Weiterhin heftiger Schlagabtausch

Pius-Brüder weihen Subdiakone und greifen deutsche Bischöfe ein weiteres Mal an

Econe/Stuttgart (DT/KNA) Der Generalobere der traditionalistischen Pius-Bruderschaft, Bernard Fellay, hat am Samstag 19 Männer zu Subdiakonen geweiht. Die umstrittene Weihehandlung am Hauptsitz der Bruderschaft im schweizerischen Econe hatte im Vorfeld zu einem heftigen Schlagabtausch zwischen deren Leitung und der Deutschen Bischofskonferenz geführt.

Das Subdiakonat hat zwar in der katholischen Kirche traditionell nur einen niedrigen Rang unter den Weihestufen. Dennoch gilt die Frage von Weihehandlungen als Gradmesser für die Kooperationsbereitschaft der Bruderschaft mit Rom. Fellay kritisierte zu Beginn des Gottesdienstes Teile der katholischen Kirche scharf. Einige Kirchenvertreter wollten in dieser Feier einen Akt der Rebellion sehen, so Fellay. Mit der Aufhebung der Exkommunikation von vier Bischöfen der Priesterbruderschaft habe Rom gegenüber den Pius-Brüdern aber ein Zeichen gesetzt. Fellay hob hervor, er bedauere es, wie manche Bischöfe in den vergangenen Monaten den Papst behandelt hätten. Zugleich erklärte er, unter anderem wegen der neuen Liturgie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil bleibe aber zwischen der katholischen Kirche und der Pius-Bruderschaft eine Distanz. An der Feier nahmen neben dem Generaloberen auch der traditionalistische Bischof Tissier de Mallerais sowie zahlreiche Priester der Bruderschaft teil. Die vom Vatikan nicht anerkannte Gemeinschaft hatte die Weihen ursprünglich im Zaitzkofen im Bistum Regensburg durchführen wollen. Zu Wochenbeginn hatte die Pius-Bruderschaft dann nach Protesten deutscher Bischöfe mitgeteilt, als „Geste der Beruhigung“ weiche man nun nach Econe aus. Diese Erklärung war verbunden mit heftigen Angriffen auf die deutschen Bischöfe. Ihnen wirft die Priesterbruderschaft Lügen und ein mangelhaftes Verständnis der katholischen Lehre vor. Selbstverständlich bekenne sich die Pius-Bruderschaft zum Grundgesetz der Bundesrepublik und verwerfe „mit ganzem Herzen“ die monströse Idee einer Staatskirche, erklärte der deutsche Distriktobere Franz Schmidberger am Donnerstag in Stuttgart. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) verteidigte die Bischöfe.

