Limburg/Bonn

Kommentar: Es geht um die Sache

Alle Hoffnungen, der neue Konferenz-Vorsitzende werde sich um Moderation und Ausgleich eines in der Sache hochgradig polarisierten Episkopats bemühen, haben sich nach 100 Tagen im Amt nicht erfüllt.
Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) Bätzing
Foto: Boris Roessler (dpa) | Der Zug Synodaler Weg rollt von Bedenken unbeeindruckt weiter, inhaltlich kräftig befeuert vom neuen Vorsitzenden Georg Bätzing.

100 Tage sind es diese Woche, seit Bischof Georg Bätzing Kardinal Reinhard Marx an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz nachgefolgt ist. Man sollte diese aus dem politischen Leben auf die Kirche übertragene Marke nicht überstrapazieren. Dennoch lässt sich nach drei Monaten sicher sagen: Alle Hoffnungen, der neue Konferenz-Vorsitzende werde sich um Moderation und Ausgleich eines in der Sache hochgradig polarisierten Episkopats bemühen, haben sich bislang nicht erfüllt.

Der Zug Synodaler Weg rollt unbeeindruckt weiter

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Mag der Ton auch hörbar ein anderer, mag das Auftreten offensichtlich verbindlicher geworden sein: der Zug Synodaler Weg rollt von Bedenken unbeeindruckt weiter, inhaltlich kräftig befeuert vom neuen Vorsitzenden. Noch nicht einmal bei den Formalia wie der corona-bedingten Verlängerung und Dezentralisierung der Veranstaltung war man offenbar zu einer kollegialen Gesprächsführung fähig. Dabei bräuchte es dringend Bemühungen um Ausgleich. Denn der Zug Synodaler Weg fährt auf seiner Reise ins reformerische Nirgendwo auf Verschleiß. Immer vernehmbarer ächzt und quietscht es im Episkopat.

Vielleicht kann der vergangenen Samstag (6.6.) nun endlich zum Augsburger Bischof geweihte Bertram Meier hier vermitteln. Schon anlässlich der Bekanntgabe seiner Ernennung Ende Januar hatte sich Meier als Brückenbauer zwischen Rom und der deutschen Ortskirche angeboten. Seine Tätigkeit im Staatssekretariat führte er dabei als Qualifikation an. Möglicherweise täte Bischof Meier besser daran, sein ausgleichendes Temperament zunächst nördlich der Alpen anzuwenden. Denn da wird es derzeit dringender gebraucht.

Keine gute Stimmung auf Kosten der Wahrheit

Zwischenmenschliche Vermittlung hat aber auch ihre Grenzen. Gute Stimmung unter den Bischöfen und fröhliche Gruppenbilder darf es nicht auf Kosten der Wahrheit geben. Letztlich bleibt der Streit in der Deutschen Bischofskonferenz einer in der Sache. Und als solcher muss er auch ausgetragen und entschieden werden. Faule Formelkompromisse sind nicht tragfähig. Eintracht im Episkopat muss auf der Wahrheit gründen. Und die lässt sich nun mal auch bei bester Laune nicht inmitten von Stuhlkreisen finden.

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