Im Blickpunkt

Mobbing katholischer Schüler: Ein Armutszeugnis für die Meinungsfreiheit

Dass katholische Schüler am stärksten von Mobbing betroffen sind, zeigt, dass es schlecht um die Meinungsfreiheit an Schulen bestellt ist. Wo Lehrer das dulden, weichen sie ihrer Verantwortung aus.
Mobbing Symbolbild
Foto: imago stock&people (imago stock&people)

Das Ergebnis einer Studie des „National Anti-Bullying Research and Resource Centre“ der Universität Dublin ergibt, dass katholische Schüler am stärksten von Mobbing und negativen Vorurteilen betroffen sind. Viele mag das nicht einmal mehr überraschen. Dass gläubige Jugendliche aber selbst an katholischen Schulen mit ihrer Meinung nicht nur oft allein da stehen, sondern sogar von der Schule selbst dazu gedrängt werden, Dinge zu tun, die ihren eigenen Überzeugungen widersprechen – zum Beispiel in der „Pride-Woche“ Regenbogen-Anstecker zu tragen – ist nicht nur erstaunlich, sondern erschreckend.

Junge Katholiken sollten im Glauben bestärkt werden

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Wenn Eltern in Irland in die katholische Bildung ihrer Kinder investieren, sollten sie eigentlich auch damit rechnen können, dass die entsprechenden Schulen katholische Werte vermitteln – nicht, dass ihre Kinder sich dort für ihren Glauben verteidigen müssen oder dass die Schulen selbst sich gegen die katholische Lehre stellen.
In Ländern wie Irland, in denen durch die rasante Säkularisierung zusehends Christen unter Druck geraten, weil sie in der Minderheit sind, braucht es dringend katholische Einrichtungen, in denen junge Gläubige bestärkt werden, in denen sie Halt und Ermutigung finden.

Wer erklärt den Schülern, die nicht aus einem gläubigen Elternhaus stammen, aber eine konfessionelle Schule besuchen, die Überzeugungen der katholischen Kirche, wenn die kirchlichen Bildungseinrichtungen sich selbst nicht mehr dazu bekennen? Wer zeigt ihnen dann noch, wie gewinnbringend der Glaube auch für ihr individuelles Leben sein kann? Wohin gehen die Jugendlichen noch mit ihren Fragen, wenn auch ihre gläubigen Mitschüler von der Schule selbst mundtot gemacht werden? So wird junger Glaube erstickt, bevor er überhaupt entstehen kann.

Sehen die Lehrer ihre Verantwortung nicht?

Dass katholische Schüler zusehends unter Beschuss stehen, scheinen einige Lehrer aber nicht wahrzunehmen oder wahrhaben wollen: Immerhin gaben 88 Prozent der an der Studie teilnehmenden Lehrkräfte an, kein verstärktes Mobbing von gläubigen Schülern festzustellen, während die Hälfte der befragten Schulen darüber informierten, im „Aktionsplan gegen Mobbing an Schulen“ dagegen vorzugehen. Das lässt vermuten, dass etliche Lehrkräfte sich ihrer Verantwortung entweder nicht annehmen, sich für die betroffenen Schüler einzusetzen oder, dass sie insgeheim sogar die Angriffe auf katholische Schüler unterstützen, weil sie deren Ansichten selbst für unzumutbar halten.

Schule sollte sich für Meinungsfreiheit einsetzen

Wenn gläubige Jugendliche aber nicht mehr nur von ihren Mitschülern Gegenwind erfahren, sondern von der Lehrkraft selbst und ihre Meinung deswegen gar nicht mehr äußern wollen, vielleicht sogar ihren Glauben lieber nicht mehr ausüben, ihre Überzeugungen lieber aufgeben, weil sie es leid sind, immerzu unter verbalem Beschuss zu stehen, dann ist das ein Armutszeugnis für die Meinungsfreiheit an Schulen. Dabei ist es eine der Hauptaufgaben von Bildungseinrichtungen, Meinungsfreiheit nicht nur zu schützen, sondern vielmehr zu fördern. Nicht nur eine, sondern mehrere Perspektiven darzulegen und die Diskussion zwischen den Schülern mit unterschiedlichen Sichtweisen zu anzuregen.

Wo Schüler nicht mehr zu mündigen Erwachsenen erzogen werden, sondern ihnen vermittelt wird, dass sie einer Meinung zu folgen haben oder sonst in eine Ecke gedrängt werden, versagt die Schule in einer ihrer Kernkompetenzen.

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