Jerusalem

Der neue lateinische Patriarch von Jerusalem ist ein Macher

Pierbattista Pizzaballa ist als erfahrener Kustos ein intimer Kenner der ortskirchlichen Verhältnisse im Heiligen Land, doch als Ordensmann und Ausländer unabhängig genug, um im Lateinischen Patriarchat ohne falsche Rücksichten aufräumen zu können.

Die römisch-katholische Kirche im Heiligen Land hat wieder ein formelles Oberhaupt. Mit der am Samstag bekannt gemachten Ernennung des bisherigen Apostolischen Administrators Pierbattista Pizzaballa zum Lateinischen Patriarchen zeichnet Papst Franziskus einen tüchtigen Reformer aus – und weicht von der Ernennungspolitik seiner Vorgänger ab.

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Mancher patriotische Christ im Heiligen Land dürfte geschluckt haben. Bis 1987 waren alle Patriarchen der nach der Gründung in der Kreuzfahrerzeit 1847 wiederhergestellten römisch-katholischen Diözese Italiener. Mit dem Palästinenser Michel Sabbah und dem Jordanier Fuad Twal übernahmen dann Araber die Führung. Es schien danach schwer vorstellbar, dass sich das je wieder ändern würde. Der Italiener Pizzaballa, der ausgezeichnet Hebräisch und passabel Arabisch spricht, ist indes alles andere als ein Fremder.

Das Patriarchat steht vor Herausforderungen

Als Twal 2016 altersbedingt und damit gesichtswahrend in den Ruhestand ging, hinterließ er finanziell zerrüttete Verhältnisse. Die vom Patriarchat getragene Universität in Twals jordanischer Heimatstadt Madaba hatte sich zum Millionengrab entwickelt. Dem Patriarchat drohte die Handlungsunfähigkeit. Die Grabesritter, wichtigste Geldgeber der katholischen Kirche im Heiligen Land, waren nicht gewillt, ohne einschneidende Reformen zu helfen. Pizzaballa, bislang Kustos der Franziskaner im Nahen Osten, schien die perfekte Interimslösung: Intimer Kenner der ortskirchlichen Verhältnisse, doch als Ordensmann und Ausländer unabhängig genug, um im Lateinischen Patriarchat ohne falsche Rücksichten aufräumen zu können.

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Zur Schuldentilgung ging es auch ans Tafelsilber: Zahlreiche Grundstücke etwa in Nazareth wurden verkauft. Weitere Verkäufe werden folgen. Die internen Finanzstrukturen wurden professionalisiert. Kompetente Laien wurden berufen. Land scheint wieder in Sicht. Einfach wird Pizzaballas Amtszeit nicht. Das war schon an der Spitze der Kustodie nicht anders. Besonders in Syrien wurden Brüder und Einrichtungen des Franziskanerordens zu Opfern von Bürgerkrieg und Dschihad. Corona setzt dem Pilgertourismus zu – und trifft damit Ortskirche wie einzelne Christen ins Herz. Die politische Lage im Heiligen Land wie der Region ändert sich dramatisch. Die von der Kirche stets unterstützte Zwei-Staaten-Lösung scheint zum toten Gaul verkommen zu sein. Mit erst 55 Jahren wird Pizzaballa damit auf Jahrzehnte eine vielfach herausgeforderte Ortskirche führen und prägen. Der tüchtige, von gläubigem Realismus und Nüchternheit geprägte Mann ist dafür ganz sicher keine schlechte Wahl.

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