Was zählt, ist der Eifer für Christus

Mit einem Gottesdienst im Kölner Dom begeht Erzbischof Joachim Meisner den 25. Jahrestag seiner Erhebung in den Kardinalsrang

Kein Sitzplatz war mehr frei im Kölner Dom, lange vor Beginn einer besonderen Messe, einer seltenen Feier: Kardinal Meisner ist seit fünfundzwanzig Jahren Kardinal. Es hatte keine eigene Einladung gegeben, kein Festakt war vorgesehen, einfach die Feier der Zehn-Uhr-Messe im Dom. Doch die Mundpropaganda und Hinweise in den Zeitungen brachten die vielen auf die Beine, die zu diesem stolzen Jubiläum mit dem Erzbischof von Köln das Messopfer feiern wollten. Und ein frisch kreierter Kardinal der Heiligen Römischen Kirche war gekommen, um zu konzelebrieren und zu predigen: Kardinal Cordes, der aus Paderborn stammt und jetzt den Päpstlichen Rat „Cor unum“ in Rom leitet.

Mit viel Herzblut für die Priester eingesetzt

Dass es nicht um Personenkult gehen sollte, sondern um die Hinwendung zu Christus, dem Erlöser, darauf wiesen an die hundert Chorknaben hin, die vor den Zelebranten einzogen und dabei in die Stille leise, dann immer lauter mit immer neuen Stimmen den Kanon „Christus Salvator, salva me“ sangen. Ihnen folgten im Chorrock neben den Priesteramtskandidaten des Erzbistums Alumnen des Neokatechumenalen Wegs und der Legionäre Christi, ein stattlich langer Zug von jungen künftigen Priestern. Am meisten Herzblut habe ihn der Einsatz für heiligmäßige Priester gekostet, sagte Kardinal Meisner am Ende der Messe. Der volle Dom und so viele Priesteramtskandidaten im Rücken, dafür vor allem wolle er danken.

Sein Eifer und der Ernst, mit dem der Jubilar für die Sache des Evangeliums eintritt, ruft immer wieder Kritiker auf den Plan. Kardinal Cordes wies in der Predigt auf die Worte hin, die der Papst bei der Ringübergabe an die neuen Kardinäle spricht: Der Ring sei für den Würdenträger ein „Zeichen pastoralen Eifers“. Ein solcher Eifer sei das Kennzeichen von Joachim Meisner, stellte Cordes fest und darin sei er geradezu Vorbild für alle Seelsorger. „Denn Eifer ist von hoher Aktualität in einer Zeit, die Anstrengung ständig zu reduzieren versucht, die möglichst nur die halbe Kraft einsetzen will, die nach Freizeit und Pensionierung schielt“. Bei einem solchen „Engagement im Schongang“ müsse aber die helfende Begleitung von Menschen misslingen. Die Verbreitung des Evangeliums von der Erlösung werde ohne Eifer zur Farce.

Cordes erinnerte an die Strenge des Autors der Apokalypse, der die Lauen in der Gemeinde von Laodizea „ausspeien“ möchte. Wer Glut und Leidenschaft zeige, der störe. „Stoiker und Mainstream-Christen sind verträglicher und pflegeleichter. Deshalb werden sie auch kaum zur innerkirchlichen oder gesellschaftlichen Zielscheibe.“ Man könne also wirklich dankbar sein für den Eifer dieses Kardinals, der in Worten und Taten das umsetze, was der Papst ihm bei der Überreichung des Rings vor fünfundzwanzig Jahren mit auf den Weg gegeben hatte.

Als Korrektiv für den Eifer nannte Cordes die Verpflichtung auf die Communio mit der katholischen Kirche, die mit der Überreichung des Kardinalsbiretts verbunden sei. Er selbst hatte als zweiter Mann im Päpstlichen Laienrat die geistlichen Gemeinschaften gefördert und die erwähnte Cordes nun mit Blick auf die vielen Mitglieder, die an der Feier im Dom teilnahmen. Ihnen, sagte er, und dynamischen Pfarreien sei es zu verdanken, wenn die Zahl der Gläubigen wieder wachse. „Ohne sie gäbe es keine Weltjugendtage.“

Als gelungenes Beispiel für Communio im Presbyterium erwähnte Cordes „wohlbestallte Pfarrer“, die sensibel würden für die Seelsorgsnot im Nachbardekanat. „Sie schauen über den Horizont des eigenen Kirchturms hinaus.“ Und ein Kardinal lebe Communio etwa dadurch, dass er nicht nur für sein Aufgabenfeld verantwortlich sei, sondern auch für alle Zonen der Weltkirche, „auch die ganz entfernt liegenden“. Er erinnerte an den Kölner Kardinal Frings, der das beispielhaft umgesetzt habe mit der Gründung des Hilfswerks Misereor.

Cordes: Das gelebt, was er versprochen hat

Nur Kardinal Frings sei länger Kardinal gewesen unter den acht bisherigen Birettträgern des Kölner Erzbistums, hatte Dompropst Feldhoff in der Begrüßung berichtet, nämlich 32 Jahre. Kardinal Meisner berichtete zum Dank „an die Gläubigen für ihren Glauben“ zwei Geschichten, die er mit den Päpsten erlebt hatte: Johannes Paul II., der ihm, schon todkrank, versprochen hatte, beim Weltjugendtag in Köln dabeizusein. „So hatten wir zwei Päpste in Köln: einen von oben und einen von unten“. Und Benedikt, der Meisner um das Gebet bat, dass der Kelch des Papsttums an ihm vorübergehen möge. Da habe er geantwortet: „Für das Heil der Kirche darf niemand geschont werden“.

Meisner selbst schont sich ebensowenig, und das nannte Cordes als Grund, Gott zu danken: „Für seinen Bischof Joachim, der 25 Jahre lang das gelebt hat, was er bei seiner Kardinalskreierung versprach, für seine Bereitschaft, trotz der Last seines Amtes nicht zu resignieren und für seinen Dienst, uns zu leiten und mitzureißen“. Nach der Messe wollte das Gratulieren der Menschen vor dem Domportal kein Ende nehmen. Über eine Stunde brauchte der Kardinal für die hundert Meter zu seinem Auto. Ob er sich dann einen Tee oder einen Schnaps gönnte, wie er es nach der Messe im eiskalten Dom den Gläubigen anheimstellte, verriet er nicht.

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