Schmidberger wies damit Äußerungen des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, zurück. Dieser hatte am Mittwoch der Pius-Bruderschaft vorgeworfen, „unser Verständnis von Demokratie“ anzugreifen und herabzusetzen. „Die Vorstellung einer katholischen Staatskirche ist für uns überholt“, so der Erzbischof. In seiner Erklärung übt Schmidberger scharfe Kritik an dem Bischofskonferenz-Vorsitzenden: „Sollte diese Äußerung tatsächlich gefallen sein, so legt der Erzbischof damit bewusst oder unbewusst falsches Zeugnis ab.“ Schmidberger weiter: „Die Treue zur verfassungsmäßigen Ordnung, so wie sie zum Beispiel im vom Heiligen Stuhl genehmigten und vom Konkordat vorgesehenen Treueeid für die Bischöfe zum Ausdruck kommt, anerkennen wir selbstredend, wie sie jeder gute Katholik anerkennt.“ Die Bruderschaft sei genauso wenig demokratieherabsetzend, „wie es die Katholiken vor dem II. Vatikanum waren“. Der Distriktobere warf der katholischen Kirche in Deutschland vor, die Trennung von Staat und Kirche selbst nicht ausreichend zu beachten. Die katholische Kirche sei eine „vollkommene Gesellschaft“ und müsse daher immer frei sein für ihren göttlichen Auftrag. „Was es bedeuten kann, wenn die Kirche vom Staat instrumentalisiert wird, sehen wir an dem furchtbaren Versagen der deutschen Bischöfe im Abtreibungsschein-Skandal beziehungsweise der Donum-vitae-Debatte“, so Schmidberger. Deswegen begrüße die Bruderschaft die Debatte um die Kirchensteuer und die Staatsbesoldung der Bischöfe. „Wer im Glashaus sitzt, sollte eben nicht mit Steinen werfen“, so Schmidberger. Was die Priesterbruderschaft nicht annehmen könne, seien falsche Sozial- und Moralprinzipien, „die vom Lehramt der Päpste und der Tradition immer verworfen wurden“. Diese falschen Grundsätze müsse jeder Katholik verwerfen, wenn er in Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen wolle, „auch jeder deutsche Bischof“, betonte Schmidberger. „Wir erwarten von den deutschen Bischöfen ein klares Bekenntnis zum sozialen Königtum unseres Herrn Jesus Christus, wie es von Papst Pius XII. und seinen Vorgängern allen Katholiken zur Pflicht gemacht wurde“, erklärte der Distriktobere. In den vergangenen Monaten hatten Politikwissenschaftler die Pius-Bruderschaft als verfassungsfeindlich bezeichnet. So verwies das langjährige Mitglied im Bundesvorstand der CDU, Gerd Langguth, auf gesellschaftspolitische Positionen von Schmidberger, die er in den „Grundsätzen einer christlichen Gesellschaftsordnung“ niedergelegt habe. Darin befürworte Schmidberger etwa die Todesstrafe, lehne Parteien, Gewerkschaften und parlamentarisch-repräsentative Demokratie ab und wolle eine gesellschaftliche Einheitsmoral durchsetzen, die Empfängnisverhütung ebenso verbiete wie Homosexualität, Gotteslästerung und Freimaurerlogen. In letzter Konsequenz verleugneten die Pius-Brüder die Autorität des staatlichen Rechts und folgten dem Bild einer Gottesherrschaft, so Langguth. Das ZdK nannte die jüngsten Äußerungen der Pius-Brüder skandalös. Erneut fehle ein klares Bekenntnis zur Glaubens- und Gewissensfreiheit, „die das katholische Verständnis des demokratischen Rechtsstaates wesentlich bestimmen“, erklärte Präsident Hans Joachim Meyer in Bonn. Er begrüßte, „dass Erzbischof Zollitsch mit aller Entschiedenheit die freiheitsfeindliche und antidemokratische Haltung der Pius-Brüder zur Sprache bringt“.

Nach Auskunft der Bruderschaft sollen alle anderen Weihehandlungen, darunter für Ende Juni angesetzte Priesterweihen, wie geplant stattfinden. Die Frage, ob die Pius-Bruderschaft Weihen vornimmt, ist innerkirchlich von großer Bedeutung. Der Regens des Priesterseminars der Bruderschaft in Zaitzkofen, Stefan Frey, erklärte zuletzt, der Vatikan habe von der Priesterbruderschaft in keiner Weise verlangt, ihre Aktivitäten einzustellen oder Weihespendungen zu unterlassen. Der für Econe zuständige Bischof von Sitten, Norbert Brunner, ließ im Vorfeld mitteilen, bezüglich der Weihen in der Pius-Bruderschaft habe sich mit der Aufhebung der Exkommunikation von vier ihrer Bischöfe nichts geändert. Die Spende von Weihesakramenten, also unter anderen Priester- und Bischofsweihen, sei weiter unerlaubt. Die Bruderschaft hätte die Klärung ihres Status durch die katholische Kirche abwarten müssen, bevor sie wieder Weihen unternimmt, so Brunner.

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