Rezension

Ein Plädoyer für Romano Guardinis Seligsprechung

Ein Sammelband mit Ausätzen namhafter katholischer Autoren beschäftigt sich mit einem möglichen Seligsprechungsprozess des Theologen Romano Guardinis.
Romano Guardini
Foto: KNA-Bild | Der Sammelband beschäftigt sich mit der Verbindung von Theologie und Glauben. Der Religionsphilosoph Romano Guardini konnte beides vereinen.

Dass ein Theologe heiliggesprochen werden könnte, erscheint vielen heute an den Universitäten tätigen Vertretern des Faches möglicherweise fragwürdig. Der eine oder andere wird es vielleicht sogar für überflüssig halten, weil ein solcher Akt die aus Sicht vieler wissenschaftlich tätiger Theologen notwendige Distanz zwischen Ihnen und der Kirche überbrückt. Für sie und alle, die an dem Weg Romano Guardinis zur Ehre der Altäre interessiert sind, verspricht der kleine Band „Helfen durch die Wahrheit“ wichtige neue Einsichten.

Der Theologe begeisterte junge Menschen für den Glauben

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Denn er zeigt einen durch und durch am Denken interessierten Menschen, der zugleich tief gläubig war, kein Problem mit schlichten Formen der Volksfrömmigkeit hatte und sich lebenslang darum bemühte, junge und ältere Menschen nicht nur für seine persönlichen Gedanken, sondern vor allem für den Glauben und für ein bewusst kirchliches Leben zu begeistern.

Dass beides zusammengehört, zeigt schon der erste Beitrag von Mitherausgeber  Hans Otto Seitschek, der den Lebenslinien und Denkwegen Guardinis nachspürt. Ludwig Mödl, Peter Schallenberg und Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz thematisieren unterschiedliche Facetten die die Frömmigkeit im Leben Guardinis spielte. Letztere weitet in einem zweiten Beitrag den Blick für die europäische Dimension in Leben und Werk des gebürtigen Italieners und Wahldeutschen. Helmut Zenz zeigt Guardini als historische Ausnahmegestalt.

Die Artikel überzeugen durch Sachlichkeit

Hilfreich ist neben den inhaltlich facettenreichen, theologisch durchdachten und spirituell tiefen Beiträgen „Romano Guardini auf dem Weg zur Ehre der Altäre“ überschriebene Aufsatz von Mitherausgeber Johannes Modesto, der noch einmal ins Bewusstsein ruft, welche Voraussetzungen für eine Seligsprechung erfüllt werden müssen. Für die spirituelle Dimension des lesenswerten Bandes stehen auch die Predigten von Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof Heiner Koch und Christian Stadtmüller. Einer der vielen interessanten inhaltlichen Aspekte: Angesichts der heute präsenten Cancel Culture, die jegliche Abweichung von den je neu formulierten Normen mit Ächtung bestraft ist die wohltuend sachliche Darstellung des Verhaltens Guardinis während der Zeit des Nationalsozialismus erhellend.

Guardini verweigerte den Hitlergruß nicht

Denn er entschied sich als Professor in Berlin im Gegensatz zu seinem Zeitgenossen, dem seligen Dompropst Bernhard Lichtenberg, dafür, den Hitlergruß zu verwenden, um seine Lehrtätigkeit noch eine Weile ausüben zu können und begründete dies mit seiner Verantwortung für seine Studenten. Dieser Punkt ist durchaus kritisch diskutierbar.

Dass er in diesem Band in wohltuend unaufgeregter Sachlichkeit präsentiert wird, ist Teil der Qualität dieser kleinen Studie auf Guardinis Weg zur Ehre der Altäre. Wer die Seligsprechung Romano Guardinis betend unterstützen möchte, findet am Ende des Textes von Johannes Modesto ein von Gerl-Falkovitz formuliertes Gebet mit der Bitte an Gott, dass er uns den tiefgläubigen Theologen Romano Guardini zur Verehrung schenken möge. Eine kleine Inkonsistenz, die Nennung des Doktortitels bei Erzbischof Koch, die bei den anderen promovierten Autoren fehlt, könnte bei einer wünschenswerten weiteren Auflage korrigiert werden.


Hans Otto Seitschek/Johannes Modesto (Hg.):
Helfen durch die Wahrheit. Romano Guardini auf dem Weg zur Ehre der Altäre.
Grünewald, Ostfildern, 2020, 136 Seiten, ISBN 978-3786732280, EUR 24,-

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