Vatikan dankt amerikanischen Schwestern

Ordenskongregation legt Abschlussbericht nach einer dreijährigen Apostolischen Visitation vor. Von Guido Horst
Foto: KNA | Pressekonferenz zum Abschlussbericht der Apostolischen Visitation über die Frauenorden in den Vereinigten Staaten am 16. Dezember 2014.
Foto: KNA | Pressekonferenz zum Abschlussbericht der Apostolischen Visitation über die Frauenorden in den Vereinigten Staaten am 16. Dezember 2014.

Rom (DT) Etwa fünfzigtausend Ordensfrauen in 341 apostolischen Schwestergemeinschaften in den Vereinigten Staaten waren Gegenstand einer Visitation, die 2009 vom damaligen Präfekten der vatikanischen Kongregation für Institute gottgeweihten Lebens, Kardinal Franz Rode, eingeleitet worden war. Jetzt liegen die Ergebnisse dieser 2012 abgeschlossenen Untersuchung, bei der die Orden für Klausurnonnen nicht berührt waren, in einem Abschlussbericht vor, den der derzeitige Präfekt der Ordenskongregation, der brasilianische Kardinal Joao Braz de Aviz, am Dienstag dieser Woche im Pressesaal des Heiligen Stuhls vorgestellt hat. Das zwölfseitige Dokument, das auffallend versöhnlich formuliert ist, beinhaltet neben statistischen Daten Fragen des Charismas der Institute, der Berufung und der Ausbildung der Schwestern, des geistlichen Lebens und der finanziellen Grundlagen des Ordenslebens. Fragen der Lehre werden in dem Bericht nicht behandelt. Ebenfalls im Jahr 2009 hatte die vatikanische Glaubenskongregation eine Untersuchung des Dachverbandes der Ordensoberinnen in den Vereinigten Staaten (LCWR) eingeleitet, die noch anhält.

Bei der Präsentation mit am Tisch saßen die amerikanische Ordensfrau Mary Clare Millea ASCJ, die die Apostolische Visitation geleitet hatte, und Schwester Sharon Holland IHM, die Präsidentin des LCWR. Mehrfach drückten die beiden Unterzeichner der Berichts, neben Kardinal Braz de Aviz auch der Sekretär der Ordenskongregation, Erzbischof José Rodríguez Carballo, ihren Dank an die Schwesterngemeinschaften für die bereitwillige Teilnahme an der Visitation, für deren apostolisches Engagement und Charisma sowie für deren Wirken im Sinne der sozialen Gerechtigkeit und Barmherzigkeit aus. Zwar habe es zu Beginn der Visitation Widerstand gegeben und einige Institute hätten sogar ihre volle Beteiligung verweigert. Es habe in einigen Instituten Angst vorgeherrscht, dass man nun geprüft werde. Das sei für die Ordenskongregation eine „schmerzhafte Enttäuschung“ gewesen. Umso wichtiger sei es ihr heute, erneut eine Einladung zum Dialog auszusprechen, um die Herausforderungen gemeinsam anzugehen.

Einleitend weist der Bericht darauf hin, dass sich die Zahl der Ordensfrauen in den Vereinigten Staaten seit den sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts halbiert habe. Das Durchschnittsalter der Ordensfrauen liege heute bei 75 bis 80 Jahren. Allerdings dürften die Jahrzehnte von 1940 bis 1970 nicht als Norm gelten; das seien Jahre mit ungewöhnlich hohen Berufungszahlen gewesen.

Zu den verschiedenen Charismen und Eigenschaften der Institute hält der Bericht fest, dass sich die Gemeinschaften durchweg ihres Erbes bewusst seien, dass die abnehmenden Mitgliederzahlen aber auch zu der Notwendigkeit führen könnten, dass Institute zusammengelegt werden. Unter solchen Umständen die Identität zu bewahren, sei nicht einfach. Die Mehrheit der untersuchten Institute bemühe sich darum, dass eigene Charisma mit Mitarbeitern im Laienstand zu teilen. Die Ordenskongregation, so der Bericht, lobe ausdrücklich diesen Versuch und entsprechende Programme der Gemeinschaften, das jeweils eigene Charisma weiter zu verbreiten, das ein Geschenk des Heiligen Geistes an die Kirche sei.

Zu den Berufungen und der Ausbildung von Ordensfrauen heißt es in dem Bericht, dass die in einen Orden eintretenden Frauen heute älter und bereits besser ausgebildet seien, als das früher der Fall gewesen sei. Unter den jüngeren Schwestern wachse auch wieder der Wunsch, als Ordensfrauen erkennbar zu sein, was viele Gemeinschaften in der Vergangenheit nicht ausdrücklich betont hätten. Einige Institute, so der Bericht, hätten die Suche nach neuen Berufungen aufgegeben. Das habe verschiedene Gründe. Neben der sinkenden Mitgliederzahl etwa auch den großen Altersunterschied zwischen den Schwestern und jungen Frauen, die man als Kandidaten für den Eintritt gewinnen würde.

Das Gebetsleben und die Nachfolge Christi bezeichnet der Bericht als Zentrum des Ordenslebens. Von besonderer Bedeutung seien auch das Gemeinschaftsleben und die Leitung der Institute. Die meisten befragten Schwestern hätten ein positives Bild der Ordensleitungen. Eine Schwierigkeit sei die, auch in Zukunft Schwestern für Leitungsaufgaben vorzubereiten, weil es immer weniger Ordensfrauen gebe.

Zur finanziellen Lage der Institute weist der Bericht darauf hin, dass es vielen Einrichtungen an einer gesunden Finanzgrundlage fehle, weil Ordensschwestern über Jahrzehnte in ihrer Bezahlung sehr viel schlechter gestellt worden seien als etwa Priester. Auch das zunehmende Alter in den Gemeinschaften spiele dabei eine Rolle. Viele Institute seien in der Altersvorsorge ernsthaft unterfinanziert.

Einige Schwestern hätten bei der Visitation geklagt, dass ihr Dienst nicht ausreichend von den kirchlichen Autoritäten gewürdigt und unterstützt werde. Es fehle an einem aufrichtigen Dialog mit den Bischöfen und dem Klerus. Der Bericht schließt mit der Hoffnung, dass die Apostolische Visitation zur „Revitalisierung“ der Orden beitrage.

Als glückliche Fügung nennt er den Umstand, dass nun, nach der Untersuchung, ein „Jahr der Orden“ der katholischen Kirche beginne. Insgesamt habe sich die Visitation der religiösen Fraueninstitute von der im Evangelium geschilderten Begegnung zwischen Maria und ihrer Base Elisabeth leiten lassen, die eine eine Jungfrau, die andere eine Verheiratete. Diese beiden Frauen hätten Angst und Unsicherheit gespürt, ihre Rolle im Heilsplan Gottes mit Freude anzunehmen. So habe auch die Visitation neue Gelegenheit für die geistlichen Schwestern geschaffen, Gottes Gegenwart und sein heilbringendes Wirken in der fruchtbaren Kommunikation mit anderen Ordensleuten sowie mit den Hirten der Kirche und den christgläubigen Laien zu entdecken.

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