Bagdad/Würzburg

Franziskus hat auch Muslimen Mut gemacht

Führende katholische Nahost-Experten beurteilen die interreligiösen Akzente des Papstes im Irak positiv.
Papst Franziskus traf Großajatollah Ali al-Sistani
Foto: Vatican Media (AP) | Am zweiten Tag seiner Reise in den Irak traf Papst Franziskus den höchsten schiitischen Geistlichen des Landes, Großajatollah Ali al-Sistani.

Namhafte Nahost-Experten und Islam-Kenner im deutschsprachigen Raum würdigen gegenüber der „Tagespost“ die Irak-Reise von Papst Franziskus. So zeigt sich der Islamwissenschaftler, Theologe und Jesuitenpater Christian Troll davon überzeugt, dass über den Irak hinaus „alle gebildeten Schiiten, welcher Richtung sie auch immer angehören, von diesem Besuch hören werden, in den Moscheen und den Medien wird er ein zentrales Thema darstellen“. Das habe mit dem Treffen des Papstes mit dem irakischen Großayatollah Ali Al-Sistani in Najaf zu tun: Najaf sei „für die schiitischen Gläubigen aller Richtungen der zentrale Wallfahrtsort, denn dort befindet sich das Grab des Imam Ali, des für die Schiiten bedeutendsten Muslim nach Muhammad“.

Der Papstbesuch habe allerdings nicht nur den Christen, sondern auch den Muslimen im Nahen Osten „zweifellos Mut und Kraft vermittelt auf dem steinigen Weg des materiellen und geistig-geistlichen Wiederaufbaus ihrer Region“, so Pater Troll.

Wirkung in den Iran hinein

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Dietmar Winkler, Professor für Patristik und Kirchengeschichte an der Universität Salzburg, sieht Papst Franziskus und Großayatollah Al-Sistani als „Verbündete im Geiste“. Ihre Begegnung am Samstag in Najaf werde „viele junge Schiiten ansprechen, nicht nur im Irak, sondern auch in den Iran hinein“. Al-Sistani spreche immer wieder von einer Koexistenz der Religionen und Ethnien im Irak und räume den Christen gleiche bürgerliche Rechte ein.

Auch mit seiner Ansprache in Ur habe der Papst die Leute erreicht, meint Winkler, einer der führenden Experten für das orientalische Christentum und die Ökumene, im „Tagespost“-Interview. Papst Franziskus spreche über die eigene Konfession hinaus alle Christen an, und über das Christentum hinaus alle Schichten und Menschen, „weil alle Mitglieder einer Menschheitsfamilie sind“.

Zeichen der Hoffnung für Menschen im Irak

Von einem „Zeichen der Hoffnung für die Menschen im Irak“ spricht gegenüber der „Tagespost“ der Nahost-Experte Otmar Oehring, ein jahrzehntelanger Kenner des interreligiösen Dialogs und der islamischen Welt. Die Begegnung des Papstes mit Großayatollah Al-Sistani sei von Bedeutung, weil dieser die theologische Schule von Najaf verkörperte, die im Gegensatz stehe zur iranischen Schule von Ghom. „Sistani ist im politischen Spektrum des Irak eine wichtige Figur. Er sorgt für einen Ausgleich zwischen den Teheran-hörigen und den Teheran gegenüber kritischen Schiiten im Irak“, so Oehring.  DT/sba

Lesen Sie einen ausführliche Analyse zur Irak-Reise von Papst Franziskus in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

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