Würzburg

Den Synodalen Weg aussetzen?

Ein Mitglied der deutschen Synodalversammlung schlägt vor, den Synodalen Weg auszusetzen. Die Bistümer reagieren zögerlich auf den Vorschlag.
Online-Konferenz des Synodalen Weges vom 05. Februar 2021
Foto: Julia Steinbrecht (KNA) | Der Synodale Weg hat viele Stimmen und Meinungen, die viele verwirren. Die Weltsynode könnte Klarheit bringen.

Die Moraltheologin Katharina Westerhorstmann setzte sich kürzlich in einem Interview mit Vatican News dafür ein, den Synodalen Weg in Deutschland vorerst auszusetzen. Grund für die Initiative der Professorin, die zu den von der Deutschen Bischofskonferenz ernannten Mitgliedern der Synodalversammlung gehört, ist die Entscheidung von Papst Franziskus, einen weltweiten synodalen Prozess in Gang zu bringen, der im Oktober starten soll. Bis zu diesem Zeitpunkt in Deutschland eine Pause einzulegen, sieht Westerhorstmann als Chance, die von Kardinal Walter Kasper benannten falschen Weichenstellungen zu stoppen und einen Neuanfang zu wagen, der die katholische Kirche in Deutschland wieder in die Weltkirche einbindet.

Wie stehen die deutschen Bischöfe zu dem Vorschlag?

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Wie stehen die deutschen Bischöfe zu dem Vorstoß der Moraltheologin? Bischof Bertram Meyer verwies in seiner Predigt bei der Vollversammlung des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Augsburg am 18. Juni auf die notwendige Vernetzung der Katholiken weltweit, die unerlässliche Grundhaltung des Zuhörens und die Tugend der Geduld: „Warten wir ab, welche Auswirkungen der Impuls des Papstes hat, der für die ganze Welt wünscht, sich synodal aufzumachen“, sagte Meyer und fuhr fort: „Im Hinblick auf den Synodalen Weg in Deutschland schlage ich vor, nichts zu überstürzen, sondern uns einzuklinken in den weltweiten synodalen Prozess, der bis 2023 dauern soll. … Hektik ist kein guter geistlicher Rat“, betonte Meyer und warnte vor der bekannten Fehlhaltung, die davon überzeugt sei, dass am deutschen Wesen die Welt genesen solle. „Ohne Zweifel brauchen wir als Kirche insgesamt und als einzelne Christen wieder mehr Profil“, konstatierte der Augsburger Bischof, warnte trotz aller notwendigen Klarheit in der Auseinandersetzung aber vor einer Radikalisierung der Sprache und setzte den Weg der Kirche in Deutschland und weltweit in Perspektive: „Über unserem gemeinsamen Weg waltet kein willkürliches Schicksal. Es ist der Herr selbst, der mit uns geht.“

Hamburg und Osnabrück wollen Synodalen Weg fortsetzen

Eindeutige Positionierungen gegen den Vorschlag von Frau Westerhorstmann kamen aus dem Erzbistum Hamburg und dem Bistum Osnabrück. Erzbischof Hesse konstatierte: „Der synodale Weg läuft – und er läuft weiter.“ Der stellvertretende Pressesprecher des Bistums Osnabrück teilte mit: „Wir halten es für sinnvoll, den Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland fortzusetzen und ihn mit dem von Papst Franziskus angestoßenen weltweiten Synodalen Weg zu vernetzen. Der Passauer Bischof Stefan Oster ließ durch seine Pressesprecherin mitteilen, er wolle sich zunächst mit seinen Mitbrüdern im Bischofsamt beraten, wie eine Umsetzung des vom Papst angeregten Prozesses in Deutschland möglich ist. Die Paderborner Bistumsleitung teilte mit, dass man einzelne inhaltliche Vorschläge zum Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland nicht kommentiere und verwies auf die inhaltlich dafür Verantwortlichen, die Synodalversammlung und die weiteren Organe des Synodalen Wegs.

 

Auch das ZdK sieht keinen Anlass zur Unterbrechung

Die Pressesprecher der Erzbistümer Bamberg und Berlin sowie der Bistümer Eichstätt, Essen und Köln gaben an, dass es keine Stellungnahmen zur Initiative von Frau Westerhorstmann geben werde. Von den anderen deutschen Bistümern lag zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses keine Stellungnahme vor.
Die Sprecherin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Britta Baas, teilte auf Anfrage mit, dass das ZdK keinen Anlass sähe, den einmal eingeschlagenen Synodalen Weg in Deutschland auszusetzen oder zu beenden und fuhr fort: „Auf Bitten der deutschen Bischöfe hat das ZdK sich 2019 bereit erklärt, gemeinsam diesen Weg zu gehen. Wir halten unser Wort. In vier Foren wird konzentriert und ergebnisorientiert an wichtigen Themenfeldern gearbeitet. Es geht um die die Wahrnehmung von Macht, um eine zeitgemäße Sexualethik und die Vielfalt von Lebensformen, um die Rolle der Priester und um die Teilhabe der Frauen. Die bereits geleistete Arbeit ist enorm, sie dient der Weltkirche. Das ZdK begrüßt ausdrücklich die Ankündigung des Papstes, eine Weltbischofssynode einzuberufen und dafür Befragungen in den Bistümern voranzustellen. Der Synodale Weg in Deutschland ist dadurch nicht obsolet geworden.“

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