Vatikan regelt erstmals das Leben "geweihter Jungfrauen"

In einem neuen Dokument befasst der Vatikan sich erstmals näher mit dem Stand der "geweihten Jungfrauen" - fast 50 Jahre nachdem die Katholische Kirche diesen wieder eingeführt hat.
Gottesmutter
Foto: IN | Maria - Urbild der gottgeweihten Jungfrau. Darstellung der Gottesmutter mit den drei Händen aus Syrien (8. Jhdt.).

Der rund 35 Seiten umfassende Text, der am Mittwoch im Vatikan vorgestellt wurde (und derzeit nur auf englisch, französisch, italienisch und spanisch vorliegt), schildert die Entwicklung dieser Lebensform, erinnert an die Wiedereinführung der Jungfrauenweihe im Jahr 1970 und behandelt die Rolle solcher Frauen in der heutigen Kirche.

Vorgestellt wurde das Dokument "Ecclesiae Sponsae Imago" (Das Bild der Kirche als Braut) von Kardinal Joao Braz de Aviz, dem Leiter der zuständigen Kongregation für Orden und Apostolisches Leben. Es sei "das erste Dokument, mit dem der Apostolische Stuhl die Gestalt und Regeln dieser Lebensform weiterentwickelt", so Braz de Aviz. Dabei kündigte er für das Jahr 2020, zum 50. Jahrestag der Wiedereinführung der Jungfrauenweihe, ein weltweites Treffen von Frauen an, die diese Lebensform gewählt haben.

Laut dem Neuen Testament gab es in der frühen Kirche nicht nur den Stand der Bischöfe, Priester und Diakone, sondern auch jenen der Witwen und "geweihten Jungfrauen". Diese unverheirateten Frauen hatten ihr Leben auf besondere Weise Gott geweiht, waren aber weiter in ihrem normalen Lebensumfeld tätig. Ein Klosterleben für Frauen entstand erst viel später und verdrängte in der Folge diese Lebensform alleinstehender Frauen.

Während des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) entdeckte sie die katholische Kirche wieder. Daraufhin erließ Papst Paul VI. am 31. Mai 1970 eine Instruktion, welche den Ritus der Jungfrauenweihe wieder einführte. Laut einer Schätzung im Jahr 2016 gibt es derzeit weltweit gut 5.000 geweihte Jungfrauen. Diese lebten, so Kardinal Braz de Aviz, auf allen Kontinenten, wo sie in ihren Bistümern unterschiedlichsten Tätigkeiten nachgehen.

Wie Ordensfrauen ihrer Vorgesetzten geloben geweihte Jungfrauen ihrem Bischof Armut, Keuschheit und Gehorsam. Die Art und Weise, wie sie ihr Charisma leben - stärker kontemplativ oder aktiv -, ist ihnen jedoch freigestellt. Einige von ihnen sind in Wissenschaft und Lehre, andere als Einsiedlerinnen oder in sozialen Diensten tätig. Zudem können sie ganz allein wohnen, bei ihrer Herkunftsfamilie oder in einer Gemeinschaft mit Gleichgesinnten.

Wie der Sekretär der Ordenskongregation, Erzbischof Jose Rodriguez Carballo, bei der Vorstellung erläuterte, regelt das neue Dokument unter anderem die Verantwortung des zuständigen Bischofs sowie Aufgaben und Möglichkeiten geweihter Jungfrauen in der Kirche. Gleichzeitig gebe es Kriterien und Hilfen, wie Frauen eine entsprechende Berufung erkennen und leben können.

KNA / DT (jbj)

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