Regensburg

Gloria: Neuer Band über ein schillerndes Leben

Gloria von Thurn und Taxis ist Deutschlands prominenteste Katholikin. Ein neuer Band von Artikeln und Publikationen um die Fürstin gibt Einblick in das Leben eines freien Menschen.
Fürstin Gloria von Thurn und Taxis mit ihren Kindern
Foto: Rainer Fleischmann

Gloria von Thurn und Taxis regt an und regt auf. Die gerade sechzig gewordene Fürstin, die immer wieder auf ihre gerade vier Jahre als Paradiesvogel und Party-Girl reduziert wird, äußert sich prononciert zu kirchlichen und gesellschaftspolitischen Fragen, und zwar meist gegen den Mainstream. Das nimmt man ihr übel, besonders gern auf adliger und angeblich konservativer Seite. Zugleich ist sie dermaßen unkompliziert und nahbar, hüllt ihre Meinung stets in gesunden Menschenverstand, scheut vor keinem Scherz zurück, so dass sie dann doch zu den Sympathieträgern gehört. Wilhelm Imkamp, Ex-Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild, der mit ihr die Fähigkeit und Willigkeit zu ungeschminkter Rede teilt, hat mit Hilfe von Peter Styra und Philipp von Studnitz ein sorgfältig ausgesuchtes Vademecum von Artikeln und Publikationen um die Regensburger Schlossherrin zusammengestellt, das Freund und Feind Gelegenheit bietet, Erwartungen und Befürchtungen am real Gesagten zu überprüfen. Schöne Bilder aus allen Lebens-Stationen gibt es noch dazu.

Tod des Mannes bringt den Lebenswandel

Lesen Sie auch:

Am allerwenigsten leugnet es die aus altadliger und ebenbürtiger Familie Stammende selber, dass es in ihrem Leben ein Vorher und Nachher gab. Aber nicht die Heirat mit dem in gleicher Weise dem Jet Set zugehörigen Fürsten Johannes im Jahre 1980 markiert die Zäsur, sondern dessen Tod 1990. Die gut ausgebildete, aber bis dato mit den Geschäften des Hauses Thurn und Taxis wenig vertraute Witwe fand sich plötzlich auf der Kapitänsbrücke des damaligen fürstlichen Gemischtwarenhandels wieder, der – wie sich bald wies – weitaus weniger gut dastand, als man annahm. Selbst ihre Gegner gestehen Gloria zu, dass sie sich glänzend auf dem neuen Feld schlug, einige notwendige brutale Schnitte vornahm, das Haus wirtschaftlich neu aufstellte und zukunftsfähig machte. Die Fürstin kehrte nicht zum Party-Leben zurück, nutzte vielmehr ihre mittlerweile errungene Bekanntheit, um die Destination Regensburg touristisch zu stärken, aber auch, um ihre Anliegen in die Öffentlichkeit zu tragen. Davon handelt der umfangreiche Band.


Was sich durch alles zieht – ob beim Interview mit dem „Playboy“ – der einmal für gute Interviews bekannt war – oder mit der „Wirtschaftswoche“ – ist Glorias Begabung, die Dinge auf den Punkt zu bringen: „Es gibt Prinzen, die benehmen sich wie Schweinehirten. Und es gibt Schweinehirten, die benehmen sich wie Prinzen.“ Sie weiß auch, was ein Snob ist: „Snobismus heißt sine nobilitate. Wenn jemand andere Leute als minderwertig behandelt, ist es eben gerade kein Zeichen von Vornehmheit.“

Die zweite Konstante ist das so selbstverständlich wie gewinnend vorgetragene Bekenntnis zur Notwendigkeit der Religion: „Religiös zu sein ist keine Pflicht, sondern eine Gnade. Wenn man den Luxus dieses Geheimnisses Glauben erkannt hat, schuldet man es dem lieben Gott, auch mal ein Opfer zu bringen.“ Noch dem weltlichsten Gesprächspartner legt sie dar: „Wunder gibt es für den, der an Wunder glaubt. Für Leute, die über die Jahre zu glauben gelernt haben, öffnen sich die Tore immer weiter.“ Das entwaffnet, weil es schlicht und ernsthaft vorgetragen wird. Man würde sich wünschen, dass Bischöfe so einfach über den Glauben sprechen könnten. Es ist die überzeitliche Linie, die eigentlich in allen Stellungnahmen der Gloria TnT, wie sie in Amerika genannt wird, sichtbar wird. Dem zur Seite tritt, was Ehemann Johannes in die Worte fasste: „Meine Frau ist ein Zeitdokument.“ Er bezog das auf die Vorliebe für neue bildende Kunst, auf die durchaus vorhandene Sammelleidenschaft seiner Frau, die mit vielen Künstlern bekannt und damals in New York mit Andy Warhol zur Messe gegangen ist. Zum Überzeitlichen tritt das Zeitgeistige, das die Fürstin, die sensibler ist als manche meinen, wie ein Seismograph aufnimmt und widerspiegelt.

