Würzburg

Neuevangelisierung mit „kath-kurs“: Die Diözesen erwachen

Bisher hat die katholische Kirche im deutschsprachigen Raum vor allem geistlichen Gemeinschaften das Feld der Neuevangelisierung überlassen. Mehrere süddeutsche Bistümer starten nun aber mit dem Glaubenskurs „kath-kurs“ eine neue Initiative angelehnt an die Alpha-Kurse.
Bischof Oster beim Fest der Jugend in Salzburg
Foto: Loretto | Der Passauer Bischof Stefan Oster spricht beim jährlichen Loretto-Pfingstfestkongress im Jahr 2017.

Viele tiefgläubige Katholiken konnten in den letzten Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten, den Eindruck haben, dass sich der deutsche Zweig der Weltkirche in einer Art Wachkoma befindet. Das Gefühl der Lähmung griff ausgerechnet umso vehementer bei den treuen Kirchenbesuchern um sich, als die Aktivitäten der selbsternannten Erneuerer zunahmen. Allein den Betern – und den Angehörigen geistlicher Gemeinschaften – schien es noch gelingen zu können, dem gelähmten Riesen katholische Kirche etwas Odem einzuhauchen.

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Süddeutsche Bistümer starten Glaubenskurs

Dabei haben die süddeutschen Bistümer Augsburg, Passau, Eichstätt und Regensburg gerade ein ebenso eindrückliches wie hoffentlich nachhaltiges Signal für eine quicklebendige katholische Kirche hierzulande gesetzt. Und zwar für Pfarreien und katholische Christen, die einen Weg der Erneuerung und Vertiefung gehen wollen.

Unter dem Motto „Entdecke die katholische Kirche“ wurde in Kooperation ein Glaubenskurs auf den Weg gebracht, der sich ebenso prägnant wie griffig einfach „kath-kurs“ nennt und vom Ablauf her an die äußerst erfolgreichen Alpha-Kurse angelehnt ist. Das Institut für Neuevangelisierung am bischöflichen Ordinariat in Augsburg beschreibt deshalb das Format auch mit diesen Worten: „An zehn Abenden und einem Wochenende gemeinsam zu essen, katholische Themen und Glaubenspraxis kennenzulernen und sich darüber auszutauschen macht den Kursinhalt aus.“

Leitlinien für die Arbeit in Kleingruppen

Es gehe konkret darum, Raum zu schaffen, um die katholischen Glaubensvollzüge für sich selbst zu entdecken und in der Gemeinschaft der Kirche zu erleben. Um diese Prozesse zu unterstützen, gibt es Vorträge im Filmformat und Leitlinien für die Arbeit in Kleingruppen sowie Impulse für Gebetszeiten, kurz, eine Fülle von Materialien, die jeder Pfarrei, aber auch jeder interessierten Gruppe die Möglichkeit bieten, den Kurs idealerweise mithilfe des Teilnehmerbuches und des Mitarbeiterhandbuches vor Ort durchzuführen.

Dabei sei es hilfreich, aber natürlich nicht Bedingung, wenn eine Pfarrgemeinde bereits Vorerfahrungen mit Alpha, Neuland oder ähnlichen Glaubenskursen gemacht habe, denn diese Kurse beinhalteten Elemente wie Anbetungs- oder Lobpreiszeiten und mehr oder weniger strukturierte Gesprächsgruppen – solche und ähnliche Elemente tauchten auch im Kath-Kurs wieder auf, erläutert Christiane Kurz, die Referentin für Projektkoordination am Institut für Neuevangelisierung in Augsburg. Alphakurse gibt es auf der ganzen Welt und werden bei engagierten Menschen zuhause, in Cafés, Kirchen, Universitäten, Gefängnissen oder Jugendklubs abgehalten.

