Vatikanstadt

Auch Päpste sind Menschen

Bergoglios Ängste und Ratzingers fanatische Freunde:  Interviews über Neurosen und ein gutes Gewissen. 
Zwei Päpste
Foto: imago stock&people (imago stock&people) | "Es gibt keine zwei Päpste. Papst ist nur einer", sagt Papst em. Benedikt XVI. im Interview. Im Bild: Begegnung des Emeritus mit dem amtierenden Papst.

Ein regelrechtes Interview war es nicht, das der emeritierte Papst dem "Corriere della Sera" gegeben hat. Aber immerhin durfte Chefkorrespondent Massimo Franco von seinem Besuch im Klösterchen genau acht Jahre nach dem Rücktritt von Benedikt XVI. einige Sätze mitnehmen, die der Emeritus kaum vernehmbar sprach: "Es gibt keine zwei Päpste. Papst ist nur einer", flüsterte er, wobei er aber mit der Handfläche leicht auf die Armlehne schlug, um sein Diktum zu unterstreichen.

 

"Einige meiner etwas,
fanatischen  Freunde
sind immer noch verärgert"

Bewußte Entscheidung

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Und es folgte die längste Bemerkung des alt gewordenen Papstes: "Es war eine schwierige Entscheidung. Aber ich habe sie ganz bewusst getroffen, und ich glaube, ich habe es gut gemacht", sagte er, so als würde ihn sein Rücktritt immer noch beschäftigen. "Einige meiner etwas ,fanatischen  Freunde sind immer noch verärgert, sie haben meine Entscheidung nicht akzeptieren wollen. Ich denke an die Verschwörungstheorien, denen sie folgten: Jemand hat gesagt, es war wegen des Vatileaks-Skandals, ein anderer wegen eines Komplotts der Homo-Lobby, wieder ein anderer wegen des Falls des konservativen Lefebvrianer-Theologen Richard Williamson.

Ein Mensch, der einmal Papst war

Sie wollen nicht glauben, dass es eine bewusst getroffene Entscheidung war. Aber mein Gewissen ist rein." Der Rest waren einzelne Bemerkungen. "Hoffen wir, dass Mario Draghi die Krise (Italiens) meistert", oder die Irak-Reise von Franziskus finde in "einem sehr schwierigen Augenblick" statt und sei gefährlich   er begleite sie mit seinem Gebet. Und Joe Biden sei ein gläubiger Katholik, "und persönlich ist er gegen die Abtreibung". Aber als Präsident "liegt er auf der Linie der Demokraten", und bei der Gender-Politik "haben wir noch nicht verstanden, was seine Position ist". Das sind nicht mehr die analytischen Überlegungen, wie er sie als Emeritus noch Peter Seewald für dessen "Letzte Gespräche" mitgegeben hat. Tatsächlich. Jetzt spricht Benedikt wie ein Mensch, der einmal Papst war, auch wenn er sich "papa emerito" nennt. 

Aus Santa Marta

Noch ein weiteres Papst-Interview machte in diesen Tagen die Runde, das der Amtierende, Franziskus, dem argentinischen Journalisten und Mediziner Nestro Castor gegeben hat   schon im Februar 2019 in Santa Marta. Und zwar für das Buch "Die Gesundheit der Päpste", das erst jetzt erscheint. Und das entsprechende Interview mit Franziskus hat nun die argentinische Zeitung "La Nac on" veröffentlicht. Es geht also um Gesundheit.

Angstzustände

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Und zwar ganz persönlich um die von Jorge Mario Bergoglio, die psychische nicht nur eingeschlossen, sondern ganz explizit um sie. Der Papst, der nach Amtsantritt seinen Verbleib in Santa Marta und seine Weigerung, die päpstliche Wohnung im Apostolischen Palast zu beziehen, mit psychologischen Gründen erklärte, hat mit Angstzuständen zu kämpfen. Als er Jesuiten-Provinzial war, während der Militärdiktatur, habe er Menschen in ein Versteck bringen müssen, um sie außer Landes zu bringen und ihr Leben zu retten, vorbei an Militärposten. "Ich musste mit Situationen umgehen, von denen ich nicht wusste, wie ich damit umgehen sollte."  

Psychatrische Behandlung

Damals sei er ein halbes Jahr bei einer Psychiaterin in Behandlung gewesen. Sie habe ihm geholfen, "mit den Ängsten dieser Zeit umzugehen". Er beschrieb die damaligen Zustände als "ängstliche Neurose" und das Gefühl, "alles jetzt tun zu wollen". So habe er gelernt, mit Ängsten anders umzugehen. "Wenn ich mit einer Situation konfrontiert bin oder mich einem Problem stellen muss, das mir Angst macht, bremse ich." Eine Methode sei, Bach zu hören. "Das beruhigt mich und hilft mir, Probleme besser zu analysieren. Ich gestehe, dass ich es im Laufe der Jahre geschafft habe, den Eingang der Angst in meinen Geist zu versperren." Und entspannt fügte er am Ende an, er werde als Papst sterben, "ob im Amt oder emeritiert. Und in Rom. Ich werde nicht zurück nach Argentinien gehen." Wird es im Vatikan bald zwei Emeriti geben? 

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