„Im synodalen Prozess sieht es aus wie bei einem CDU-Parteitag.“


Auch ihre Affinität zum Technischen – das Schnell-Fahren hat Sohn Albert von ihr geerbt – zeigt, dass da jemand ganz in der Jetzt-Zeit lebt, mit dieser aber nicht immer zufrieden ist. Immer wieder taucht die Mahnung auf, miteinander höflich umzugehen. Tatsächlich verzeiht die gelegentlich ungezwungen auftretende Fürstin schlechtes Benehmen nicht. Wichtiger freilich ist es in ihren Augen, Menschen zu Gott zu führen. Dazu will sie ganz ungeniert beitragen, gerade auch auf die Glamour-Gestalten bezogen, die ihre Nähe suchen. Da betet sie, dass sie sich doch noch bekehren und nach Hause finden.

Ohne Kirche geht es nicht für Gloria: „Die Kirche ist heilig, weil Jesus Christus, ihr Oberhaupt, heilig ist, weil der Geist, der sie belebt, heilig ist und weil ihre Sakramente heilig sind. Wollen wir die Kirche so heilig haben, wie sie in Wirklichkeit ist, müssen wir bei uns anfangen.“ Kirche ist aber nicht gleichbedeutend mit dem Synodalen Weg: „Im synodalen Prozess sieht es aus wie bei einem CDU-Parteitag.“ Das ist wohl nicht als Kompliment gemeint: „Hier wird Geld und Humankapital verschlissen.“

Den Bischöfen mit ihrer doch recht unterschiedlichen Linie zu den Corona-Maßnahmen schreibt sie ins Stammbuch: „Da kann man tatsächlich den Eindruck bekommen, dass hier Staatsfunktionäre brav und gehorsam agieren, die an das Opfermahl gar nicht mehr zu glauben scheinen. Für sie ist die Heilige Messe vor allem ein soziales Miteinander, im besten Fall eine Mahlgemeinschaft, auf die man auch verzichten kann.“

Freude über Widerspruch

Es gibt durchaus noch einige Katholiken, die ähnlich denken und es auch so aussprechen. Bei der Fürstin von Thurn und Taxis werden offene Worte aber noch mehr auf die Goldwaage gelegt und je nach der Meinung des Tages abgewogen. Doch ist es Glorias Naturell, sich an Widerspruch eher zu erfreuen als ihn übel zu nehmen: „Es gibt für mich keine Gesprächs- und Denkverbote. Toleranz heißt für mich ,agree to disagree‘.“

Daher muss auch nicht jeder mögen, was sie sagt. Noch sinnloser wäre es freilich, sie in eine Schublade ein für allemal einordnen zu wollen. Die auch im neuen Lebensjahrzehnt mit immenser Tatkraft Ausgestattete hat auf ihrer Lebensreise viel gesehen und gelernt. Es lohnt sich, ihre Wortmeldungen zu verfolgen – was in diesem klug komponierten Band leicht möglich ist. Wir hören die Stimme eines freien Menschen.


Wilhelm Imkamp (Hrsg.):
Ungeschminkt – Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, Artikel und Publikationen 1980–2020.
Prestel Verlag, München/London/New York, 2020, 319 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen, ISBN 978-3-7913-8778-9, EUR 38,–

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Papst in Budapest
Budapest

Kirche ist gegen LGBTIQ-Propaganda Premium Inhalt

Die von der EU heftig kritisierten Kinderschutzgesetze der Regierung Orbán verteidigt der Vorsitzende der Ungarischen Bischofskonferenz, Bischof András Veres, im „Tagespost“-Exklusivinterview.
19.09.2021, 17  Uhr
Stephan Baier
Themen & Autoren
Urs Buhlmann Andy Warhol Bischöfe Ehegatten Heilige Messe Heiligtümer Jesus Christus Katholikinnen und Katholiken Kirchen und Hauptorganisationen einzelner Religionen Männer Prestel Verlag Prinzen Söhne Thurn und Taxis

Kirche