Würzburg

Der katholische Werdegang eines Schulleiters

Das positive Vorbild des Großvaters und das Rosenkranzgebet der Eltern: Der katholische Schulleiter Matthew Jackson erzählt, wie ihn der Glaube als Kind geprägt hat und was er nun seinen Schülern vermitteln will.
Saint Peter International College

Da ich in einer praktizierenden katholischen Familie aufgewachsen bin, war der Glaube ein ganz normaler Teil des Alltags. Die Kindheitserinnerung, die als bedeutsamste herausragt, ist der Tag meiner ersten Kommunion. Ich erinnere mich an die Monate der Vorbereitung auf den Empfang des Sakraments, geleitet von einem sehr heiligen und freundlichen Pfarrer, daran, wie ich am Tag selbst von meinem Großvater in die Traditionen des Glaubens eingewiesen wurde, wie wir an der Kirche ankamen, die überquoll von Menschen und wie mein Vater eine große Rosette mit einer Medaille vom Heiligsten Sakrament an meiner Brust befestigte. Zudem war es nicht nur ein unglaublich besonderer Tag hinsichtlich des Glaubens, es war auch der Tag, an dem ich an meinem ersten Pfadfindercamp teilnahm und meine erste Uhr bekam. All diese Dinge machten mich unglaublich stolz.Die Feierlichkeit dieses Tages wurde durch die Geschenke erhöht, aber die Tatsache, dass ich auch am Pfadfindercamp teilnehmen konnte, wurde durch die Unterstützung meiner Eltern ermöglicht.

Der Großvater als wichtiges männliches Vorbild

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All das hat mein Glaubensleben geformt. Es hat meinen Glauben bestärkt, dass das Sakrament das tägliche Leben unterstützt und aufbaut und dass es wichtig für uns ist, in die Welt hinauszugehen und diesen Glauben als starke Katholiken zu leben. Diese Erinnerung, die den Reichtum des Glaubens mit ganz gewöhnlichen Dingen verschmelzt, fasst meinen Zugang zum Katholizismus zusammen: Das Sakrament zum Zentrum meines Lebens zu machen.

Die Eltern beteten täglich zusammen

Wenn ich darüber nachdenke, was meinen Glauben während meiner Jugend gestärkt und genährt hat, würde ich zunächst auf meinen Großvater verweisen. Er hatte den direktesten Einfluss auf meinen Glauben. Ich bin viel mit ihm gewandert, und wir haben in den Bergen und an den Seen in der Nähe meiner Heimat viele Abenteuer erlebt. Er ist ein sehr einprägsames Beispiel dafür, was ein katholischer Mann ist. Sein Einfluss auf mich dauert bis zum heutigen Tag an und ist eine konstante Erinnerung daran, dass es in unserer Familie, um es mit seinen Worten zu sagen, viele positive männliche Rollenmodelle für ein Leben aus dem Glauben gibt. Die Schlichtheit, mit der er sich dem Rosenkranzgebet widmete, und seine persönliche Hingabe an das Heiligste Sakrament leuchtete in den Entscheidungen auf, die er in seinem Leben zu treffen hatte. Er hat mir gezeigt, dass es nicht funktioniert, den Glauben vom Leben zu trennen und dass man, damit er wirklich und lebendig ist, hart arbeiten muss.

Das Beispiel meiner Mutter, die eine große Liebe zu Unserer Lieben Frau hatte, ist ein zweiter Einfluss, einer, der unerschütterlich und entschieden in der Konfrontation mit großen Herausforderungen ist. Während meines ganzen Lebens hat sie, gemeinsam mit meinem Vater, ein stilles Beispiel des Glaubens gegeben. Jeden Tag haben sie mit uns den Rosenkranz gebetet und uns so herausgefordert, im Üben des Glaubens treu zu bleiben und uns so, Tag für Tag, eine unerschütterliche Unterstützung gegeben.

