Köln

Kommentar um "5 vor 12": Woelki setzt Maßstäbe

Die auch am Rhein unausweichlich gewordene Zusammenlegung von Pfarreien zeigt, dass die Vorgaben aus Rom zu den Pfarrgemeindereformen kein Luftschloss, sondern praktikabel sind.
Kölner Dom
Foto: Adobe Stock | Das Erzbistum Köln schafft ein Gegengewicht zur Kritik der auch von zahlreichen deutschen Bischöfen abgelehnten Instruktion der römischen Kleruskongregation.

Fakten verdienen nicht weniger Aufmerksamkeit als Vorwürfe. Man schaue sich darum die Pfarreireform des Erzbistums Köln an. Aus fünfhundert Gemeinden sollen bis 2030 fünfzig bis sechzig werden. Sonntagsmesse garantiert, wenngleich die Wege für viele Gläubige länger ausfallen dürften. Gefirmte Laien sollen in den einzelnen Gemeinden Verantwortung übernehmen, den Hut in der Gesamtpfarrei hat jedoch weiterhin der Pfarrer auf. 

Gegengewicht zur Kritik an Vatikan-Instruktion

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Das mitgliederstärkste deutsche Bistum schafft damit ein Gegengewicht zur Kritik der auch von zahlreichen deutschen Bischöfen abgelehnten Instruktion der römischen Kleruskongregation. Fazit: Die auch am Rhein unausweichlich gewordene Zusammenlegung von Pfarreien zeigt, dass die Vorgaben aus Rom kein Luftschloss sind, sondern praktikabel. 

Drei Eckpfeiler zeichnen die Kölner Reform aus: Die Zusammenarbeit zwischen Priestern und Laien ist konstruktiv gelöst. Dass sowohl die Pfarreien als auch der Vatikan in die Beratungen eingebunden sind, beugt betriebsblindem Aktivismus und dem für das ehrenamtliche Engagement in den Gemeinden so kontraproduktiven Eindruck, vom grünen Tisch des Ordinariates aus bevormundet zu werden, vor. Bei der Frage, wo die Grenzen der neuen Pfarreien verlaufen, haben die Pfarreien ein Wort mitzureden. Zugleich steht aber außer Frage, dass der Ortsbischof entscheidet. Und nicht zuletzt: Kein Stichtag steht als Drohkulisse an der Wand. 

Erzbistum mitten im Strukturwandel

Wie alle deutschen Bistümer steht auch das Erzbistum nicht am Anfang, sondern mitten in einem schon in der Ära von Kardinal Meisner eingeleiteten Strukturwandel. Der Prozess verlief erwartungsgemäß nicht reibungslos, verspricht nun aber zu einem vernünftigen Abschluss zu kommen. Niemand wird behaupten dürfen, Laien seien bei dieser Reform zu kurz gekommen, nur weil die Leitung der Pfarrei wie vom Kirchenrecht vorgesehen, dem Pfarrer vorbehalten bleibt. Von der Kreativität und dem Herzblut der Getauften hängt das Gemeindeleben in Zukunft maßgeblich ab. An der Unersetzlichkeit der Sonntagsmesse gibt es aber nichts zu rütteln.  

Im günstigsten Fall kann das gute Beispiel des Metropoliten Woelki die Prozesse in der Kirchenprovinz Köln positiv beeinflussen und – wo notwendig - auch begradigen.

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