Segnungsfeiern

Dogmatikerin Knop: Segnungsfeiern sind eher Therapeutikum als Politikum

Die rund um den 10. Mai geplanten Segnungen homosexueller Paare seien ein „Kontrastsignal kirchlicher Solidarität“, meint die Erfurter Dogmatikerin Julia Knop. Die Aktion sorgte am Wochenende weiter für intensive Debatten.
Segnung homosexueller Paare in München
Foto: Felix Hörhager (dpa) | Pfarrvikar Wolfgang Rothe segnet das Paar Christine Walter (l) und Almut Münster bei einem Katholischen Gottesdienst mit Segnung homosexueller Paare im Rahmen einer bundesweiten Aktion in der Kirche St. Benedikt.

Nach Ansicht der Erfurter Dogmatikerin Julia Knop sind die rund um den heutigen 10. Mai geplanten „Segensgottesdienste für Liebende“, bei denen auch homosexuelle Paare gesegnet werden sollen, „eher als Therapeutikum denn als Politikum“ zu verstehen. In einem Gastbeitrag für das Online-Portal „katholisch.de“ schreibt Knop, das Signal, das von den Segnungsfeiern ausgehe, richte sich nicht zuerst an oder gegen die Glaubenskongregation. Diese hatte im März in einem Responsum bekräftigt, dass die katholische Kirche nicht die Vollmacht besitze, homosexuelle Paare zu segnen.

Segnungsfeiern sollen "Hilfreich und heilsam" sein

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Das Responsum sei zwar der Anlass gewesen, so Knop. Jedoch gelte die Segnungsaktion in erster Linie denjenigen, „die bisher aufgrund ihrer sexuellen Orientierung von ihrer Kirche bestenfalls Mitleid erwarten durften (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2357-2359), es aber bitte nicht als ,ungerechte Diskriminierung' (Responsum, erläuternde Note) auffassen sollten, dass ihnen kirchlicher Segen vorenthalten wird“. Für jene Menschen sollten die Segnungsfeiern „hilfreich und heilsam“ sein.

Darüber hinaus sprach Knop von einem „Kontrastsignal kirchlicher Solidarität“. Die Seelsorger und Gemeinden, die an der Segnungsaktion teilnehmen, seien überzeugt, „dass sie keine Vollmacht haben, Gottes Segen zu verweigern“. Menschen hätten „im Namen und im Raum der Kirche“ Verletzungen erlitten, die ihnen an die Seele gehen würden. „Sie wollen etwas gut machen, weil ihnen schmerzlich bewusst ist, welche Wunden das römische Schreiben (neu) aufgerissen hat“, so die Dogmatikerin.

Goertz: "Spannend" zu beobachten, wie das System reagiert

Bereits am Sonntag fanden mehrere Segnungen homosexueller Paare statt. Zwischen reformorientierten  und lehramtstreuen Katholiken war intensiv über die Aktion diskutiert worden. So sprach sich die Hauptversammlung des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) für die Anerkennung, Wertschätzung und Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften aus. „Wir fordern, dass der Segen Gottes in unserer Kirche keinem homosexuellen Paar verweigert wird. Denn ein Segen ist Ausdruck der unerschütterlichen Treue Gottes zum Menschen in der Schöpfung. Und diese Treue Gottes gilt uneingeschränkt jedem Menschen“, erklärte die neue ehrenamtliche Bundesvorsitzende des BDKJ, Daniela Ottersbach.

Der Moraltheologe Stephan Goertz brachte am Samstag im Podcast „Mit Herz und Haltung“ der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen seine Hoffnung zum Ausdruck, dass sich  Rom überzeugen lasse „von der Lebenswirklichkeit dieser Menschen, von deren Partnerschaft, von deren Wunsch, dass ihre Beziehungen gesegnet werden“. Mit Blick auf die Segnungsfeiern sagte er, es sei spannend zu beobachten „wie das System auf diese Provokation reagieren wird“. Dass innerkirchliche Gräben dadurch vertieft werden könnten, sei allen Beteiligten bewusst, so Goertz.

 Die Initiative „Maria 1.0“ nannte die Segnungsfeiern eine „gezielte Provokation in Richtung von Papst Franziskus“. Die Einheit mit Rom müsse gewahrt bleiben, betonte die neue Leiterin der Initiative, Clara Steinbrecher. „Vielmehr rufen wir die Bischöfe und Priester dazu auf, Menschen in allen Lebenssituationen pastoral und mitfühlend zu begleiten.“

Der amerikanische Kurienkardinal Raymond Leo Burke sprach angesichts der stattfindenden Segnungsfeiern von einer Kirchenspaltung: "Meiner Ansicht nach existiert nun de facto ein Schisma, auch wenn es noch nicht erklärt wurde. Wenn man es so nennen will, handelt es sich in der Praxis um ein Schisma", so Burke im Gespräch mit dem argentinischen Pater Javier Olivera Rabasi. Es sei momentan schwer zu sagen, wie es noch zu einer Versöhnung der beiden Seiten kommen solle.  DT/mlu

Lesen Sie ausführliche Hintergründe zur Aktion der "Segensgottesdienste für Liebende" rund um den 10. Mai in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

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Tobias Klein
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