Wochenheiliger

Der heilige Richard von Chichester: Der pilgernde Bischof

Der Heilige verspürte erst spät im Leben den Ruf, Priester zu werden. Er setzte sich für die Einhaltung des Zölibats ein, Korruption unter Priestern kritisierte er scharf. Als er zum Bischof gewählt wurde, lehnte der König die Wahl ab.
Statue des Heiligen Richard von Chichester vor der Kathedrale in Chichester
Foto: imago stock&people (imago stock&people) | Als Richard zum Bischof von Chichester gewählt wurde, stimmte König Heinrich III. der Ernennung nicht zu. Richard bereiste daher seine gesamte Diözese zu Fuß.

Richard von Chichester ist ein klassisches Beispiel für die spiralige Biografie eines Spätberufenen. Geboren im Jahr 1197 in Burford nahe dem heutigen Droitwich wurde er früh Waise. Der von seinem Bruder arrangierten Ehe widersprach er und schlug seinem Bruder vor, die von ihm ausgewählte adelige Frau selbst zu ehelichen, was dieser auch tat.

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Setzte sich für den Vorrang des Kirchenrechts bei der Rechtsprechung
gegenüber Klerikern ein

Eine Zeit lang arbeitete Richard auf den Gütern seines Bruders, verzichtete dann aber auf sein Erbe und die damit verbundenen Verpflichtungen, entschied sich für eine universitäre Karriere und studierte in Oxford, Paris, Bologna, wo er sich auf kanonisches Recht spezialisierte. Als sein Mentor, Edmund von Abingdon, Erzbischof von Canterbury wurde, ernannte er Richard 1237 zum Kanzler der Diözese, was dem Amt des Offizials entspricht, in England aber auch Funktionen des Generalvikars einschloss.

Richard teilte die Ideale seines Bischofs hinsichtlich der notwendigen Reform des Klerus und setzte sich wie zuvor schon Thomas Becket und später Thomas Morus für den Vorrang des Kirchenrechts vor dem weltlichen Recht bei der Rechtsprechung gegenüber Klerikern ein. Als Erzbischof Edmund deswegen ins Exil gehen musste, schloss Richard sich ihm an und blieb bis zu seinem Tod im Jahr 1240 bei ihm. Erst dann, mit 43 Jahren, entschloss er sich, Priester zu werden und studierte für zwei Jahre Theologie bei den damals besonders innovativen und auf Verkündigung konzentrierten Dominikanern von Orleans.

Wahl Richards zum Bischof von König Heinrich III. abgelehnt

Nach seiner Rückkehr nach England ging er zunächst in den Pfarrdienst, wurde vom neuen Erzbischof von Canterbury aber wieder als Kanzler eingesetzt, was zeigt, dass dieses Amt im Mittelalter sowohl mit Laien als auch mit Klerikern besetzt wurde. Als er 1244 zum Bischof von Chichester gewählt wurde, stimmte Heinrich III. ebenso wie ein Teil des Domkapitels der Ernennung nicht zu. Erzbischof Bonifatius von Canterbury seinerseits verweigerte die Weihe des vom König bestimmten Kandidaten und beide Seiten appellierten an den Papst, der Richards Wahl bestätigte.

Der König verbot darauf jedem Untertanen, Richard zu beherbergen oder zu verköstigen, eine juristische Maßnahme, der die Reichsacht vergleichbar ist. Aber der Pfarrer von Tarring nahm seinen Bischof auf, der von dort aus seine gesamte Diözese zu Fuß bereiste und während seiner freien Stunden in Tarring Feigen züchtete. Richard lebte äußerst asketisch. Seit seiner Studienzeit in Oxford verzichtete er auf Fleisch und trug als Priester stets ein härenes Hemd. Korruption unter Priestern oder eine nachlässige und unaufmerksame Feier der heiligen Messe kritisierte er scharf.

Kämpfte für strikte Einhaltung des Zölibats

Die dominikanische Lebensform und die Konzentration auf die Verkündigung des Glaubens, die ihn während seines Studiums in Orleans so beeindruckt hatten, blieben für ihn vorbildhaft. Nachdem die vom König beschlagnahmten Güter 1246 wieder zurückerstattet wurden, konnte Richard sein Bischofsamt ungehindert ausüben. Sein Hauptanliegen war die Reform des Klerus, die strikte Einhaltung des Zölibats, für die er klare kirchenrechtliche Voraussetzungen schuf. Richard starb am 3. April 1253 in Dover.

An seinem Schrein in der Kathedrale von Chichester ereigneten sich zahlreiche Wunder. 1538 wurde er während der Herrschaft Heinrichs VIII. auf Befehl von Thomas Cromwell geplündert und zerstört. Richard ist Patron von Sussex und Südengland. In der anglikanischen Kirche wird sein Fest am 16. Juni begangen. Von ihm ist das Gebet überliefert: „Ich danke dir, mein Herr Jesus Christus, für all die Hilfe, die du mir gegeben hat, für alle Schmerzen und Beleidigungen, die du für mich ertragen hast. Oh, barmherzigster Erlöser, Freund und Bruder, möge ich dich immer klarer erkennen, dich immer inniger lieben und dir immer treuer nachfolgen.“

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