Rimini

80.000 Personen beim 42. Treffen von "Comunione e Liberazione"

Der Papst sendet eine Grußbotschaft und Italiens Staatspräsident eine Rede vor Ort: Beim Meeting der Gemeinschaft „Comunione e Liberazione“ in Rimini füllten sich wieder die Podien.
Treffen von Comunione e Liberazione
Foto: imago stock&people (imago stock&people) | Zwar war der Papst bei dem 42. Treffen von Comunione e Liberazione nicht live in Rimini - wie hier 2015 für das 60-jährige Jubiläum der Gemeinschaft - doch dafür schickte er ein langes Grußwort.

Der „Wiederbeginn“, ein „Neustart“ nach den Stillständen sollte das 42. „Meeting für die Freundschaft unter den Völkern“ von Comunione e Liberazione in Rimini sein. Während sich das katholische Kulturtreffen im Sommer vergangenen Jahres noch weitgehend in das Internet verlagert hatte und per Live-Streams zu verfolgen war, öffneten sich die Messehallen der Adria-Stadt jetzt auch wieder für Besucher: Etwa 80 000 „Präsenzen“ zählten die Veranstalter, eine Zahl, die sich durch die Addition der Tagesgäste ergab, die bis zur vergangenen Woche die Ausstellungen des Meetings besuchten, die Konzerte auf zentralen Plätzen Riminis oder die Vorträge und Podiumsdiskussionen in den Messehallen verfolgten. Aber immer noch 250 000 Personen waren über digitale Kanäle zugeschaltet. Ganz leibhaftig waren wieder 1 700 freiwillige Helfer in Rimini dabei, die sich von den Parkplätzen über die Gastronomie bis hin zur Begleitung der prominenten Gäste über das Areal verteilten.

Der Papst schickt langes Grußwort

Lesen Sie auch:

Vom „Neustart“ sprach auch Papst Franziskus in seinem langen und ausgearbeiteten Grußwort, das zu Beginn des Treffens verlesen wurde. Er setzte es in Bezug zu dem Motto des diesjährigen Treffens: „Der gewählte Titel – Der Mut, ,Ich‘ zu sagen –, zitiert aus dem Tagebuch des dänischen Philosophen Søren Kierkegaard, ist gerade in dem Augenblick bezeichnend, in dem es darum geht, mit dem richtigen Fuß wieder zu beginnen, um die Gelegenheit nicht zu vertun, die sich nach der Krise der Pandemie ergibt. ,Neustart‘ ist das Wort der Stunde. Aber der stellt sich nicht von alleine ein, weil jeder menschlichen Initiative die Freiheit innewohnt.“

Die Pandemie habe zwar einen physischen Abstand zur Folge gehabt, erläuterte der Papst. Aber sie habe die Person in den Mittelpunkt gerückt, das Ich eines jeden Einzelnen, „und dabei in vielen Fällen ein Wiedererwachen der grundlegenden Fragen über die Bedeutung der Existenz und des Nutzens des Lebens provoziert, Fragen, die seit langer Zeit eingeschlafen oder, noch schlimmer, zensiert waren“. Damit sei auch, so Franziskus, die persönliche Verantwortung ins Spiel gekommen. Viele hätten das in unterschiedlichen Situationen bezeugt. „Angesichts der Krankheit oder des Schmerzes, bei dem Auftauchen eines Bedürfnisses haben sich viele Personen nicht zurückgezogen, sondern gesagt: ,Da bin ich‘.“

Staatspräsident Mattarella ist live vor Ort

Der erste Redner war Staatspräsident Sergio Mattarella. Vom römischen Quirinalspalast aus zugeschaltet hatte er, der praktizierende Katholik, keine Schwierigkeiten mit dem Bekenntnis, dass der Mut, „Ich“ zu sagen, für den Gläubigen „der Schlüssel der Beziehung zu Gott“ sei. Aber Mattarella sprach nicht als Theologe, sondern als Präsident vor dem Hintergrund der schwierigen Zeit der Corona-Krise, die die Verantwortung eines jeden Einzelnen herausfordere, zusammen mit den anderen die Folgen der Pandemie zu überwinden: „Man gewinnt zusammen, oder man verliert zusammen. Die Krise des Virus bestätigt das.“

