Moskau/Istanbul

Die Hagia Sophia als Moschee: Eine Strafe Gottes?

Kein orthodoxer Weihnachtsfrieden: Russischer Patriarch Kyrill attackiert neuerlich den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios.
Kyrill attackiert Bartholomaios
Foto: Jason Dean (ZUMA Wire) | Alles, was in Konstantinopel nach der Anerkennung der ukrainischen Autokephalie durch Bartholomaios geschehen ist, sei unzweifelhaft der Beweis einer göttlichen Strafe, so Kyrill.

Im Streit zwischen den orthodoxen Kirchen kehrt auch rund um das orthodoxe Weihnachtsfest am 6. Januar kein Frieden ein: Ausgerechnet an dem Tag, an dem die orthodoxen Christen weltweit Weihnachten feiern, erhob das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche erneut schwere Vorwürfe gegen das Ehrenoberhaupt der weltweiten Orthodoxie, den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel. Die Umwandlung der traditionsreichen Hagia Sophia von Istanbul in eine Moschee (im Juli 2020) sei eine Strafe Gottes, suggerierte Kyrill.

"Du hast deine eigene Hagia Sophia verloren"

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Wörtlich sagte der russische Patriarch Kyrill in einem Fernsehinterview: „Patriarch Bartholomaios setzte die Schismatiker in Kiew in die Kiewer Kathedrale der Heiligen Sophia, und er verlor die Hagia Sophia in Konstantinopel – sie wurde in eine Moschee umgewandelt“. Alles, was in Konstantinopel nach der Anerkennung der ukrainischen Autokephalie durch Bartholomaios geschehen ist, sei unzweifelhaft der Beweis einer göttlichen Strafe.

Offenbar an den in Istanbul residierenden Ökumenischen Patriarchen gerichtet, sagte Kyrill laut einem Bericht der „Orthodox Times“ in dem Interview: „Du hast die Kathedrale der Heiligen Sophia in Kiew dem orthodoxen Volk, der orthodoxen Kirche weggenommen, und du hast deine eigene Hagia Sophia verloren… Ich finde, dass eine noch klarere Konsequenz, die dem Willen Gottes entspringt, schwer vorstellbar ist. Und die Konsequenzen kamen ohne Verzögerung, weil die Sünde zu groß war.“ Die Anerkennung der Autokephalie der ukrainischen Orthodoxie – und damit der kirchenrechtlichen Unabhängigkeit von Moskau – durch Bartholomaios habe Kyrill „als ein Verbrechen, und nicht als Fehler“ beschrieben, berichtet die „Orthodox Times“.

Bartholomaios verteidigt Vorgehen im Kirchen-Streit

Wenige Tage zuvor hatte Bartholomaios sein Vorgehen im Kirchen-Streit um die Ukraine verteidigt und seinerseits das Moskauer Patriarchat kritisiert: Er werde nicht zulassen, dass die orthodoxe Ekklesiologie auf dem Altar niedriger Interessen geopfert werde, sagte der Ökumenische Patriarch. Weil Moskau ihm in der Ukraine-Frage „Papismus“ – also eine Überdehnung seines Amtes als „Erster“ unter den orthodoxen Patriarchen – vorwarf, konterte er, er nehme lediglich die Verantwortung seines Amtes wahr. Bartholomaios weiter: „Wer benimmt sich wie ein 'Papst der Orthodoxie'? Derjenige, der den Traditionen treu bleibt, oder jener, der für sich selbst eine Position in Anspruch nimmt, die er nie hatte und nie haben wird?“  DT/sba

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