Vatikan

Die Spitzenämter des Vatikans sind neu vergeben

Verjüngung im Vatikan: Ein Südkoreaner wird zuständig für den Klerus, ein Engländer leitet die Liturgiekongregation. Doch noch andere wichtige Posten werden neu vergeben.
Bischof Lazarus You Heung-sik
Foto: Paul Haring (CNS photo) | Lazarus You Heung-sik, Bischof von Daejeon (Südkorea), wurde von Papst Franziskus zum neuen Präfekten der Kongregation für den Klerus ernannt. Der Bischof ist nicht die einzige Neubesetzung im Vatikan.

Eine ungewöhnliche Ernennung an der römischen Kurie hat erneut darauf aufmerksam gemacht, dass der Vatikan sich mit seinen Spitzenämtern in einer Umbruchphase befindet. Am Freitag hat Franziskus den 69 Jahre alten Bischof Lazarus You Heung-sik aus Südkorea zum Präfekten der Kongregation für den Klerus ernannt. Er folgt damit Kardinal Benjamino Stella, der Mitte August seinen Achtzigsten feiert, jetzt aber das Dikasterium bis zum Eintreffen von You weiter führen wird. Der Vatikandiplomat Stella galt als Vertrauter des Papstes, der ihn im September 2013 an die Spitze der Kleruskongregation berufen hatte und dort bis zum Erreichen der äußersten Altersgrenze im Präfektenamt beließ.

Franziskus: "Die Zukunft der Kirche liegt in Asien"

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In Südkorea leitete You seit 2005 die Diözese Daejeon. In Rom weiß man nicht viel von ihm. Sein Wahlspruch lautet „Lux Mundi –Licht der Welt“. Franziskus, der seit seiner Wahl mehrere Reisen nach Asien gemacht hat, soll Kardinal Luis Antonio Tagle, dem Präfekten des Missionsdikasteriums „Propaganda Fide“, einmal gesagt haben, dass „die Zukunft der Kirche in Asien liegt“. Jedenfalls ist You neben dem aus den Philippinen stammenden Tagl der zweite Asiate in einem Führungsamt der Kurie. Aber von 1991 bis 1996 leitete schon einmal ein Asiate die Kleruskongregation, der philippinische Kardinal José Tomás Sánchez. Im August 2014 empfing You den Papst im Fußballstadion von Daejon, wo Franziskus im Rahmen des sechsten Asiatischen Jugendtags eine Messe feierte. Und 2018 nahm der Bischof, den der Papst jetzt in den Rang eines Erzbischofs befördert hat, an der vatikanischen Jugendsynode teil.

Eigentlich hatte es geheißen, dass Franziskus die Kongregation Stellas vor der Ernennung eines Nachfolgers visitieren lässt und damit den italienischen Bischof Egidio Miragoli von Mondovi beauftragt hat. Dieser bestätigte das gegenüber der Jesuiten-Zeitschrift „America“, doch der Vatikan selbst hüllte sich dazu in Schweigen. So wie es aussieht, erfolgte jetzt die Ernennung Yous vor dem Abschluss der Visitation, die jedoch lediglich in Gesprächen mit den Mitarbeitern des Dikasteriums besteht. So war es auch in der Gottesdienstkongregation geschehen, bevor Franziskus am 27. Mai den Nachfolger von Kardinalpräfekt Robert Sarah ernannte, der im Sommer vergangenen Jahres 75 Jahre alt geworden war.

Die Wahl des Papstes fiel auf den bisherigen Sekretär der Kongregation, den 71 Jahre alten englischen Kurienerzbischof Arthur Roche. Auch dieser Personalie war eine Art interner Visitation in der Gottesdienstkongregation vorausgegangen. Damals bediente sich Franziskus ebenfalls eines italienischen Bischofs: Claudio Maniago, der das Bistum von Castellaneta in Apulien leitet und Vorsitzender der Liturgiekommission der Italienischen Bischofskonferenz ist. Als neuer Gottesdienstpräfekt wurde auch Bischof Vittorio Francesco Viola aus dem norditalienischen Tortona gehandelt.

Wie sich Liturgiepräfekt Roche zur Alten Messe positionieren wird, ist offen

Nun wird der Liturgieexperte Viola neuer Sekretär der Behörde und folgt damit Roche nach. Zum neuen Untersekretär ernannte Papst Franziskus den spanischen Geistlichen Aurelio Barcia Marcias, bisher Abteilungsleiter in der Kongregation. Benedikt XVI. hatte den Engländer Roche 2012 zum Sekretär des Liturgiedikasteriums ernannt. Zuvor war er seit 2002 Vorsitzender der Internationalen Kommission für Englisch in der Liturgie und von 2004 bis 2012 Bischof von Leeds. Noch ist nicht klar, welchen Kurs die neue Leitung der Kongregation nach der Amtszeit von Kardinal Sarah einschlagen wird. Es hat Gerüchte gegeben, dass Papst Franziskus den Erlass „Summorum Pontificum“ von 2007 zur Freigabe des tridentinischen Ritus modifizieren will und dass die Federführung dafür nicht bei der Glaubenskongregation, sondern beim Dikasterium von Roche liegen soll. 2017 hatte Franziskus mit seinem Schreiben„Magnum principium“ die Gewichte bei der Verantwortung für die Übersetzung liturgischer Texte in die Landessprachen und für die Herausgabe liturgischer Bücher von der Kongregation Sarahs hin zu den Bischofskonferenzen verlagert: Sie seien für diese Fragen zuständig, der Liturgiekongregation komme nur eine bestätigende Aufgabe zu. Wie sich ein Präfekt Arthur Roche zur so genannten alten Messe positionieren wird, bleibt abzuwarten. Er gilt in Rom nicht als progressiv, sondern eher als moderat.

 

Doch das Personenkarussell dürfte sich weiterdrehen: Der Präfekt der wichtigen Kongregation für die Ernennung der Bischöfe, der kanadische Kardinal Marc Ouellet, wurde jetzt Anfang Juni 77 Jahre alt. Und der Präfekt der Glaubenskongregation, der Jesuit und Kardinal Luis Ladaria, hat genau dieses Alter bereits im vergangenen April erreicht. Auch bei diesen beiden Präfektenämtern steht also in den kommenden Monaten ein Wechsel an der Spitze an. Spätestens dann, wenn beide achtzig Jahre alt werden, dürfte die Nachfolger feststehen. Es sind vier wichtige Behörden des Vatikans: Ein Asiate an der Spitze der Kleruskongregation, ein Engländer als Präfekt für die Liturgie, ein personeller Einschnitt bei den Behörden für die Bischöfe sowie für die Glaubenslehre: Der Vatikan sieht nach dieser Verjüngung anders aus.

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