Kein Ich ohne ein Du

Als Theologe hingegen sprach Javier Prades, zurzeit Rektor der Universität San Damaso in Madrid. Ihm ging es um das Thema des diesjährigen Meetings, um das Ich, das man nur sagen könne, wenn es auch ein Du gebe. Tatsächlich sind „Ich und „Du“ zwei klassische Themen des Meetings, die sich in vielerlei Varianten durch die Vergangenheit des Treffens zogen. Mattarella hatte daran erinnert, dass 2016, als er schon einmal in Rimini sprach, „Du bist ein Gut für mich“ das Thema gewesen sei.

Prades verband „Ich“ und „Du“ und machte sie im Kern der Heiligen Schriften fest: „Um ,Ich‘ sagen zu können, braucht es ein ,Du‘, und die Individualität ist von Gott geschaffen, dem sich Abraham zu Beginn der Zeiten anvertraut, indem er so die Geburt des Ichs einleitet. Das heißt die geschichtliche Art und Weise, mit der Gott wirkt, beginnt mit dem Ruf des Abraham. Und die Gestalt in der Geschichte, in der sich die Bestätigung des Ichs im vollsten Umfang widerspiegelt, ist Jesus.“

Unser Sein entspringt aus der Liebe Gottes

Jesus habe sich dem Gesetz Israels gegenübergestellt, wobei er klargestellt habe, dass er nichts aus sich selbst heraus tue, sondern nur deswegen, weil der Vater es wolle, Gott. „Diejenigen“, so Prades weiter, „die zu Jesus gekommen seien, seien wie Er Söhne geworden: Sie wurden Söhne des Sohns und haben damit ein Selbstbewusstsein und eine Freiheit erworben, die sie über jede Vorstellung hinaus zu Protagonisten hat werden lassen. So kommt es, dass das Wissen darum, dass unser Sein der Liebe Gottes entspringt, das Bewusstsein schafft, auf diese Liebe antworten zu müssen – und das ist der Ursprung unserer Verantwortlichkeit.“

Podiumsdiskussion mit bedeutenden Politikern

Wenn das Meeting in die Messehallen von Rimini einlädt, dann sind die Politiker nicht weit. Nachdem schon Außenminister Luigi Di Maio seinen Auftritt hatte und seine Sicht des Desasters in Afghanistan mit der Einschätzung verband, dass die G20 der richtige multilaterale Ort seien, um das internationale Szenario neu auszutarieren, kamen weitere Politiker in einem Aufwasch bei einer Podiumsdiskussion zusammen, wo sie dann die Vielfalt des politischen Spektrums repräsentierten. Da saßen Giuseppe Conte, gewesener Ministerpräsident und heute Chef der Bewegung der fünf Sterne, oder Antonio Tajani von der Berlusconi-Partei an einem Tisch mit Enrico Letta, Vorsitzender des „Partito democratico“, oder Matteo Salvini von der Lega und weiteren Politikern. Nur Giorgia Meloni von der immer stärker werdenden Rechtspartei „Fratelli d´talia“ war per Video zugeschaltet. Und so stritten sie denn zweieinhalb Stunden, ohne allerdings die in Italien üblichen Anathemata oder Bannflüche auszusprechen. Hauptsache, es gibt überhaupt eine Beziehung: Auch ein Politiker-Ich braucht ein Politiker-Du.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Themen & Autoren
Guido Horst Antonio Tajani Außenminister Covid-19-Pandemie Debakel Enrico Letta G-20 Giorgia Meloni Gläubige Katholikinnen und Katholiken Matteo Salvini Pandemien Papst Franziskus Päpste Rhetoriker Sergio Mattarella Staatspräsidenten Søren Aabye Kierkegaard Theologinnen und Theologen

Kirche