Mossul

Irak: Papst besucht vom IS-Terror gezeichnete Orte

In Mossul beklagt der Papst das Verschwinden der Christen aus der Stadt und der Region. - Er ermuntert Christen zum Wiederaufbau: „Ihr seid nicht allein“.
Papst Franziskus lässt Friedenstaube frei
Foto: VATICAN MEDIA /CPP / IPA via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Papst Franziskus ließ nach seiner Rede am Kirchenplatz von Hosh al-Bieaa in Mossul eine Taube als Symbol des Friedens steigen.

Papst Franziskus hat am dritten Tag seines Besuchs im Irak vom IS-Terror gezeichnete Orte besucht. Am Sonntagvormittag traf er dabei in Karakosch ein, der größten christlichen Stadt des Landes. Sie war 2014 an den IS gefallen. Zehntausende geflohene Christen konnten erst nach Jahren zurückkehren. Bei einer Feier in der vom IS geschändeten und beschädigten syrisch-katholischen Kirche von der Unbefleckten Empfängnis sagte der Papst: „Wie viel ist zerstört worden! Und was muss alles wiederhergestellt werden!“ Das Treffen zeige aber, dass der Terrorismus und der Tod niemals das letzte Wort hätten. „Das letzte Wort hat Gott und sein Sohn, der Sieger über Sünde und Tod."

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Zeit für einen Neubeginn

Der Papst ermunterte die Gläubigen, sich ein Beispiel an ihren Vorfahren im Glauben zu nehmen. „Sie haben mit fester Hoffnung auf ihrem irdischen Weg durchgehalten, da sie ihr Vertrauen auf Gott setzten, der uns nie enttäuscht und uns mit seiner Gnade aufrichtet. Das große geistliche Erbe, das sie uns hinterlassen haben, lebt in euch weiter. Ergreift dieses Erbe!“, so der Papst.  Jetzt sei die Zeit, aufzubauen und wieder neu zu beginnen und sich der göttlichen Gnade anzuvertrauen, die das Schicksal jedes Menschen und aller Völker leite. Der Papst versicherte die irakischen Christen dabei der Solidarität der Weltkirche. „Ihr seid nicht allein. Die gesamte Kirche ist euch im Gebet und mit der konkreten Nächstenliebe nahe.“

Der Patriarch der syrisch-katholischen Kirche Ignatius Josef III. Junan hatte zuvor in seinem Grußwort Organisationen und Staaten gedankt, die den Wiederaufbau der Stadt und ihrer Kirchen ermöglichten, darunter „Kirche in Not“ und Ungarn. Der Papst überreichte als Gastgeschenk eine Ikone der Jungfrau Maria.

„Das tragische Verschwinden der Jünger Christi hier und im ganzen Nahen Osten ist ein unermesslicher Schaden"

Zuvor hatte der Pontifex das noch immer schwer vom Krieg gegen den IS gezeichnete Mossul aufgesucht. Die nordirakische Stadt war im Juni 2014 fast widerstandslos in die Hände der Dschihadisten gefallen und jahrelang Zentrum des IS. Nach schweren Kämpfen wurde sie 2017 befreit. Bei einer Zeremonie vor zerstörten Gebäuden und Kirchen gedachte Papst Franziskus der Opfer des IS zusammen mit Angehörigen anderer religiöser Gemeinschaften. In seiner Ansprache betonte der Papst erneut die friedensstiftende Dimension des Gottesglaubens: „Wenn Gott der Gott des Lebens ist – und das ist er –, dann ist es uns nicht erlaubt, die Brüder und Schwestern in seinem Namen zu töten.“ Bezug nehmend auf ein Zeugnis von der Zwangsevakuierung vieler christlicher Familien aus ihren Häusern 2014 sagte der Papst: „Das tragische Verschwinden der Jünger Christi hier und im ganzen Nahen Osten ist ein unermesslicher Schaden nicht nur für die betroffenen Menschen und Gemeinschaften, sondern für die Gesellschaft selbst, welche sie hinter sich lassen“.

In einem Gebet richtetet Franziskus die Bitte an Gott, verstehen zu können, dass „es nur dann möglich sein wird, diese Stadt und dieses Land wiederaufzubauen und die vom Schmerz zerrissenen Herzen zu heilen, wenn wir deinen Plan der Liebe ohne Umschweife in die Tat umsetzen“.

Tausende Christen verließen Mossul im Jahr 2014

Im Anschluss an die Gedenkfeier ließ der Papst eine Taube als Symbol des Friedens steigen. 
Tausende Christen verließen Mossul im Juni 2014, nachdem der IS ihnen ein Ultimatum gestellt hatte, entweder zum Islam zu konvertieren, die traditionelle Steuer für Nichtmuslime zu bezahlen oder den Tod in Kauf zu nehmen. Die meisten der verbliebenen Christen verließen die Stadt daraufhin, mussten aber ihren gesamten Besitz zurücklassen. Heute leben wieder etwa 70 christliche Familien inmitten von zwei Millionen überwiegend sunnitischer Muslime. Die meisten ehemaligen christlichen Bewohner haben derweil den Irak verlassen oder haben Sicherheitsbedenken, in die Stadt zurückzukehren.  DT/ om

 

Besuch von Papst Franziskus bei der Gemeinschaft von Karakosch, Irak, Angelus des Papstes in der Kirche der Unbefleckten Empfängnis

Lesen Sie eine ausführliche Analyse des Besuchs von Papst Franziskus im Irak am kommenden Donnerstag in Ihrer „Tagespost“.

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