PATER FRANÇOIS-XAVIER DUMORTIER.

Vernunft als gemeinsamer Wegweiser

Die Päpstliche Universität Gregoriana zwischen Tradition und Moderne: Ein Gespräch mit dem Rektor. Von Claudia Kock
Vernunft als gemeinsamer Wegweiser
Foto: Kock |

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François-Xavier Dumortier SJ ist seit September 2010 Rektor der „Gregoriana“ in Rom. Bevor Papst Benedikt XVI. ihn zur Leitung dieser Päpstlichen Universität ernannte, die aus dem 1551 durch Ignatius von Loyola gegründeten „Collegium Romanum“ hervorging, stand er sechs Jahre lang der Jesuitenhochschule „Centre Sevres“ in Paris vor. 1943 im französischen Levroux geboren, trat Dumortier mit 25 Jahren in den Jesuitenorden ein und wurde 1982 zum Priester geweiht. Als Professor für Philosophie und philosophische Ethik setzte er sich insbesondere mit dem Werk von Hannah Ahrendt auseinander.

Pater Dumortier, wie gelingt der Päpstlichen Hochschule Gregoriana heute der Balanceakt zwischen Tradition und moderner Welt?

Als Papst Benedikt XVI. 2006 die Gregoriana besuchte, betonte er die „ruhmreiche akademische Tradition des Collegium Romanum“, das von Ignatius von Loyola gegründet wurde und das sich nicht nur „durch das Studium der Philosophie und Theologie“, sondern auch durch andere Fächer wie Mathematik, Physik und Astronomie auszeichnete. Die Verwurzelung in der kirchlichen Tradition und die Offenheit gegenüber den Fragen und Herausforderungen der Welt haben von Anfang an Wesen und Sendung dieser Universität ausgemacht. Bereits 1553 wurde sie als „Universitas nationum“ bezeichnet. Wir müssen uns der Welt gegenüber nicht erst öffnen, denn die Welt kommt zu uns: Unsere 2 800 Studenten aus über 120 Ländern bringen die Schwierigkeiten und Hoffnungen der Männer und Frauen unserer globalisierten Welt mit sich.

Welche Rolle spielt die Pastoral neben dem akademischen Leben?

Bei uns hat das akademische Leben eine apostolische Dimension. Es gibt eine aktive Universitätsseelsorge: Orientierung und Beratung, drei heilige Messen täglich, Einkehrtage, geistliche Exerzitien, lectio divina. Auch die Gemeinschaften und Priesterkollegien fördern die Integration von akademischem und pastoralem Leben. Ich stehe dazu in regelmäßigem Austausch mit den Rektoren der Priesterkollegien.

Die Gregoriana bildet auch Nichtchristen aus, insbesondere Muslime, die später eine führende Rolle im interreligiösen Dialog spielen sollen. Welche Früchte sind aus diesem Programm bisher hervorgegangen?

Wir freuen uns, auch einige Nichtchristen zum Studium an der Gregoriana aufzunehmen. So können sie den christlichen Glauben an einer Päpstlichen Universität von innen heraus kennenlernen. Es ist noch nicht abzusehen, welche Früchte daraus hervorgehen werden. Das gegenseitige Kennenlernen ist die wichtigste Voraussetzung für einen Dialog, der viele Aspekte umfasst und nicht nur aus Worten besteht. Der interreligiöse Dialog ist ein schwieriger Weg, die Vernunft der gemeinsame Wegweiser. Es muss alles berücksichtigt werden, was wir gemeinsam tun können, um eine gerechtere und menschlichere Welt aufzubauen.

In welcher Form ist der Geist des heiligen Ignatius an der Gregoriana heute gegenwärtig?

Als Jesuiten folgen wir dem Ideal von Ignatius und seinen ersten Gefährten: „den Seelen helfen“. Wir helfen den Einzelnen, menschlich, geistlich und intellektuell zu wachsen – für den Dienst an Gott und der Kirche – und das in ihnen vorhandene Potenzial zu entwickeln. Diese Sendung der Gregoriana wollen wir allen Männern und Frauen, die hier unterrichten, vermitteln. So hatten wir vor kurzem eine Begegnung über ignatianische Spiritualität und Pädagogik für die neuen Dozenten. In einer Universität, die dem Motto der ersten Universitäten der Gesellschaft Jesu folgt – „Virtus et scientia“ –, bedarf es der Intelligenz und der Demut, um den Blick stets zu erweitern. Das ist der lebendige Geist des heiligen Ignatius.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Gregoriana?

Ich habe den Wunsch, dass die Gregoriana das Collegium Romanum des Dritten Jahrtausends sein möge, in Treue zu unseren Wurzeln, zur Vision des heiligen Ignatius und zur Sendung, die der Heilige Vater uns anvertraut hat. Unsere ganze universitäre Gemeinschaft muss die Herausforderungen der Gegenwart erkennen und die Intelligenz großherzig einsetzen – im Studium, in der Forschung und in der Lehre. Aus der Verbindung von Intellekt und Innerlichkeit entsteht der Mut zur Hoffnung.

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