Jackson wünscht sich, schon früher das philosophische Denken kennen gelernt zu haben

Neben diesen wenigen Beispielen gab es immer den Einfluss von positiven Lehrern, guten Pfarrern und einem generellen Sinn für die katholische Identität in meiner Familie und Schule.
Die formelle religiöse Erziehung durch die Schule wurde zuhause verstärkt. Und ich hatte in jedem Stadium ohne Schwierigkeiten Zugang zum Glauben. Als ich ein Kind war, wurde mein Glaube genährt. Als Jugendlicher empfing ich positive Anleitung zum Glauben und erlebte beide Formen der römischen Liturgie. Und als junger Mann fühlte ich mich stark genug, um über den Glauben zu sprechen, auf Kritik zu antworten und mich mit nicht-katholischen Freunden über Fragen der Moral und des Glaubens auseinanderzusetzen. Philosophie kam erst dazu, als ich an der Universität studierte und ich denke, wenn ich diese Grundlegung früher gehabt hätte, wäre ich in der Lage gewesen, die säkularen Debatten über Religion tiefer zu verstehen.

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Nun inspiriert das besondere Umfeld des Saint Peter International College, dessen Direktor ich bin, meinen Glauben. Saint Peter liegt in einem sehr katholischen Dorf, einem das mit zwei lokalen Heiligen verbunden ist: dem heiligen Hubert Fournet und der heiligen Jeanne-Élisabeth Bichier des Âges.
Die Kapelle des Colleges wurde auf den Fundamenten einer alten Kapelle mit einer wunderbaren Statue Unserer Lieben Frau aus dem 16. Jahrhundert errichtet. Die Heiligen und die Rolle der Heiligen Jungfrau Maria sind lebendige und wahre Erinnerungen unseres Glaubens und prägen einen Teil unseres täglichen Lebens. Für mich persönlich ist die Heilige Messe der Zugang zu den Sakramenten und das einfache Nachtgebet in meiner Führungsrolle als Schulleiter ein guter Anker während des Tages.

Erziehung ist mehr als akademisches Programm

Nachdem ich die meiste Zeit meines Lebens in sehr schnelllebigen Unternehmen gearbeitet habe, ist es so bereichernd, an verschiedenen Punkten des Tages anzuhalten, still zu sein und Raum für das Gebet zu haben.
Man gelangt schnell dahin, zu erwarten, dass diese geschützten Zeiten während des Tages da sind und es ist ein großes Privileg. Und es ist außerdem eine Erfahrung, die einen demütig werden lässt, wenn man eine kleine Rolle in der persönlichen und spirituellen Entwicklung der jungen Männer spielen darf, die unserer Sorge anvertraut sind.

Dieses Wachsen im Glauben miterleben zu dürfen, inspiriert meinen Glauben und den meiner Kollegen. Die Herangehensweise, die wir in Saint Peter haben, ist wirklich katholisch. Um es einfach zu sagen: Wir folgen der Lehre der Kirche, indem wir das Verständnis für und die Liebe zum Glauben voranbringen. Erziehung ist nicht nur, im Klassenraum ein akademisches Programm anzubieten.
Wir gehen darüber hinaus und vermitteln unseren Schülern das Handwerkszeug, das sie brauchen, um selbstbewusst und gut auf die Herausforderungen zu reagieren, die ihnen unvermeidlich begegnen werden, wenn sie zur Universität gehen. Im Verlauf des akademischen Jahres wird ein positiver Wandel in der ganzen Schulgemeinschaft deutlich. Der tägliche Empfang der Sakramente, die Konfrontation mit den Realitäten des Lebens und wie unser katholischer Glaube uns hilft, unsere Handlungen zu leiten und das vielfach unterschätzte Gebetsleben, das alle miteinander teilen, führt zu spirituellem Wachstum. Die kleinen Interaktionen in den ganz gewöhnlichen Aspekten des täglichen Lebens bringen oft bleibende Ergebnisse für beide: die Schüler und die Lehrer.


Aufgezeichnet von Barbara Stühlmeyer

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