Vatikanstadt

Kommentar „5 vor 12“: Endlich sagt’s mal einer

Mit der Verlegung des Weltjugendtags in Lissabon von 2022 auf den Sommer 2023 gibt der Vatikan ein deutliches Signal.
Weltjugendtag in Panama
Foto: Mauricio Valenzuela (dpa) | Der Vatikan verschiebt den kommenden zentralen Weltjugendtag, der im August 2022 in Lissabon hätte stattfinden sollen, auf den August 2023. Im Bild: Papst Franziskus bei seinem Besuch des Außenministeriums von Panama.

Die Mitteilung des Vatikansprechers Matteo Bruni vom Montag ist knapp, aber vielsagend: Der Vatikan verschiebt den kommenden zentralen Weltjugendtag, der im August 2022 in Lissabon hätte stattfinden sollen, auf den August 2023. Auch das internationale Familientreffen, das für 2021 in Rom geplant war, soll nun ein Jahr später über die Bühne gehen. Papst und Vatikan machen damit deutlich: So schnell kehren wir nicht zur Normalität zurück. Weder in einem Jahr, noch in zwei Jahren dürften die Folgen der Corona-Krise Vergangenheit und Reisefreiheit wie auch Ansammlungen größerer Menschenmassen wieder möglich sein. Hatte Japan lange damit gerungen, die Olympischen Spiele von diesem Sommer auf das kommende Jahr zu verlegen, so ist der Vatikan jetzt wesentlich radikaler. Auch im Sommer 2022 ist es für den Weltjugendtag, bei dem Hunderttausende von Jugendlichen nach Portugal reisen würden, noch zu früh.

Lernen, mit dem Virus zu leben

Die von allen ersehnte „Phase 2“, die in Italien ab dem 4. Mai beginnen könnte, verbinden viele mit den Stichworten Wiedereröffnung der Geschäfte, Aufhebung der Reisebeschränkungen und allmähliche Belebung des öffentlichen Lebens. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Das eigentliche Stichwort für die Zeit nach dem völligen Lockdown wird lauten: Leben mit dem Virus. Solange ein Impfstoff fehlt, müssen sich die Menschen anders verhalten, als sie das bis vor wenigen Wochen noch getan haben. Mundschutzmasken und Sicherheitsabstände dürften für lange Zeit zum Alltag werden. „Phase 2“ heißt nicht, dass man zur Normalität zurückkehrt, sondern lernt, mit dem Virus zu leben.

Die Bevölkerung trainieren

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Seitdem Ministerpräsident Guiseppe Conte am 30. März bei Papst Franziskus war, ist der Vatikan – man möchte sagen – fast übertrieben konsequent. Als einziger Platz Italiens ist der Petersplatz komplett gesperrt, vom Petersdom ganz zu schweigen. Die Heilige Woche war die stillste, die ein Papst seit der Konstantinischen Wende je begangen hat. Öffentliche Gottesdienste sind untersagt. Lernen, mit dem Virus zu leben, wird auch heißen, Formen der Sakramentenspendung zu finden, die eine Übertragung des Coronavirus nicht völlig ausschließen, aber eine erneute explosionsartige Vermehrung der Krankheit ausschließen. In Italien ist das Gesundheitssystem nicht zusammengebrochen. Sprich: Es standen immer genügend Plätze für Intensivbehandlungen zur Verfügung. Das ist die Schwelle, unterhalb derer die Bevölkerung trainiert werden muss, mit Corona zu leben. Aber unterhalb dieser Schwelle bleibt der Welt ein Problem erhalten. Und laut Vatikan wohl auch noch im Sommer 2022.

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