Canberra

Kardinal Pell übt Kritik an Polizei und Medien

In seinem ersten Interview nach seinem Freispruch vergangene Woche wirft Kardinal George Pell dem australischen Sender „ABC News“ einseitige und voreingenommene Berichterstattung vor – und erklärt, dass er mit weiteren polizeilichen Ermittlungen rechnet.
Kardinall Pell: Erstes Interview nach Freispruch
Foto: James Ross (AAP) | Die Rolle des Senders ABC mache ihn betroffen, so Kardinal Pell, der im Bild im Auto ein Kloster verlässt: „Denn er ist zum Teil mit katholischen Steuergeldern finanziert“.

Der von den Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger freigesprochene australische Kardinal George Pell hat den Umgang von Medien und Polizei in dem Verfahren gegen ihn kritisiert. In seinem ersten ausführlichen Interview nach seinem Freispruch warf Pell dem australischen Sender „ABC News“ eine einseitige und voreingenommene Berichterstattung vor.

Pell: Vorgehen "ungerecht und unangemessen"

Es sei kein Zeichen von Zivilisiertheit, wenn man bereits durch Vorwürfe schuldig gesprochen werde, so der ehemalige Finanzdirektor des Vatikan gegenüber dem Moderator Andrew Bolt von „Sky News Australia“, der als langjähriger Unterstützer des Kardinals gilt. Missbrauchsvorwürfe müssten respektvoll überprüft werden, so Pell. Noch vor 30 oder 40 Jahren wäre es undenkbar gewesen, Anschuldigen des sexuellen Missbrauchs ohne Überprüfung für wahr zu erachten. Man müsse aufpassen, dass heute nicht das Gegenteil der Fall sei. „Das wäre einfach ungerecht und unangemessen.“

Journalisten des Senders „ABC“ warf Pell vor, eine aktive und voreingenommene Position in dem Verfahren gegen ihn eingenommen zu haben. Die Rolle des Senders mache ihn betroffen, so der Kardinal, „denn er ist zum Teil mit katholischen Steuergeldern finanziert“. Er glaube zwar an die Redefreiheit, und erkenne das Recht derjenigen an, die nicht seine Meinung vertreten würden, die Missbrauchsvorwürfe zu erheben. „Aber wenn ein staatlicher Sender eine ganz überwiegende Darstellung einer einzigen Position biete, dann ist das ein Verrat an den Interessen des Landes.“

Polizeibehörden untersuchen weitere Vorwürfe gegen Pell

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Im Bundesstaat Victoria hatten die Polizeibehörden den Kardinal nach Angaben Andrew Bolts 26 mal mit Vorwürfen belastet, von denen sich im Gerichtsprozess kein einziger bestätigen lassen habe. Auf die Frage, ob er daraus nicht folgere, dass die Polizei eine „Agenda“ gegen ihn verfolge, antwortete Pell: „Ich weiß nicht, wie man das erklären kann, aber ist ist ganz gewiss außergewöhnlich.“ Darüber hinaus erklärte der 78-Jährige, dass es ihn nicht wirklich überraschen würde, wenn die Polizei weiter mach mutmaßlichen Opfern suchen würde, um neue Vorwürfe gegen Pell zu erheben.  Dies sei jedoch „deren Angelegenheit“.  

Beinahe zeitgleich mit dem ersten Interview des Kardinals war bekannt geworden, dass die Behörden in Victoria einen neuen Vorfall prüften, der in die 1970er-Jahre zurückreicht, als Pell Priester in der Stadt Ballarat war. Darüber berichtete die Zeitung „Herald Sun“. Ein Sprecher der Polizei von Victoria wollte die Berichte jedoch nicht kommentieren.

DT/mlu

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