Trier

Gastkommentar: Gemeinde muss erlebbar sein

Nachdem Rom die Reformpläne im Bistum Trier kassiert hat, eröffnet sich die Chance, mit den erst jüngst geschaffenen 172 Pfarreiengemeinschaften zukunftsfähige Strukturen vor Ort rechtskonform zu gestalten.
Bischof Ackermann informiert über geplante Pfarreireform
Foto: Harald Tittel (dpa) | Trier: Der Trierer Bischof Ackermann informiert in einem Pressegespräch über die Zukunft der geplanten Pfarreireform.

Zwei Jahre lang hat unsere Initiative vergeblich für eine gemeinsame Reform gekämpft: Der „Trierer Weg“ war ein konkreter Vorschlag, der das Gemeindeleben bewahrt und zugleich den von der Diözesansynode aufgezeigten neuen pastoralen Erfordernissen entsprochen hätte. Dennoch wurde allen Warnungen zum Trotz das sog. „Umsetzungsgesetz“ erlassen. Anders als vom Bistum verlautbart, geht dieses nicht „an die Grenzen des Kirchenrechts“, sondern verstößt vielfach dagegen. Nachdem Rom nun aufgrund unserer Klage die Einhaltung des allgemeinen Kirchenrechts eingefordert hat, eröffnet sich die Chance, mit den erst jüngst geschaffenen 172 Pfarreiengemeinschaften anstelle der vom Bistum vorgesehenen 35 Riesenpfarreien überschaubare und zukunftsfähige Strukturen vor Ort rechtskonform zu gestalten.

Ohne Zeitdruck, gemeinsam mit allen Akteuren diskutieren

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Unsere Hauptsorge gilt der Sicherung des katholischen Lebens und der Motivation der Ehrenamtlichen vor Ort. Dabei gilt: „Was einem nicht gehört, darum kümmert man sich nicht wirklich“ (Bischof Bode) und „Kirche muss nahe bei den Menschen sein, sonst wird sie aus ihrem Horizont entschwinden“ (Prof. Wollbold). Entlastung des Pfarrers als „Pastor proprius“ kann zum Beispiel durch einen Laien als Verwaltungsratsvorsitzenden erfolgen. Dagegen würde etwa eine „machtvolle“ Installation des von Rom abgelehnten Leitungsteams in sog. 35 „pastoralen Räumen“ das Recht durch die „normative Kraft des Faktischen“ unterlaufen.

Der erforderliche neue Reformvorschlag muss ohne Zeitdruck mit allen Akteuren gemeinsam von „unten nach oben“ und nicht erneut „am grünen Tisch“ von „oben herab“ entwickelt werden. Zugleich bedarf es des intensiven Gebets um Priesternachwuchs und Revitalisierung des katholischen Glaubens, denn „die Lösung der…Probleme ist nicht ausschließlich auf dem Weg der Reform von Strukturen…zu erreichen“ (Papst Franziskus).

Der Autor ist Sprecher der Initiative Kirchengemeinde vor Ort im Bistum Trier, der sich dort über 300 Gemeinden angeschlossen haben. Der Jurist arbeitet als Rechtsanwalt

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