Jahr des heiligen Josef

Josef treu ergeben

Seit Pius IX. hat der Ziehvater Jesu für die Päpste eine Sonderstellung.
Vatikanische Grotten
Foto: KNA | Sankt Peter / Petersdom / San Pietro: Vatikanische Grotten unter Sankt Peter enthalten verschiedene ältere Papstgräber sowie die Grabstätten der letzten Päpste. Bild: Grabmal von Papst Pius IX.

Es waren harte Zeiten für die Kirche und den Kirchenstaat im Herzen Italiens. Mit dem Ausbruch des deutsch-französischen Kriegs hatten die französischen Schutztruppen Rom verlassen und die piemontesischen Truppen konnten das, was vom Staat der Päpste übrig geblieben war, fast ungehindert besetzen. Am 20. September schlug dann auch die Stunde Roms: Die Bersaglieri unter General Raffaele Cadorna schossen ihre Bresche an der Porta Pia, Papst Pius IX. verzichtete auf Widerstand und zog sich als Gefangener in den Vatikan zurück. Doch auch in anderen Ländern schienen die Feinde der katholischen Kirche zu triumphieren.

Kulturkampf beginnt

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In Deutschland kündete sich der Kulturkampf an und überhaupt schienen die damals „modernen“ Geister der Zeit in Politik, Kultur und Wissenschaft ihre kirchenfeindlichen Positionen immer weiter auszubauen und auch in katholischen Milieus Anhänger zu finden, so dass sich Pius IX. schon 1864 gezwungen sah, mit dem „Syllabus errorum“ gegen die Irrtümer der Moderne vorzugehen. Auf Wunsch von vielen Bischöfen setzte der Papst schließlich mit einem Dekret der Ritenkongregation vom 8. Dezember 1870 den heiligen Josef, den Ziehvater Jesu, zum Schutzpatron der katholischen Kirche ein. Der hundertfünfzigste Jahrestag dieses Dekrets war dann der Anlass für Papst Franziskus, mit dem Schreiben „Patris Corde“ am vergangenen Hochfest der Unbefleckten Empfängnis das laufende „Jahr des heiligen Josefs“ auszurufen. 

Der Nachfolger von Pius IX., Papst Leo XIII., legte dann am 15. August 1889 mit der Enzyklika „Quamquam pluries“ die Programmschrift über den neuen Schutzpatron der Kirche vor. Es war die Zeit, in der Enzykliken noch erfrischend kurz, die Bedrängnisse der Catholica aber noch keineswegs vorüber waren. Papst Pecci schlug darin Töne an, die heute für Papstschreiben kaum vorstellbar wären: „Ihr kennt vollkommen die gegenwärtige Lage der Dinge, ehrwürdige Brüder“, schrieb er an alle Patriarchen und Bischöfe, „die in Frieden und Gemeinschaft mit dem Apostolischen Stuhl stehen“. „Sie ist in der Tat für die christliche Religion kaum weniger unheilvoll und elend, als sie es in den unheilvollsten und elendesten früheren Zeiten gewesen ist. Wir sehen, wie bei vielen Menschen die Grundlage aller christlichen Tugenden, der Glaube, verschwindet; wie die heilige Liebe erkaltet; wie eine durch schlechte Sitten und falsche Anschauungen verführte und verdorbene Jugend heranwächst. Wir sehen, wie die Kirche Jesu Christi von allen Seiten mit Gewalt und List bekämpft wird; wie gegen das Papsttum ein rücksichtsloser Krieg geführt wird und wie die Grundlagen der Religion selbst mit einer täglich anwachsenden Vermessenheit erschüttert und zu Fall gebracht werden.“ 

Ein Gebet zum Heiligen Josef

Und so ordnete Leo XIII. an, dass ab sofort, Jahr für Jahr, von allen Gläubigen den ganzen Oktober über ein besonderes Gebet zum heiligen Josef gesprochen werde, da die Verehrung dieses heiligen Mannes mit dem „Doppelamt“ als Ehegemahl Mariens und „vermeintlicher Vater“ Jesu Christi „unter dem gläubigen Volk sehr beliebt ist und sogar als altherkömmliche Gepflogenheit immer weitere Kreise erfasst“.

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Hundert Jahre später wurde dieses Gebet von Johannes Paul II. erneut empfohlen. Ein Jahrhundert war seit der Enzyklika „Quamquam pluries“ vergangen. Zwei Weltkriege hatten manche der „modernen Ideen“ des neunzehnten Jahrhunderts als ideologische Abirrungen entlarvt. Die Päpste hatten sich mit dem Staat Italien ausgesöhnt, Pius XI. baute den neuen Kleinstaat des Vatikan und für die katholische Kirche begann in der Nachkriegszeit, vor allem aber nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, eine Phase der Aussöhnung mit der Welt der Politik und der diplomatischen Anerkennung durch immer mehr Staaten der Welt.

Es gab noch den Kommunismus, und Pius XII. führte 1955 als kirchliches Pendant zum Tag der Arbeit am 1. Mai den Gedenktag des heiligen Josefs des Arbeiters ein. Die Päpste bleiben der Verehrung des Ziehvaters Jesu treu. Johannes XXIII. machte den heiligen Josef neben der Gottesmutter zum Schutzpatron des Zweiten Vatikanums und fügte seine Anrufung in das Hochgebet der heiligen Messe ein. Auch wurden dem heiligen Josef im zwanzigsten Jahrhundert mehr katholische Kirchen geweiht als irgendeinem anderen Heiligen. Und Johannes Paul II. widmete ihm schließlich 1989, dem Jahr der politischen Wende in Mittel- und Osteuropa, ein weiteres Apostolisches Schreiben, „Redemptoris Custos“ (Schützer des Erlösers). Es trägt wieder wie „Quamquam pluries“ das Datum vom 15. August. 

Väterliche Liebe

Enzykliken und Apostolische Schreiben waren inzwischen länger geworden und der Duktus war nicht mehr so stark geprägt von den Bedrohungen durch die „moderne Zeit“, sondern durch theologische Vertiefung und pastorale Verständnishilfen. Aber auch Johannes Paul II. erinnert an den Geist, aus dem heraus Leo XIII. seine Enzyklika geschrieben hatte und zitiert aus dem Gebet zum heiligen Josef: „Die Enzyklika ,Quamquam pluries‘ berief sich auf jene ,väterliche Liebe‘, die Josef ,dem Knaben Jesus entgegenbrachte‘, und empfahl dem ,vorsorglichen Hüter der göttlichen Familie‘ ,das teure Erbe, das Jesus Christus mit seinem Blut erworben hatte‘. Seit damals erfleht die Kirche, wegen jener heiligen Liebesbande, die ihn an die unbefleckte Jungfrau und Gottesmuttter band‘, den Schutz des heiligen Josef und empfiehlt ihm alle ihre Sorgen, auch hinsichtlich der Bedrohungen, die über der ganzen Menschheitsfamilie liegen.

Noch heute haben wir zahlreiche Gründe, in derselben Weise zu beten: ,Entferne von uns, geliebter Vater, diese Seuche von Irrtum und Laster ..., stehe uns wohlgesinnt bei in diesem Kampf gegen die Macht der Finsternis ...; und wie du einst das bedrohte Leben des Jesuskindes vor dem Tod gerettet hast, so verteidige jetzt die heilige Kirche Gottes gegen feindselige Hinterlist und alle Gegner‘. Auch heute noch haben wir bleibende Gründe, um jeden einzelnen Menschen dem heiligen Josef zu empfehlen.“ 

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