Berlin

Kirche mit Kompetenzmangel

Bei der Missbrauchsaufarbeitung gibt es systemische Hürden. Die Aufarbeitung komplexer strafrechtliche Zusammenhänge bedarf einer juristischen Kompetenz, die über Kenntnisse im kanonischen Recht weit hinausgeht. Ein Kommentar.
Missbrauchsaufklärung im Erzbistum Berlin
Foto: Annette Riedl (dpa) | Die Berliner Situation zeigt die unterschiedliche Sichtweise auf ein Missbrauchsgutachten.

Die Aufklärung der Missbrauchsstraftaten in der Kirche bleibt eine unendliche Geschichte. Während einige Bistümer Kommissionen oder Betroffenenbeiräte zu installieren, die ihren Beitrag zur Aufklärung leisten sollen, suchen andere Diözesen auf der Basis von Gutachten nach Lösungen. Dann gibt es den Streit, welche Gutachten geeigneter sind, bei der Aufklärung der Straftaten zu helfen, Vertuschungshandlungen und handwerkliche Fehler zu benennen, um das in der Zukunft zu vermeiden. Genügt es da, lediglich juristische Verantwortlichkeiten benennen, oder ist es erforderlich, gleichzeitig moralische Bewertungen vornehmen?

Es fehlte an geeignetem Personal

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Die Berliner Situation zeigt die unterschiedliche Sichtweise auf ein Gutachten. Während die beauftragten Rechtsanwälte glauben, ihrem Auftrag gerecht geworden zu sein, sagt das mit der Aufarbeitung befasste Gremium: Thema verfehlt. Mit jedem weiteren Gutachten wird deutlicher: Neben einer oftmals falsch verstanden klerikalen Loyalität gegenüber den Tätern, war die Kirche offenbar nicht so aufgestellt, dass sie in der Lage gewesen wäre, mit derartigen Verbrechen angemessen umzugehen. Schuld sind nicht allein eine schlampige Aktenführung oder ein fehlendes Verfahrenscontrolling. Es fehlte bei der Durchführung der Ermittlungen offenbar an geeignetem Personal. Die Aufarbeitung komplexer strafrechtliche Zusammenhänge bedarf einer juristischen Kompetenz, die über Kenntnisse im kanonischen Recht weit hinausgeht.

Und wenn dann, wie im Berliner Gutachten attestiert, ein beauftragter kirchlicher Ermittler nicht einmal über das Wissen um aktuelle kirchliche Rechtsvorschriften verfügt, dann sind Fehlentscheidungen im System angelegt. Am Ende der Verantwortungskette steht allerdings der Bischof. Ihn trifft der Vorwurf einer fehlerhaften Mitarbeiterauswahl und einer unzureichenden Kontrolle von Entscheidungen der Ermittler

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