Vietnam: Massenprotest gegen Abriss der Nuntiatur

Bangkok (DT/KNA) In der größten Demonstration in Hanoi seit 1954 haben mehr als 10 000 vietnamesische Katholiken gegen den geplanten Abriss der früheren Apostolischen Nuntiatur protestiert. Sie errichteten auf offener Straße einen Altar, um mit Gebeten gegen Pläne der Behörden zu demonstrieren, auf dem Gelände einen Park und eine Bücherei zu errichten. Angeführt wurde der Protestmarsch von Priestern und Bischöfen, wie asiatische Medien am Montag berichten. Das mit Stacheldraht abgeriegelte Gelände der ehemaligen Vatikanbotschaft im Zentrum Hanois war den Angaben zufolge von schwer bewaffneten Polizeieinheiten und Hundestaffeln besetzt. Zuvor hatte Hanois Erzbischof Ngo Quang Kiet in einem Vier-Augen-Gespräch mit dem Vorsitzenden des „Hanoi-Volkskomitees“ versucht, die Behörden in letzter Minute von ihrem Vorhaben abzubringen. Vietnamesische Medien feierten den Beginn der Abrissarbeiten als einen Sieg. Die Erzdiözese Hanoi kämpfte seit gut einem Jahr um die Rückgabe des von den kommunistischen Machthabern enteigneten Grundstücks. Zeitweilig hatte es nach einem Einlenken der Regierung ausgesehen. Der Abriss der Nuntiatur ist ein schlechtes Omen für einen weiteren Landstreit in Hanoi. Seit mehreren Wochen demonstrieren dort Tausende Mitglieder der Gemeinde Thai Ha für die Rückgabe von Land, das dem Redemptoristenorden bis zur Enteignung durch die Kommunisten gehörte. Erzbischof Joseph Ngo Quang Kiet von Hanoi hatte zuletzt an die Regierung appelliert, die in den 1950er Jahren staatlich konfiszierte Nuntiatur zurückzugeben; die Kirche brauche Raum für ihre Aktivitäten. Zuletzt wurde das Gebäude als Restaurant und Fitness-Club verwendet. Tausende Katholiken hatten das Gelände zu Jahresbeginn besetzt, verließen es jedoch wieder, als die Regierung eine Rückgabe in Aussicht stellte.

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