Glaubensbasics neu erklärt

Doch während der Alphakurs ursprünglich überkonfessionell von einem anglikanischen Institut entwickelt wurde und in erster Linie allgemeine Glaubens- und Sinnfragen behandelt, soll es im Kath-Kurs schwerpunktmäßig um die Grundlagen der katholischen Kirche gehen: Die Muttergottes, die Heiligenverehrung – und vor allem die Sakramente – Taufe, Krankensalbung, Firmung sowie natürlich insbesondere um das pulsierendes Herzstück, die heilige Eucharistie. Die Themen werden an zehn Abenden behandelt, für die Eucharistie als zentrales Sakrament für Katholiken ist ein ganzes Wochenende vorgesehen. Entstanden ist das Konzept, das sich an alle Menschen richtet, die nach einem Glaubenskurs die katholische Kirche und ihre Glaubensvollzüge kennenlernen und verstehen wollen, aber auch an „alte Hasen“, die schon lange in ihrer Pfarrei engagiert sind und sich nach einer Vertiefung und Verlebendigung ihres Glaubens sehnen. So finden sich auf der sehr empfehlenswerten Webseite zur Initiative auch einige Zeugnisse von ganz verschiedenen Teilnehmern.

Ines Landerer etwa hat als Taufbewerberin an diesem Kurs teilgenommen und kann von sich sagen, dass der Kurs sie in ihrem Wunsch bestärkt habe, ein Leben mit Gott zu führen. Ihr Wissen über den katholischen Glauben hat sie bereichern können. So fühlt sie sich gut vorbereitet darauf, hinauszugehen und diesen Glauben auch zu anderen Menschen zu tragen. Leonhard und Angelika Schneider haben bereits an einem Alphakurs teilgenommen und fühlen sich durch den kath-Kurs in ihrem Glauben gefestigt und gestärkt. Dieser Glaube umfasst für sie selbstverständlich auch die Liebe zur Muttergottes.

Auch online angeboten

Für Jürgen Wagner war es wichtig, die Gemeinschaft von Menschen zu spüren, für die der Glaube in ihrem Leben eine selbstverständliche Rolle spielt. Damit das Feuer der Begeisterung für Gott, Maria und Kirche auf die Teilnehmer überspringen kann, braucht es ein lebendiges und geisterfülltes Team. Aufrichtige Freude am Glauben und ein stetiges Feuer, das diese Freude an andere weitergeben will, sind, so Christiane Kurz, eine wesentliche Voraussetzung für gelingende und inspirierende Kursabläufe. Wer kann einen solchen Kurs leiten? In der Regel sollte das entweder der Pfarrer, der Kaplan, der Diakon oder ein pastoraler Mitarbeiter sein. Er wird unterstützt von seinem Team. Für Interessierte werden Teammitgliederschulungen durchgeführt, zum Beispiel am 10. Juli dieses Jahres in Wettenhausen, am 15. Januar kommenden Jahres in Regenstauf.

Aber, so werden viele Leser jetzt sagen, im Moment ist das ja sehr schwierig mit den Präsenzkursen vor Ort, wo doch mancherorts sogar die Gottesdienste ausfallen müssen. Aus diesem Grund gibt es von der Seite der Initiatoren her noch diesen Monat die Möglichkeit, sich für eine Online-Variante des Kurses anzumelden, damit Einzelpersonen und Gruppen das Konzept an elf Dienstagabenden und einem Wochenende zunächst kennenlernen und Erfahrungen dazu sammeln können, bis die Kursteilnahme vor Ort wieder möglich ist.

Bisher 150 Interessenten

Christiane Kurz führt dazu aus, dass durch Gebet und Lobpreis auch digital ein Gemeinschaftsgefühl und vor allem eine tiefere Beziehung zwischen Jesus Christus und dem einzelnen Menschen entstehen könne. Bis jetzt hätten sich bereits an die 150 Interessenten für den Online-Kurs aus dem ganzen Bundesgebiet angemeldet.

Der Kurs beginnt am 18. Mai und läuft bis zum 27. Juli. Eine Anmeldung ist möglich unter online@kath-kurs.de.

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