Siegen

GiG-Festival: "Feier deinen Glauben!"

Laute Hip-Hop Musik, lila Schweinwerfer, dann Heilige Messe? Für das "God is good"-Festival in Siegen ist diese Kombination kein Widerspruch.
Hip Hop Sänger Joe Melendrez
Foto: Amadeus Kuhn | Der Party-König Joe Melendrez aus Los Angeles bringt die Menge zum Tanzen. Dazwischen ruft de Hip Hop Sänger: "Applaus für Jesus". Er möchte die Aufmerksamkeit von sich weg auf Gott lenken.

Laute Hip-Hop-Musik dröhnt durch den Park. Rote und lila Scheinwerfer tauchen die Abenddämmerung in ein buntes Farbenspiel. Eine Gruppe Jugendlicher tanzt vor einer Bühne im Takt zur Musik. Auf der Bühne wirbelt ein Sänger durch den künstlichen Nebel der Nebelmaschinen. Die schnellen Partyhits und die scheinbar endlose Energie des Sängers bringen das Publikum in Stimmung.

Die Musik soll zu den Sakramenten hinführen

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Ein ganz normales Jugendfestival. Auf den ersten Blick. Aber auf der Bühne, auf der hinter einer großen Leinwand und den Scheinwerfern noch Graffiti zu erahnen ist, wird eine schwarze Fahne geschwenkt. Darauf steht in großen orangenen Druckbuchstaben „chosen“, zu Deutsch „erwählt“. Zwischen den Zuschauern huschen immer wieder zwei Mönche in Kapuzinerkutte durch. Statt dem Künstler jubeln die Festival-Besucher Jesus zu.

Das Motto des GiG-Festivals (Gott ist gut) „Feier deinen Glauben!“ ist hier Programm. So soll Jugendlichen die Schönheit des Glaubens und der Kirche vermittelt werden, wie es auf der Webseite des Festivals heißt. „Die Musik soll zu den Sakramenten hinführen. Die Kultur ist nur die Dekoration“, erklärt Pater Paulus Maria Tautz CFR, der Veranstalter der Festivals, gegenüber der „Tagespost“. Deswegen findet im Anschluss an die Konzerte auch jedes Mal eine eucharistische Anbetung statt. Gemeinsam mit den Künstlern feiert Pater Paulus außerdem vor jedem Konzert eine heilige Messe. Deswegen ist es dem Veranstalter auch wichtig, dass die Sänger authentisch hinter den Sakramenten stehen: „Die Sänger sind nicht nur Künstler, sondern wirklich Missionare: das ist moderne Wanderpredigt!“

„Es geht ums Überleben. Jugendarbeit ist kein Luxus mehr.“

Für die zukünftigen GiG-Festivals hat Pater Paulus geplant, dass Pfarreien, in denen die Auftritte stattfinden, selbst die Organisation in die Hand nehmen. Es solle nicht alles von ihm abhängen, vielmehr möchte er die Initialzündung für etwas Größeres sein. „Ich möchte kein Einzelkämpfer sein. Aber das Gefühl hatte ich die letzten Jahre schon.“

Die Jugendarbeit sei für die Kirche existenziell geworden: „Es geht ums Überleben. Jugendarbeit ist kein Luxus mehr.“ Auch dem 35-jährigen Hip-Hop Sänger Joe Melendrez aus den Vereinigten Staaten geht es beim GiG-Festival in erster Linie darum, dass die Jugendlichen eine persönliche Begegnung mit Jesus machen können. „Und Gott hat bisher immer geliefert. Also ich erwarte, dass der Heilige Geist auch heute unter den Leuten wirkt, die hier anwesend sind, aber auch unter denen, die per Livestream dabei sind.“ Der christliche Rapper, der bereits zum sechsten Mal bei der Festival-Tour dabei ist, wird zum Stimmungsmacher des Abends.

Lebensfreude ist spürbar

Das Auftaktfestival der einwöchigen Tour in Siegen beginnt zwar etwas verschlafen, aber mit dem Party-König Melendrez ändert sich das. Der Sänger ist immer in Bewegung: Er tanzt von links nach rechts, dann wieder nach vorn auf die Zuschauer zu, springt in die Höhe. Seine Energie strömt förmlich auf das Publikum über: Er zieht gut die Hälfte der rund 150 Zuschauer, die zuvor eher gelangweilt an ihren Plätzen saßen, nach vorne. Die Jugendlichen fangen an, mitzutanzen, mitzusingen, mitzufeiern. Die Lebensfreude ist beinahe greifbar.

Zwischen seinen Songs ruft der Künstler immer wieder „Applaus für Jesus“ und die Menge tobt. Er lenkt die Aufmerksamkeit weg von sich, hin zu Gott. Die Art und Weise wie selbstverständlich der Musiker und Familienvater über den Glauben spricht, dass er sich nicht dafür schämt, sondern ihn vielmehr feiert, kommt bei den Jugendlichen an. Der 20-jährige Johannes, der selbst bei dem Festival zusammen mit seinen Brüdern einen Auftritt hatte und vor Beginn des Festivals noch betonte, dass er gar nicht gläubig sei, ist von dem Künstler total begeistert, von allen Teilnehmern hat er mit am meisten mitgefeiert. „Ich fand es mega gut und beeindruckend, dass Joe Melendrez den Glauben so modern rübergebracht hat. Sein Glaube hat total ansteckend gewirkt, auch wenn man gar nicht gläubig ist.“

Das Rezept: Authentisch gelebter Glauben und unverfälschte Botschaft

Auch Daniel Tolkötter, 46, der mit seiner Familie zu Besuch beim GiG-Festival war, ist froh, dass er gekommen ist: „Es war eine sehr freundliche Atmosphäre, das Programm war abwechslungsreich und kurzweilig.“ Ihm habe der familiäre Charakter des Festivals gut gefallen, weil es so auch möglich sei, mit den Künstlern in Kontakt zu kommen. Am meisten haben Tolkötter aber die persönlichen Geschichten der Sänger zwischen den Liedern beeindruckt: „Die Zeugnisse haben gezeigt, dass es möglich ist, dass auch Personen, die sich weit von Gott entfernt haben, wieder zu ihm zurückfinden.“ Der Familienvater war selbst für zehn Jahre aus der Kirche ausgetreten. Seine Frau erzählt, dass sie ihn der Gottesmutter anvertraut habe, kurz darauf sei er plötzlich wieder mit in die Kirche gegangen.
Das GiG-Festival zeigt einmal mehr: Die Kirche kann mit ihrer unverfälschten Botschaft und authentisch gelebtem Glauben Personen aller Altersgruppen anziehen, die fern sind von Gott. Mit der christlichen Botschaft muss man sich also nicht verstecken, sondern darf den Glauben selbstbewusst leben, verkündigen und sogar feiern!

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