Würzburg

Klares Nein zur Suizidhilfe

Mit ihrer Forderung nach Sterbehilfe in kirchlichen Einrichtungen haben zwei evangelische Theologen für Aufmerksamkeit gesorgt. Der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz weist die Forderung zurück. Auch Lebensrechtler reagieren schockiert.
Sterbehilfewerbung vor dem Bundestag
Foto: imago stock&people via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Die Initiative "Für Das Recht auf Letzte Hilfe e.V." bewirbt mit einem Plakat vor dem Deutscher Bundestag die Sterbehilfe.

Mit einem ganzseitigen Beitrag in der „F.A.Z.“ haben der Vorsitzende der Kammer für öffentliche Verantwortung der EKD, Reiner Anselm, und der Präsident des evangelischen Wohlfahrtsverbands Diakonie, Ulrich Lilie, Anfang der Woche für Aufsehen gesorgt.

Unter der Überschrift „Den assistierten professionellen Suizid ermöglichen“ fordern die Autoren, Suizidwilligen „abgesicherte Möglichkeiten eines assistierten Suizids“ in kirchlichen Häusern „anzubieten oder zumindest zuzulassen und zu begleiten“. Statt „Suizidwillige dazu zu zwingen, sich auf die Suche nach (...) Organisationen zu machen, dürfte es sehr viel eher Ausdruck verantwortlichen Handelns sein, entsprechende Möglichkeiten durch besonders qualifizierte interdisziplinäre Teams in den Einrichtungen zuzulassen und dabei das familiäre Umfeld einzubeziehen“. Weiter heißt es: „Sichere Orte“ wären „kirchliche Einrichtungen nicht deswegen, weil sie bestmögliche Palliativversorgung gewährleisten und Sterben zulassen, sich aber dem Suizid verweigern, sondern weil sie einem Sterbewilligen unter kontrollierten und verantworteten Rahmenbedingungen in einem aus dem christlichen Glauben entspringenden Respekt vor der Selbstbestimmung Beratung, Unterstützung und Begleitung anbieten.“

Assistierter Suizid widerspricht Wesenskern der Kirchen

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Der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Matthias Kopp, wies das zurück. Die Ermöglichung assistierter Suizide sei die falsche Antwort auf die Situation von Menschen mit Suizidwünschen. „Nicht die Hilfestellung zum Suizid, sondern die Unterstützung bei der Entwicklung von Lebensperspektiven ist in diesen Situationen geboten. Den subtilen Druck, dem assistierten Suizid zuzustimmen, um am Ende des Lebens anderen nicht zur Last zu fallen, halten wir für eine große Gefahr. Wir glauben, dass dieser Druck sich von Kranken und Sterbenden nicht mehr fernhalten ließe, wenn der assistierte Suizid zu einem Normalmodell des Sterbens würde, das bis in kirchliche Einrichtungen hinein Anwendung fände.“ Kirchliche und caritative Einrichtungen hätten sich der Förderung des Lebens verschrieben. „Das Ermöglichen von Angeboten des assistierten Suizids wäre mit diesem Wesenskern nicht vereinbar“, so Kopp.

Caritas-Präsident Peter Neher sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), „in katholischen Einrichtungen kann es kein solches Angebot geben“. Auch die EKD selbst ging auf Distanz. „Jede organisierte Hilfe zum Suizid, die dazu beiträgt, dass die Selbsttötung zur Option neben anderen wird, lehnt die Evangelische Kirche in Deutschland ausdrücklich ab“, zitiert KNA einen Sprecher.

Rettungsanker statt Schierlingsbecher für Suizidgefährdete

Kritik hagelt es von Lebensrechtlern. Die Vorsitzende des „Bundesverbands Lebensrecht“, Alexandra Linder, nannte den Vorstoß „menschenverachtend“. „Menschen in seelischer Not, die gemäß der Suizidforschung durch Schmerzen, fehlenden Beistand und vieles mehr nachweislich überwiegend fremdbestimmt sind, wenn sie über Suizid nachdenken, benötigten einen „Rettungsanker“, aber „keine kirchliche Einrichtung, die ihnen den Schierlingsbecher reicht“. Die Bundesvorsitzende der „Aktion Lebensrecht für Alle“, Cornelia Kaminski, erklärte: „Eine Akzeptanz oder gar Begleitung von Suiziden in kirchlichen Einrichtungen“ erweise suizidalen Menschen einen „Bärendienst“, mache „Suizid salonfähig“ und begünstige „schwerwiegende seelische Verletzungen von Mitbewohnern, Angehörigen und Bekannten“. Der Vorsitzende der „Ärzte für das Leben“, Paul Cullen, sagte, „Ärzte müssen immer auf der Seite des Lebens stehen“. Es dürfe keine Interaktion zwischen Arzt und Patient „mit dem Ziel geben, dass der Patient hinterher tot ist“. Aufgabe von Ärzten sei es, „Patienten auch in sehr schweren Situationen beizustehen. Keinesfalls dürfen wir vor dieser Aufgabe kapitulieren und versuchen, das Leid zu beenden, indem wir den Leidenden beseitigen.“ Dies führe in die „Barbarei“.

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