Im Blickpunkt

Die Kirche setzt ein Zeichen gegen die Akzeptanz der Mafia

Der Vatikan hat nun eine Anti-Mafia-Kommission. Ziel der Kommission soll eine kirchenrechtliche Basis der Exkommunikation von Mafiosi sein.
Papst Franziskus segnet Bild
Foto: ©M. MIGLIORATO/CPP / IPA (imago stock&people) | Papst Franziskus segnet im Jahr 2018 das Bild eines Polizisten, der von den Mafiosi getötet worden war. Der Vatikan hat nun eine Anti-Mafia-Kommission eingeführt.

Braucht der Vatikan eine Anti-Mafia-Kommission? Er hat sie jetzt jedenfalls eingerichtet. Und zwar, wie es in den Vatikan-Medien hieß, „zu Ehren“ des am Sonntag im sizilianischen Agrigent seliggesprochenen Anti-Mafia-Richters Rosario Angelo Livatino. Es war der 21. September 1990. Der erst 38 Jahre alte Livatino ist mit einem Auto unterwegs – ohne Eskorte, die er nicht wollte. Ein Mafia-Kommando drängt den Wagen von der Straße, Livatino flieht zu Fuß. Zuerst eine Kugel in den Rücken, dann töten ihn mehrere Schüsse.

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Exkommunikation der Mafiosi bisher nicht geregelt

Wie Papst Franziskus am Sonntag sagte, sei der neue Selige „bis zu seinem heroischen Tod ein Zeuge des Evangeliums“ gewesen. Das Seligsprechungsdekret bescheinigt Livatino, „in odium fidei“, aus Glaubenshass ermordet worden zu sein. Zu der Anti-Mafia-Kommission, deren Gründung der Vatikan dann ebenfalls am Sonntag bekannt gab, gehören unter anderem Erzbischof Michele Pennisi von Monreale, der Präsident des Vatikan-Gerichts und ehemalige Anti-Mafia-Staatsanwalt Giuseppe Pignatone, die Politikerin Rosy Bindi, ehemals Präsidentin der Anti-Mafia-Kommission des italienischen Parlaments, der Priester und prominente Mafia-Gegner Don Luigi Ciotti sowie Don Raffaele Grimaldi von der Vereinigung der Gefängniskapläne.

Was soll die Kommission bewirken? Ein Mitarbeiter des vatikanischen Dikasteriums für die integrale Entwicklung des Menschen, bei dem die Kommission angesiedelt ist, gab gegenüber den Medien zu Protokoll, dass man sich bewusst geworden sei, „dass weder in der Soziallehre der Kirche, noch im Kirchenrecht und auch nicht im Katechismus die Exkommunikation der Mafiosi erwähnt wird. Da haben wir gedacht, dass man etwas tun muss.“

Mafia beim Volk geduldet

Livatino ist der erste Anti-Mafia-Richter im Buch der Seligen, aber er ist nicht das erste Opfer der Mafia, das zur Ehre der Altäre gelangte und zur Symbolfigur des Kampfs gegen die organisierte Kriminalität in Italien werden könnte. Am 9. Mai 1993 sprach Johannes Paul II. im Tal der Tempel bei Agrigent seinen berühmten Bannspruch gegen die Mafia – deshalb fand jetzt am 9. Mai die Seligsprechung Livatinos statt. Als Antwort darauf richtete die Mafia am 15. September 1993 den Priester Pino Puglisi vor dessen Haustür in Palermo hin. Er wurde am 25. Mai 2013 seliggesprochen.

2014 rief Papst Franziskus in der Mafia-Hochburg Kalabrien aus, dass die, „die wie die Mafiosi in ihrem Leben der Straße des Bösen folgen, nicht in Gemeinschaft mit Gott stehen, sie sind exkommuniziert!“ Trotzdem ist die Mafia für die Kirche Italiens ein Problem. Ausgerechnet in dem Land, das einst zutiefst katholisch war und vor allem im Süden eine blühende Volksfrömmigkeit aufzuweisen hatte, von dieser Tradition aber immer noch zehrt, ist die Mafia eine Lebenswirklichkeit, die einfach nicht auszurotten war und ist. Zwar lassen sich die historischen Ursprünge von „Cosa nostra“, „Ndrangheta“ und anderen Mafia-Clans historisch erklären, aber dass sie im Volk so eine zwar passive, aber breite Duldung fanden, gibt Rätsel auf. Die Kirche muss da Zeichen setzen. Mit der Seligsprechung von Rosario Livatino hat sie es getan. Auch die Vatikan-Kommission soll dazu dienen.

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