Würzburg

Kommentar : Untergrund- oder Staatskirche?

Trotz der ersten Weihe eines chinesischen Bischofs seit dem Abkommen zwischen dem Vatikan und China: An eine freie Kirche im freien Staat ist in der Volksrepublik gar nicht zu denken.
Herausforderer China
Foto: Oliver Berg (dpa) | Wirtschaftlich, militärisch, politisch: China ist auf dem Vormarsch. Die ernsten Gefahren für den Westen, meint Klaus Kelle, kommen mittlerweile nicht mehr aus Russland, sondern aus dem Reich der Mitte.

Der vatikanische Deal mit der Volksrepublik China trägt erste Früchte: Am Montag wurde erstmals seit Abschluss des als „historisch“ gepriesenen Abkommens ein chinesischer Priester zum Bischof geweiht. Der 54-jährige Pater Antonio Yao Shun ist nun Bischof der seit zwei Jahren vakanten Diözese Jining, im autonomen Gebiet der Inneren Mongolei. Gut informierte katholische Medien spekulieren bereits über eine zweite Bischofsweihe.

Hat sich das Abkommen nun als richtig erwiesen?

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Hat sich das Abkommen damit als richtig und tragfähig erwiesen? Immerhin leben im bevölkerungsreichsten Land der Erde fast zehn Millionen Katholiken, für deren seelsorgliche Betreuung der Nachfolger Petri Verantwortung trägt. Wie könnte er seine Hirtensorge nicht wahrnehmen, wenn die Alternative zum Kompromiss doch ein höchst gefährliches und langfristig ungewisses Schicksal im Untergrund ist?

Doch an eine freie Kirche im freien Staat ist in China gar nicht zu denken! Stattdessen betreibt die Volksrepublik seit Jahren die konsequente „Sinisierung“ der anerkannten Religionen. In der Praxis heißt das auch, dass die Religions- und Glaubensfreiheit der Ideologie der herrschenden Partei und den Interessen des Staates untergeordnet wird. Der Einfluss des Papstes als einer ausländischen Macht bleibt dem Regime suspekt. In der chinesischen Wirklichkeit stehen Ideologie und Staatsinteresse über allen Menschenrechten. Daran ändert ein Abkommen mit dem Heiligen Stuhl nichts.

Erinnerung an die vatikanische Ostpolitik während des Kalten Krieges werden wach

Erinnerungen an die vatikanische Ostpolitik während des Kalten Kriegs werden wach: Auch damals trieb den Vatikan nicht pure Naivität hinsichtlich der kommunistischen Regime, sondern die Sorge um die Wahrung der seelsorglichen Grundversorgung. Dass die katholische Kirche im Raum des einstigen Ostblocks vitaler und weniger diskreditiert ist als manche Orthodoxie, verdankt sie jedoch dem konsequenten Christus-Zeugnis einer zum Martyrium bereiten Untergrund-Kirche.

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