Die missionarische Pfarrei

Pfarrer Johannes Laichner: Ein Vollblutseelsorger

„Mission funktioniert nur, wenn man selber für Christus brennt“, lautet das Credo von Pfarrer Johannes Laichner. Gebete und Messopfer sind und bleiben Quelle der Zuversicht.
Verbunden in der Krise
Foto: Jan Hetfleisch Maximilianstr. 5 | Die Bilder von Gläubigen an den Bänken symbolisieren für Pfarrer Laichner Verbundenheit auch in der Krise.

Im Herzen der Alpen, am Eingang zu den bekannten Tälern Ötztal und Pitztal gelegen, betreut der 38-jährige Priester Johannes Laichner vier Pfarrgemeinden im Tiroler Inntal. Die Pfarreien Roppen, Karres, Karrösten und Mils, die als Seelsorgeraum Inntal zusammengefasst sind, sind ganz normale klassische Tiroler Landgemeinden. Der junge, dynamische Priester hat an der Universität Innsbruck in katholischer Theologie und klassischer Archäologie promoviert. Seit einem Jahr ist Laichner auch Tiroler Diözesandirektor von Missio. Der Pfarrer dieses flächenmäßig sehr großen Seelsorgeraums ist vor allem eines: ein Vollblutseelsorger. An erster Stelle seiner Pastoral steht die persönliche Christusbeziehung

Faszinierte Kinder

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Mit Begeisterung spricht der Pfarrer davon, wie fasziniert die Kinder in der Volksschule sind, wenn man ihnen von Jesus Christus erzählt. Johannes Laichner hat die Erfahrung gemacht, dass Kinder eine große Offenheit haben, wenn man ihnen Jesus als Retter, Heiland und Freund näherbringt. Was für die Kinder gilt, gilt auch für die Erwachsenen. Wenn man die Person Jesus Christus ins Zentrum der Pastoral stellt, dann werden auch die Traditionen, von denen es in Tirol viele gibt, wieder stimmig. „Mission funktioniert nur dann, wenn man selber für Christus brennt“, lautet ein Credo des jungen Priesters. Denn eine Pastoral, die keine Christusbeziehung fördert, läuft ins Leere. 

Johannes Laichner hat die Erfahrung gemacht, dass man in der Seelsorge gerne zu den einfachen und altbewährten Dingen zurückkehrt. Etwa zu Glaubenspraktiken und Traditionen, die das Land Tirol seit Jahrhunderten geprägt und zur Bezeichnung „Heiliges Land“ geführt haben. Zu diesen Traditionen gehört die Herz-Jesu-Verehrung. Diese Verehrung und die damit verbundene Tradition der Herz-Jesu-Feuer haben ihren Ursprung in den Kriegswirren des Jahres 1796. Als die Franzosen gegen Tirol anrückten, legten die Vertreter der Tiroler Landstände für das ganze Land das feierliche Gelöbnis ab, das Herz-Jesu-Fest fortan jährlich zu begehen, sollte man vor der drohenden Gefahr beschützt bleiben. Zum Herz-Jesu-Fest finden in vielen Tiroler Pfarrgemeinden die alljährlichen Herz-Jesu-Prozessionen statt. Pfarrer Laichner, der über einige Ecken mit dem Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer verwandt ist, geht es heute darum, den Gläubigen den biblischen Hintergrund von gelebten Traditionen aufzuzeigen. 

Bubentag

In manchen Tiroler Pfarrgemeinden wird etwa am 26. Dezember zum Fest des heiligen Stephanus ein sogenannter „Bubentag“ gefeiert. Eine Tradition, die es sonst nirgends in Europa gibt. An diesem Festtag versammeln sich in einer der Pfarreien Laichners etwa hundert junge Männer zum Gottesdienst, die unterm Jahr eher selten eine heilige Messe besuchen. Der Pfarrer nimmt diese Gelegenheit dankbar an und sieht darin eine Chance, die jungen Männer zumindest einmal im Jahr mit Gott in Beziehung zu bringen. 

