Kommentar um "5 vor 12"

Das Rätsel um Kardinal Becciu

Was eigentlich ist das Vergehen des angeklagten Kardinals? Es gibt allerlei offene Fragen - die Wahrheit muss ans Licht. Ein Kommentar.
Kardinal Angelo Becciu
Foto: Lorenzo Carnero via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Es war eine Enthüllungsgeschichte des Wochenmagazins „L'Espresso“, das dem links-liberalen Blatt „La Repubblica“ beiliegt, die den ehemaligen Präfekten für die Heiligsprechungen, Kardinal Becciu, in Misskredit ...

Es wäre kaum zu ertragen gewesen, wenn es nach der demütigenden Entfernung von Kardinal Giovanni Angelo Becciu aus dem Leben der Kurie im September vergangenen Jahres nicht auch ein ordentliches Verfahren geben würde, das die schweren Vorwürfe des Papstes gegen seinen ehemaligen Vertrauten erhärtet und dessen Amtsenthebung – einschließlich des verlorenen Rechts, in einem kommenden Konklave mitzuwählen – verständlich macht. Immerhin war es eine Enthüllungsgeschichte des Wochenmagazins „L'Espresso“, das dem links-liberalen Blatt „La Repubblica“ beiliegt, die den ehemaligen Präfekten für die Heiligsprechungen und vormaligen Substituten in Misskredit gebracht hatte.

Es ist gut, dass der Prozess stattfindet

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Ohne eine wirkliche Aufklärung wäre der Rauswurf des Kardinals so etwas wie ein Willkürakt erschienen und geblieben. Jetzt also der Prozess. Und das ist gut so.

Doch es fällt auf, dass Becciu von 2014 bis 2018 als Leiter der ersten Sektion des Staatssekretariats die Investition von 250 Millionen Euro in die ominöse Londoner Immobilie verantwortet hat, doch diese Anlage als solche, auch wenn sie sich später als verfehlt erweisen sollte, noch kein Verbrechen ist.
Erst unter dem Nachfolger, Erzbischof Edgar Pena Parra, begann das Nachschießen von Geld, um die Investition zu retten, und die dubiosen Finanzjongleure, die jetzt angeklagt sind, nutzten den Vatikan dabei schamlos aus.

Schließlich war es eine Geldforderung des Substituten Pena Parra an das vatikanische Geldinstitut IOR, die die Ermittler aufmerksam werden ließ und im Oktober 2019 zu jener spektakulären Razzia im Staatssekretariat führte, womit der Skandal öffentlich wurde. Pena Parra ist aber nicht angeklagt. Also: Offene Fragen ohne Ende. Und ein weiterer Grund, warum dieser Prozess jetzt sein muss. Auch wenn das für den Vatikan jetzt sehr bitter ist. Aber die ganze Wahrheit muss ans Licht.

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