Mainz

Kommentar: Das Gesicht der Mehrheit

Chance zur Entweltlichung der Kirche in Deutschland vertan: Der neue DBK-Vorsitzende Georg Bätzing gilt als überzeugter Verfechter des Synodalen Wegs und einer Ökumene light.
Georg Bätzing gilt als überzeugter Verfechter des Synodalen Wegs und einer Ökumene light
Foto: Andreas Arnold (dpa) | Unter dem neuen Vorsitzenden Bätzing wird ein Kurs gefestigt, in dem der Missionsgedanke zugunsten medialer Präsenz zurückgeschraubt wird.

Mit der Wahl des neuen Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz ist eine Chance zur Entweltlichung der Kirche in Deutschland vertan worden. Die Institution wird in der Öffentlichkeit, wenn überhaupt, oft nur noch als quasi politische Organisation wahrgenommen. Mit dem Vorschlag des Regensburger Bischofs, die Wahl des Vorsitzenden durch ein Rotationsverfahren abzulösen, bot sich die Gelegenheit, gegenzusteuern. Eine turnusmäßige Vergabe des Amtes hätte sich vom politischen Getriebe strukturell abgehoben und zugleich den medialen Aufregungszyklus rund um die Wahl beruhigt.

Hoffnungen auf einen theologisch solidere Debatte geplatzt

Doch die Bischöfe haben andere Prioritäten gesetzt. Der neue Vorsitzende verkörpert das Gesicht der Mehrheit. Bischof Bätzing gilt als überzeugter Verfechter des Synodalen Wegs und einer Ökumene light. Als Ortsbischof von Frankfurt wird er in den nächsten Jahren auch in einer Gastgeberrolle bei Synodalversammlungen und beim Ökumenischen Kirchentag 2021. Dass Bätzing sich schon im Vorfeld einen theologisch umstrittenen Vorstoß des Ökumenischen Arbeitskreise katholischer und evangelischer Theologie zur  Interkommunion verteidigte, hat Hoffnungen auf eine theologisch solidere Debatte platzen lassen.

Missionsgedanke zugunsten medialer Präsenz zurückgeschraubt

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Unter dem neuen Vorsitzenden Bätzing wird ein Kurs gefestigt, in dem der Missionsgedanke zugunsten medialer Präsenz zurückgeschraubt wird. Das Bestreben, durch den Synodalen Weg gesellschaftliche Anschlussfähigkeit zu zeigen, zieht sich wie ein basso continuo durch die Initiative. Es gibt auch andere Stimmen wie den Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, der am Mittwoch seine Predigt ganz unter das Zeichen des biblischen Missionsauftrags stellte. Aber die Mehrheit der Hirten betrachtet die Medien als erwünschte Druckkulisse und unentbehrliche Verbündete auf dem Weg zu sogenannten Reformen. Eine breite Berichterstattung wird als Beweis für die Angemessenheit des Synodalen Wegs gewertet, ohne Argumente auf Stichhaltigkeit hin zu überprüfen. Die Aufgabe des biblisch begründeten Missionsbegriffs zugunsten eines konturlosen Rede von Evangelisierung zeichnet sich bereit ab.

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