Wenn man die Pfarrkirche von Roppen betritt, findet man gleich neben dem Eingang einen reich bestückten Schriftenstand mit guter, ausgewählter Literatur. Einige dieser Druckwerke hat der Pfarrer selbst herausgegeben. Diese Kleinschriften sind vor allem daran zu erkennen, dass sie hochwertig in einem sehr schönen Layout aufgemacht sind. „Wir wollen den Menschen die Perle im Acker als Schatz mitgeben“, so der vielseitige Pfarrer. Die Pfarrkirche Roppen, ein klassizistischer Bau mit neuromanischen Elementen, ist ein echtes Schmuckstück. Vergangenes Jahr gingen Bilder von einer besonderen Aktion aus dieser Kirche um die Welt: Während des ersten Corona-Lockdowns im Frühling bat Pfarrer Laichner seine Gläubigen darum, ihm Bilder von sich, ihren Familien und Freunden zu schicken, um diese während der Messe in der Kirche aufstellen zu können.

Verbundenheit auch in der Krise

Der Pfarrer wollte damit seine tiefe Verbundenheit mit den Menschen seiner Gemeinde zum Ausdruck bringen und die Gläubigen visuell in das heilige Messopfer mit hineinnehmen. Innerhalb kurzer Zeit erhielt er mehr als tausend Fotos. Jan Hetfleisch, Pressefotograf einer deutschen Agentur, wurde auf die Idee aufmerksam und kündigte sich während einer Messe zum Fotoshooting an. Die Bilder des Fotografen gingen wie ein Lauffeuer um die Welt. Medien wie US-News (Amerika), The Sunday Times (England), Brisbane-News (Australien), Bild-Zeitung, Süddeutsche Zeitung, Tageszeitungen in Belgien, Italien, Israel, Kanada und Indonesien berichteten über die Aktivität des innovativen Priesters aus Tirol. Die britische Zeitung Sunday Times kürte ein Bild aus der Serie des Fotografen Jan Hetfleisch zu den besten und ausdrucksstärksten Fotos des Jahres 2020. Für Pfarrer Laichner ist diese spontan entstandene Aktion ein Zeichen dafür, dass wir auch während einer schwierigen Zeit des Verzichts und der Einschränkung niemals von Gott und dem Strom seiner Gnade abgeschnitten sind: „Das Gebet und das heilige Messopfer sind und bleiben diese Quelle der Zuversicht.“

Seit neun Jahren versucht Johannes Laichner in seinen vier Pfarreien eine Freude für Christus und die Kirche zu entfachen. Dabei geht er mit gutem Beispiel voran: „Ich bin nun fast dreizehn Jahre Priester und dabei unverschämt glücklich, katholisch zu sein.“ Diese Freude spiegelt sich nicht nur im Gesicht des jungen Pfarrers wider, sondern wird auch in seinen pastoralen Aktionen sichtbar. Roswitha Benz, die Pfarrgemeinderatsvorsitzende von Roppen, spricht davon, dass Pfarrer Laichner jederzeit ein offenes Ohr für die Pfarrmitglieder hat und nie müde wird, immer wieder neue Menschen für „die Sache Jesu“ zu begeistern. Neben der Seelsorge sieht Benz auch die Hilfe für in Not geratene Menschen und die Förderung der Gemeinschaft und des kulturellen Lebens als eines der Hauptziele pfarrlicher Aktivität. 

Glaubensfreude in Kamerun

Eine besondere Stärkung erlebte Johannes Laichner während eines Besuchs in Kamerun im vergangenen Jahr, wo er im Auftrag von Missio Partnerprojekte besuchte. Dort erlebte er eine Glaubensfreude, die er als echt und ungeniert beschreibt. Trotz der bitteren Armut fühlte Pfarrer Johannes Laichner sich tief beschenkt durch die Präsenz der Glaubensfreude, die besonders bei der Feier der Liturgie sichtbar wurde. Der Pfarrer des Seelsorgeraums Inntal besitzt in besonderer Weise die Gabe, Altes und Neues zusammenzuführen, gewachsene Tradition und Frömmigkeit mit neuen Innovationen zu verbinden, die den Glauben beleben. Johannes Laichner ist ein talentierter Marketingmanager Gottes. 

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