IM BLICKPUNKT 

In Rom nachfragen kostet nichts 

Ein Dubium ist eine Anfrage an die Glaubenskongregation. Es wird nach Klarheit darüber gesucht, wie weit eine konkrete Ortskirche sich vom Glauben der Kirche entfernen kann, ohne schismatisch zu werden. Es war an der Zeit einen Versuch zu wagen.
Glaubenskongregation
Foto: Mack (KNA) | Ein Brief nach Rom mit einer sehr konkreten Frage ist unterwegs. Es soll geklärt werden, ob ein Schisma vorliegt. Im Bild: Aussenansicht des Gebäudes der Glaubenskongregation in Rom.

Wer nicht fragt bleibt dumm, hieß es früher in einer Kindersendung. Schaden kann die Frage nicht, ob die Kirche in Deutschland schon im Schisma ist oder noch nicht.

Eigentlich müsste man sich fragen, warum es nicht schon längst vorher geschehen ist. Eine Gruppe von drei Männer aus dem Ruhrgebiet hat eine Anfrage an Rom geschickt. Kurz und knapp wird aufgelistet, wo in Fragen der Lehre in der Kirche in Deutschland der Schuh drückt. Es gipfelt in der Frage: „Liegt ein Schisma im Sinne des can. 751 vor?“ Das ist klar, simpel und einfach. Im Zentrum steht die Einheit der Kirche. Es geht den Verfassern nicht darum, auf Gedeih und Verderb von Rom gesagt zu bekommen, dass Teile der Kirche in Deutschland nicht mehr katholisch sind. Gefühlt kann das so sein, wenn in der Diskussion und auf dem synodalen Weg das Amt, die Sexualmoral und nicht zuletzt die Sakramente immer weiter dekonstruiert und dem Zeitgeist angepasst werden.

Viel Geduld

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Es könnte hilfreich sein, wenn das Beispiel Schule macht, denn Rom zeigt sich erstaunlich geduldig mit Bischöfen, die offen die Frauenweihe fordern, eine Änderung der Sexualmoral anstreben und beinahe unverhohlen mit blumigen Worten eine Segnung für alle und alles befürworten. Im Elfenbeinturm synodaler Prozesse mag das ja nett sein. Wer sich als Gläubiger dagegen im Kontext seiner Gemeinde auf den Katechismus beruft, kann nicht selten sein blaues Wunder erleben. Der Glaube der Kirche ist an vielen Stellen gar nicht mehr die Basis für das kirchliche Miteinander. Oft genug kann der Katechismus nicht einmal mehr als Grundlage des Handelns der kirchlichen Angestellten in der Pastoral angesehen werden, wenn man ehrlich ist. Ablehnung des und Unkenntnis über den Glauben gehen vielfach Hand in Hand. Da verwundert es kein bisschen, wenn die Fragensteller monieren, dass man unter der Polarisierung in der Gemeinde leidet.

Gesellschaftliche Verwerfungen

Ein Schisma ist nicht harmlos. Man denke nur an die Verwerfungen, die drohen, wenn die Eigentümer der Caritas als einem der größten Arbeitgeber im Land plötzlich zerspalten sind. Von der Frage, wem Dome, Bildungshäuser, Schulen und Kindergärten gehören ganz abgesehen. Kirchenspaltungen haben in der Vergangenheit massive Verwerfungen zur Folge gehabt. Die größte Katastrophe auf unserem Kontinent, der dreißigjährige Krieg, wurzelt in einer Kirchenspaltung. Auch wenn in einer säkularen Gesellschaft kein Religionskrieg zu befürchten ist, wird sich der Staat positionieren müssen. Ein neuer Ultramontanismus könnte der Grund für einen neuen Kulturkampf werden. Je früher und je entschiedener Rom interveniert, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit die Spaltung zu verhindern.

Mal nachfragen

In Rom nachzufragen und die strittigen Punkte aus Sicht der Gläubigen zu benennen, kann dazu beitragen, Klärung herbeizuführen. Allerdings braucht man Geduld. Schon längst liegt eine andere Anfrage in Rom vor, die eine ähnliche Stoßrichtung zeigt. Darin geht es um die Frage, ob man die Kirchensteuer noch an die die deutschen Bistümer zahlen darf, wenn doch anzunehmen ist, dass diese längst im Schisma sind. Ein Schisma liegt erst vor, wenn Rom ein Schisma feststellt. Solange das nicht so ist, sind wir noch in der Einheit, schlimmstenfalls in einer nur noch schwebend wirksamen Einheit. Mag ein Teil der Kirche gefühlt abgefallen sein, so gilt das längst nicht für alle, die an einen Fortschritt durch Wandel glauben. Nicht jede Änderung ist eine Häresie. Es ist gute Tradition der Kirche, im Zweifel Unterstützung in Rom zu suchen, um die Einheit zu wahren. 

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