Regensburg/München

Für eine Kultur der Handkommunion

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hat am Fronleichnamsfest allen gedankt, die zur Zeit auf die Mundkommunion verzichten zugunsten der in der Kirche als ebenso würdig betrachteten Handkommunion. In der Frage der Kommunionspendung steckt aus Sicht der Liturgiewissenschaft noch Musik.
Handkommunion
Foto: Harald Oppitz (KNA) | Wie ehrfürchtig die Handkommunion gespendet und empfangen wird hängt auch von äußeren Zeichen ab.

In der Weltkirche gilt als Norm die Mundkommunion. Die Handkommunion ist in Ländern erlaubt, wo die zuständige Bischofskonferenz vom Heiligen Stuhl ein Indult für die Möglichkeit zur Handkommunion erhalten hat. So kann in den deutschen Diözesen jeder Gläubige frei wählen, in welcher der beiden zulässigen Formen er die Eucharistie empfangen möchte.

Die im Zuge der vatikanischen Messbuchreform (1965–1970) in manchen Ländern erlaubte Handkommunion stellt, sofern bewusst und andächtig vollzogen, eine würdige Form des Kommunionempfangs dar. Insofern ist Bischof Rudolf Voderholzer zuzustimmen: „Die Bevorzugung einer Form, die einem angemessen und würdig erscheint, darf nicht dazu führen, dass man eine andere Form als geradezu in sich böse verwirft oder nicht kommuniziert, statt die Form zu ändern, wenn es einen guten Grund dafür gibt.“

Meist sündigt man mit der Zunge mehr als mit der Hand

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Der Regensburger Oberhirte zitiert aus einer Predigt von Joseph Kardinal Ratzinger von 1978: „Meist sündigt man mit der Zunge mehr als mit der Hand.“ Das ist sicherlich richtig, allerdings steht nach Genesis 3,1–6 am Anfang der menschlichen Sündengeschichte die nach der verbotenen Frucht ausgestreckte Hand.
Beim letzten Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern haben diese das gebrochene Brot, Zeichen seines am Kreuz dahingegebenen Leibes, von ihrem Meister nicht in den Mund empfangen. Die Mundkommunion setzte sich seit dem frühen Mittelalter durch. Doch die heutige Praxis der Handkommunion unterscheidet sich, was oft übersehen wird, signifikant von ihren Vorläufern in der Alten Kirche. So empfing man zum Beispiel die Eucharistie verneigt oder kniend auf die rechte Hand, die zusammen mit der darunter liegenden linken Hand ein Kreuz symbolisierte. Und man kommunizierte, ohne die Eucharistie mit den Fingern zu berühren, indem man die rechte Hand mit dem eucharistischen Brot zum Mund führte. Bei der heutigen Handkommunion legt der Kommunikant die rechte Hand unter die linke und bildet so für den Empfang des Leibes Christi eine Art Thron.

Dennoch ist die Handkommunion, anders als die – kniende – Mundkommunion, anfällig für einen unbedachten Kommunionempfang. So empfangen manche die Eucharistie nicht in die Hand, sondern nehmen sie direkt mit Daumen und Zeigefinger zu sich oder kommunizieren wie beiläufig, während sie sich umdrehen und zu ihrem Platz zurückkehren. Die verkürzte Spendeformel („Der Leib Christi“ statt „Der Leib unseres Herrn Jesus Christus bewahre deine Seele zum Leben. Amen“) birgt die Gefahr in sich, dass die Kommunion wie eine Art Distribution erscheint, während sie doch Empfang der göttlichen Speise der Unsterblichkeit ist.

Handkommunion anfällig für Missbräuche

Was einzelne Bischöfe in der Corona-Pandemie an neuen Formen des Kommunionempfangs eingeführt haben, zeigt, wie anfällig die heutige Handkommunion auch für Missbräuche ist. Bischof Peter Kohlgraf (Mainz) erfand den vor den Altarstufen aufgestellten Tisch mit Kommunionfächern, aus denen sich die Gläubigen die konsekrierten Hostien selbst nehmen können. Dekrete der Bischöfe Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart) und Franz-Josef Bode (Osnabrück) sehen die Möglichkeit vor, konsekrierte Hostien zur Selbstbedienung der Kommunikanten auf Servietten, Patenen oder kleine Teller zu legen. Dass der Profanierung der Kommunion keine Grenzen gesetzt sind, zeigen Priester, die das Eucharistische Hochgebet mit den Konsekrationsworten über in Plastiktütchen verpackte Hostien sprechen und diese wie eingepacktes Gebäck austeilen.

Auch wenn man sich der Anfälligkeit der nachkonziliaren Form der Handkommunion für Profanierungen des Sakraments bewusst sein sollte, ist es doch falsch, die Mundkommunion gegen die Handkommunion als Kriterium für Orthodoxie oder Orthopraxie auszuspielen. Allerdings brauchen wir dringend eine neue Kultur der Handkommunion, bei der die untrennbare Einheit von Kommunion und Anbetung deutlicher zum Ausdruck kommt. Einem würdigen Empfang der Eucharistie wäre es förderlich, wenn die Gläubigen in Verbindung mit der Kommunion ein Zeichen der Verehrung setzen würden: eine Kniebeuge, eine Verneigung oder/und ein Kreuzzeichen. Denn der Empfang des Leibes Christi setzt voraus, dass wir den Herrn im Sakrament angebetet haben: „Niemand aber isst dieses Fleisch (den Leib Christi), wenn er es nicht zuvor angebetet hat“ (Augustinus).

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