1740–1758) – war mit der Verleihung des Ordens der Titel eines Lateranensischen Pfalzgrafen gegeben. Einen gewissen Nobilitierungscharakter behielt der Orden auch später noch bei. Er galt als päpstliche Würdigung der Verdienste bedeutsamer Personen aus der Welt der Künste. Komponisten wie Wolfgang Amadeus Mozart, Christoph Willibald Gluck und Gaetano Donizetti gehörten ihm ebenso an wie der Bildhauer Antonio Canova und der Maler Luis de la Cruz.

Pius X. begrenzte 1905 die Zahl der Ordensträger auf hundert und schaffte alle mit der Auszeichnung verbundenen Nobilitierungsrechte ab. Paul VI. gab dem Orden eine besondere Exklusivität, indem er ihn 1966 als Auszeichnung den christlichen Monarchen und Staatsoberhäuptern vorbehielt. Das Abzeichen des Ordens besteht aus einem goldenen, gelb emaillierten Malteserkreuz mit dem Monogramm der Muttergottes, unter dem sich ein goldener Sporn befindet; die silberne Placca ist mit dem Ordenskreuz geschmückt.

Der „Piusorden“

Der „Piusorden“ geht in seinen Ursprüngen auf Pius IV. zurück; in der heutigen Form wurde er von Pius IX. (1846–1878) im Jahre 1847 begründet. Der Orden ist geordnet in: Kollar-Ritter, Großkreuz-Ritter, Komture mit Stern, Komture und Ritter. In früheren Zeiten war mit der Ernennung zum Kollar-Ritter die Erhebung in den Adelsstand verbunden, der in direkter Linie an den Erstgeborenen weitergegeben werden durfte, die beiden Komturklassen bewirkten eine nicht erbliche Nobilitierung. 1939 wurden diese Privilegien aufgehoben. Papst Paul VI. ordnete 1966 an, dass die höchste Rangstufe des Ordens ausschließlich Monarchen und Staatsoberhäuptern vorbehalten bleiben soll – und zwar aus Anlass offizieller Staatsbesuche im Vatikan. Er ist der einzige päpstliche Ritterorden, der kein Kreuz aufweist, damit er vom Papst auch an nichtchristliche Persönlichkeiten verliehen werden kann.

Gregorius-, Pius- und Silvesterorden

Papst Gregor XVI. (1831–1846) schuf 1831 den „Orden des heiligen Gregors des Großen“ als Auszeichnung für loyale und verdienstvolle Bürger der Päpstlichen Staaten. Nach dem Untergang des alten Kirchenstaates galt die Aufnahme in ihn als Würdigung besonderer für den Heiligen Stuhl und die katholische Kirche geleisteter Dienste.

Der Orden wird als zivile und militärische Auszeichnung verliehen. Der „Orden des heiligen Papstes Silvester“ wurde 1841 von Papst Gregor XVI. begründet. Er ist der rangniedrigste der fünf päpstlichen Ritterorden. Die beiden letztgenannten Orden gibt es in den Rangstufen: Großkreuz-Ritter, Komture mit Stern, Komture und Ritter. Papst Johannes Paul II. beschloss am 25. Juli 1996, dass in den Pius-, Gregorius- und Silvesterorden auch Personen weiblichen Geschlechts aufgenommen werden können.

Das Verdienstkreuz „Pro Ecclesia et Pontifice“ stiftete Papst Leo XIII. (1878–1903) aus Anlass der Feier seines Goldenen Priesterjubiläums; die Medaille „Benemerenti“ wurde erstmals unter Papst Pius VI. (1775–1799) verliehen. Die beiden Ehrenzeichen sind je nach Pontifikat unterschiedlich gestaltet und gefertigt. Sie werden von einem gelbweißen Band gehalten und an der linken Brust getragen. „Pro Ecclesia et Pontifice“ und „Benemerenti“ sind Auszeichnungen für katholische Männer und Frauen; im Gegensatz zu den päpstlichen Ritterorden können sie auch an Ordensleute verliehen werden.

Die Verleihung eines geistlichen oder weltlichen Ehrentitels durch den Papst, die Aufnahme in einen päpstlichen Ritterorden und die Auszeichnung mit einem Verdienstkreuz oder einer Medaille sind als Zeichen des Dankes zu verstehen, für Dienste, die dem Heiligen Stuhl und der Kirche in herausragendem Maße geleistet wurden. Aber darüber hinaus kommt ihnen eine weitere Bedeutung zu. Sie nehmen ihre Träger in die Pflicht, sie fordern ein Bekenntnis zu den Idealen, für die sie stehen. Päpstliche Ordenskreuze und Ehrenzeichen wollen daher mehr als Schmuck und Dekoration sein – sie sind ein bleibender Ansporn.

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