Warten auf Obamas Vertreter beim Papst hält an

Gerüchte über Vorbehalte des Vatikans gegen Kandidaten für den amerikanischen Botschafterposten beim Heiligen Stuhl

Rom (gho) Die italienische Tageszeitung „Il Giornale“, der BBC-Korrespondent David Willey, aber auch amerikanische Medien haben berichtet, der Vatikan habe Kandidaten des amerikanischen Präsidenten Barack Obama für das Amt des Botschafters der Vereinigten Staaten beim Heiligen Stuhl abgelehnt. Darunter die 51-jährige Caroline Kennedy, Tochter des 1963 ermordeten Präsidenten. Der Grund sei gewesen, dass die prominente Katholikin für das Recht auf Abtreibung sowie für embryonale Stammzellforschung eintrete.

Vatikansprecher Federico Lombardi SJ hat diese Vermutungen bereits am Karfreitag zurückgewiesen. Gegenüber der katholischen Nachrichtenagentur „CNS“ erklärte er, der Heilige Stuhl habe noch keinen Vorschlag für die Nachfolge Mary Ann Glendons, der letzten amerikanischen Vatikan-Botschafterin unter Präsident George W. Bush, erhalten und dementsprechend nie einen solchen abgelehnt. Er habe die betreffenden Medienberichte geprüft und für falsch befunden, so der Direktor des vatikanischen Presseamtes. Auch eine Sprecherin der amerikanischen Botschaft beim Heiligen Stuhl erklärte vorgestern, es habe „keine offiziellen Vorschläge“ seitens ihrer Regierung zur Nachfolge Glendons gegeben.

Dennoch halten sich in Rom Gerüchte, denen zufolge es der Administration Obama schwerfalle, einen geeigneten Kandidaten für das Botschafteramt zu finden. Denn das vatikanische Staatssekretariat werde nur dann grünes Licht geben, wenn der betreffende Kandidat katholisch sei, in geordneten Ehe-Verhältnissen lebe sowie keine Liberalisierung von Abtreibung und Stammzellenforschung befürworte. Genau dieses Personenprofil ist im Umfeld Barack Obamas jedoch sehr dünn gesät.

Sowohl der Vatikan als auch der amerikanische Präsident stehen dabei unter einem gewissen Druck. Im Juli wird Obama zum G8-Gipfel nach Sardinien kommen – sein erster Italien-Besuch, bei dem er auch mit Benedikt XVI. zusammentreffen könnte. Sollte bis dahin kein Botschafter Washingtons beim Vatikan installiert sein, wäre die Krise in den Beziehungen zwischen Vatikan und Vereinigten Staaten offensichtlich – und eine Begegnung zwischen Obama und Papst Benedikt noch nicht angebracht.

Anders als Lebensschutzorganisationen in den Vereinigten Staaten, die gegen einen für den 17. Mai geplanten Auftritt Obamas an der katholischen Notre Dame-Universität Sturm laufen, hält man sich im Vatikan äußerst bedeckt, wenn es um den neuen amerikanischen Präsidenten und seine Administration geht.

Einerseits trauert man der Haltung George W. Bushs zum Lebensschutz nach, die der der katholischen Kirche wesentlich näher kam als die Obamas. Andererseits könnte es mit der neuen Administration in den Vereinigten Staaten mehr Übereinstimmung in außenpolitischen Fragen geben, als das zu Zeiten Bushs der Fall. Die Vatikanzeitung „L'Osservatore Romano“ jedenfalls hat bisher sehr ausgewogen über Barack Obama berichtet. Man will kein Porzellan zerschlagen – und übt sich in äußerster Diskretion, wenn es um die Bestellung des künftigen Botschafters Washingtons beim Heiligen Stuhl geht.

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