Vatikan weist Vorwürfe von Ex-Generalrevisor zurück

Der Manager behauptet, er sei zum Rücktritt gezwungen worden, weil er auf den Kurien-Konten „zu viel gesehen“ habe

Rom/Vatikanstadt (DT/KNA) Der Vatikan hat die jüngsten Vorwürfe seines ehemaligen obersten Wirtschaftsprüfers zurückgewiesen. Libero Milone habe „aus freien Stücken angenommen, sein Rücktrittsgesuch einzureichen“, teilte das vatikanische Presseamt am Sonntag mit. Der 69-Jährige hatte im Interview mit mehreren Medien, darunter die italienische Zeitung „Corriere della Sera“, gesagt, er sei vom Vatikan zum Rücktritt gezwungen worden. Der Chef der Vatikangendarmerie habe ihn eingeschüchtert und zur Unterschrift eines bereits vorbereiteten Briefs gedrängt.

Der Heilige Stuhl sei „überrascht und betrübt“ über die nun gemachten Aussagen des ehemaligen Wirtschaftsprüfers, der damit ein vereinbartes Schweigegelübde breche, heißt es in der Vatikanmitteilung weiter. Der Vatikan erinnert daran, dass Milone aufgrund von Kompetenzüberschreitungen zum Rücktritt aufgefordert worden sei. Er habe illegalerweise eine externe Gesellschaft mit Ermittlungsarbeiten zum Privatleben von Vatikanvertretern beauftragt.

Milone schilderte das nun anders. Er habe am 19. Juni bei Kurienerzbischof Angelo Becciu, dem vatikanischen „Innenminister“, einen Termin gehabt. Dort sei ihm dann gesagt worden, der Papst vertraue ihm nicht mehr und verlange seinen Rücktritt. Zur Begründung sei ihm eine Überschreitung seiner Kompetenzen und rechtswidriges Verhalten vorgeworfen worden. Er habe sämtliche Anschuldigungen als falsch zurückgewiesen. Veruntreuungsvorwürfe gegen ihn seien „inszeniert“ gewesen, so Milone. Er bat um ein Gespräch mit dem Papst. „Die Antwort war, dies sei nicht möglich. Becciu sagte, ich solle zur Gendarmerie gehen.“ Dort habe man ihn dann, als er auf seiner Unschuld bestand, eingeschüchtert und zur Unterzeichnung eines vorbereiteten Rücktrittsgesuchs gebracht. Milone, von 1975 bis 2007 bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte tätig, war im Juni 2015 von Papst Franziskus im Zuge einer Neuorganisation des vatikanischen Wirtschafts- und Finanzsektors zum Generalrevisor berufen worden. Er habe sich nun geäußert, um einer Rufschädigung entgegenzuwirken, sagt Milone. Er werde keinerlei Aussagen zu seiner Arbeit als Wirtschaftsprüfer machen, wolle sich aber verteidigen. Mit Papst Franziskus habe er stets guten Kontakt gehabt, aber in den vergangenen achtzehn Monaten habe man ihm verboten, ihn zu sehen.

Auf die Frage, wer seinen Rücktritt gewollt haben könne, sagt der Finanzfachmann, er fürchte, der Papst sei von „der alten Macht“ blockiert worden. Er vermutet, diese habe sich „bedroht gefühlt“, weil er dem Papst und Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin berichten könnte, „was ich auf den Konten gesehen habe“.

Themen & Autoren

Kirche