Bonn

Gewissensfrage Mundkommunion

Es gibt wieder öffentliche Gottesdienste. Das DBK-Verbot der Mundkommunion sorgt jedoch für Kritik. Für manche geht damit das eucharistische Fasten weiter.
Mundkommunion im Vatikan
Foto: Michael Kappeler (dpa) | Ein Ordensschwester empfängt im Petersdom im Vatikan die traditionelle Mundkommunion.

Angesichts der staatlichen Lockerungen hat die Deutsche Bischofskonferenz in ihren kürzlich veröffentlichten "Empfehlungen zur Feier der Liturgie in Zeiten der Corona-Krise" Maßnahmen für die Durchführung von Gottesdiensten zusammengestellt. "Mund- und Kelchkommunion finden weiterhin nicht statt", heißt es darin. Die konkrete Umsetzung der Empfehlungen obliegt den einzelnen Bistümern und ist in den meisten Fällen noch offen. An der deutlichen Formulierung zur Art von Kommunionspendung und -empfang scheinen sich jedoch bereits jetzt die Geister zu scheiden. Nicht wenige Priester und Gläubige, die bisher die Mundkommunion bevorzugt haben, sehen sich nun erneut vor die Frage gestellt, wie mit der offiziellen Empfehlung und den eigenen Prinzipien und Gewohnheiten umzugehen ist.

Ordentliche Form der Kommunionspendung der Kirche

"Das Verbot der Mundkommunion bringt uns in Maria Vesperbild in allergrößte Schwierigkeiten", so der Wallfahrtsdirektor des schwäbischen Pilgerortes, Monsignore Erwin Reichart. Fast alle praktizierten hier - ganz bewusst - die Mundkommunion. "Diese Gläubigen kann man nicht einfach als Nostalgiker oder fundamentalistische Spinner abtun", meint Reichart und verweist darauf, dass die Mundkommunion "nach wie vor die ordentliche Form der Kommunionspendung der Kirche ist". Für viele sei die Entscheidung für die Mundkommunion angesichts der durch die Praxis der Handkommunion beobachtbare Profanierung und Verunehrung des Allerheiligsten eine Gewissensfrage. Reichart hofft, "dass auch diese Gläubigen zu ihrem Recht kommen und die Bischöfe für die Mundkommunion in großherziger Weise eine praktikable Lösung finden". Konkret könne dies als Alternative zur geistlichen Kommunion etwa die Kommunionspendung mit in Alkohol getauchten Pinzetten sein.

Auch die alt-kirchliche Form, bei der die Kommunion auf die Hand gespendet wird und der Gläubige sie zum Mund führt, ohne sie in die Finger zu nehmen, wäre als Angebot denkbar. Noch gravierender ist die Empfehlung der Bischofskonferenz für Priester und Gläubige, die die heilige Messe in der überlieferten Form des römischen Ritus, der ausschließlich die Mundkommunion vorsieht, feiern. Dabei sei gerade in dieser Form der Zelebration ein hoher Hygienestandard möglich, wie Pater Martin Ramm FSSP darlegt. Der Petrusbruder ist überzeugt, "dass bei korrekter Spendung der Mundkommunion den hygienischen Erfordernissen mindestens so gut entsprochen wird, als das bei der Handkommunion der Fall ist".

Frage der Ehrfurcht gegenüber dem Allerheiligsten

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Bei geübten Spendern der Mundkommunion komme es praktisch nie vor, dass der Priester die Zunge oder Lippe eines Gläubigen berührt, so Ramm. Falls dies doch einmal geschehe, solle der Priester die Kommunionspendung unterbrechen und seine Finger desinfizieren. Vor allem aber begreift Ramm die Überlegungen zur Form von Kommunionspendung  und -empfang auch in diesen Zeiten zuerst als Frage der Ehrfurcht gegenüber dem Allerheiligsten. Die einzige Alternative zum sakramentalen Empfang der Kommunion in den Mund ist für ihn daher die geistige Kommunion.

Der Leiter des Deutschen Liturgischen Instituts in Trier, Marius Linneborn, hält hingegen gerade "aus hygienischen Gründen" den derzeitigen Verzicht auf die Mundkommunion für "unerlässlich". Beim Kommunionempfang könne die Gefahr einer Virenübertragung nicht ganz ausgeschlossen werden, so Linneborn mit Verweis auf Virologie-Experten. Daher komme es unbedingt darauf an, dass man in dieser Situation den Kommunionempfang in würdiger und zugleich möglichst verantwortungsvoller Weise vollziehe.

Wie genau das in der persönlichen Praxis aussehen wird, bleibt für viele wohl ein Abwägen in Abhängigkeit von der jeweiligen Bistumsentscheidung. Während für manche nun das eucharistische Ostern gekommen ist, bleibt es für andere Karsamstag.

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