Bonn

Kommentar um "5 vor 12": Deutsches Gefühlschaos

Die Kraft des Arguments ist im binnenkirchlichen Diskurs nachhaltig geschwächt. Der Synodale Weg steht vor schier unlösbaren Aufgaben.
Der DBK-Vorsitzende Georg Bätzing
Foto: Imago Images | Der gesamte Diskussionsstil des Gesprächsprozesses beim Synodalen Weg erscheint fragwürdig.

Sind wir noch ein Volk der Dichter und Denker? Die Kraft des Argumentes scheint im binnenkirchlichen Diskurs nachhaltig geschwächt worden zu sein. Nach der Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe belastet nicht nur den Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki die wachsende Sorge, der Synodale Weg könne in eine Spaltung der Ortskirche münden (s. Seite 10 und 11 der kommenden Ausgabe). Der gesamte Diskussionsstil des Gesprächsprozesses erscheint fragwürdig.

Durchdachte theologische Argumentation ist alternativlos

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Nach den Regionalkonferenzen zeichnet sich klarer denn je ab, dass eine durchdachte theologische Argumentation alternativlos ist. Die bislang von den Organisatoren geförderte Praxis, persönliche Betroffenheit und allgemeine Befindlichkeiten gegen theologische Grundlagen auszuspielen, ist gescheitert und liegt wie eine Hypothek auf den Beratungen der Bischöfe. Was ein starkes theologisches Argument auszeichnet, ist die entscheidende Frage. Nichts deutet darauf hin, dass alle Bischöfe überhaupt bereit sind, sich auf eine fundierte Debatte einzulassen. Die Taktik, den Joker "Reform" ohne stichhaltige theologische Begründung medienwirksam in in den öffentlichen Raum zu werfen, nagt an der Einheit der Konferenz und jener der Ortskirche.

Auch die Beteuerungen des Vorsitzenden, man wolle gemeinsam Argumente wägen und "saubere" Theologie betreiben, verhindern keine episkopalen Alleingänge. Vorstöße wie die jüngste Wortmeldung des Bischofs von Dresden-Meißen, der sich unter dem theologisch dürftigen Stichwort "Neupositionierung" für eine Segnung homosexueller Paare katholischerseits ausspricht, untergraben das Vertrauen in die Steuerbarkeit und intellektuelle Redlichkeit des Synodalen Weges.

Vertrauen in intellektuelle Redlichkeit untergraben

Schier unerlösbar scheint die Aufgabe, das Schwelgen in Betroffenheit von einer dem Seelenheil der Menschen konsequent verpflichteten Seelsorge zu unterscheiden - zumal das vorherrschende Lebensgefühl in der Ortskirche aus der Erwartung gespeist wird, dass sich der Papst und die Kurie selbstverständlich aus dem synodalen Reformtreiben heraushalten. Schließlich sind wir Spendenweltmeister und überweisen einen nicht geringen Teil der im Vatikan dringend benötigten Gelder.

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