Unterwegs im Auftrag des Herrn

Benedikt XVI. und sein Bruder feiern 65 Jahre Priesterweihe. Von Barbara Just und Christoph Renzikowski
Ratzinger-Brüder seit 65 Jahren Priester
Foto: dpa | Benedikt XVI. mit seinem Bruder Georg 2006 vor ihrem Geburtshaus in Pentling.

München (DT/KNA) Für den emeritierten Papst Benedikt XVI. (89) ist am Mittwoch (29. Juni) ein ganz besonderer Tag. Genau 65 Jahre liegt es dann zurück, dass er im Freisinger Mariendom die Priesterweihe empfing – gemeinsam mit seinem heute 92-jährigen Bruder Georg. „Wir waren über 40 Kandidaten, die auf den Aufruf hin: ,Adsum‘ sagten: Ich bin da – an einem strahlenden Sommertag, der als Höhepunkt des Lebens unvergesslich bleibt“, schreibt Joseph Ratzinger in seinen 1998 veröffentlichten Erinnerungen.

„Das war schon etwas ganz Ausgefallenes“, sagt auch Rupert Berger, Kurskollege und langjähriger Jugendfreund der Ratzingers aus Traunstein. Der Geistliche gehört zum Kreis der zehn Kurskollegen, die noch am Leben sind. An diesem Sonntag (26. Juni) wird Berger 90 Jahre alt. Dann wird er wieder am Altar bei einem feierlichen Gottesdienst in der Traunsteiner Oswald-Kirche stehen, wo er einst auch seine Primiz feierte. Damals assistierten ihm die Ratzinger-Brüder als Diakon und Subdiakon.

Fest steht, dass der Weihetag bei den Brüdern einen höheren Stellenwert einnimmt, als es ein runder Geburtstag je könnte. Im katholischen Hause Ratzinger galt selbst der Namenstag mehr als die Vollendung eines Lebensjahrs. Große „Feierer“ sind beide ohnehin nicht, wie Insider wissen. Dennoch gibt es am Dienstag im Vatikan einen Festakt, zu dem auch Papst Franziskus erwartet wird. Er hat das Vorwort für den neuen Band der Gesammelten Schriften von Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. über das Priestertum geschrieben, der dann vorgestellt und überreicht wird.

1951 war Joseph Ratzinger der jüngste unter den Kandidaten, denen der greise Münchner Kardinal Michael Faulhaber die Hände auflegte. In dem Augenblick, als er an der Reihe war, sei vom Hochaltar ein „Vöglein – vielleicht eine Lerche“ in den Dom aufgestiegen und habe ein kleines Jubellied geträllert, notiert Ratzinger. Dies sei ihm wie ein Zuspruch von oben vorgekommen: „Es ist gut so, du bist auf dem rechten Weg.“ Während der Weihe, die komplett in lateinischer Sprache stattfand, saßen die Eltern der beiden Brüder in den Bänken, gottergeben, aber vielleicht auch ein wenig stolz. Zumindest lässt sich das Bild so deuten, das eine Kamera damals für einen erstaunlicherweise erhalten gebliebenen Schwarz-Weiß-Film über das kirchliche Großereignis eingefangen hat.

Die bemerkenswerte kirchliche Karriere der beiden Söhne war für die aus einfachen Verhältnissen stammenden Ratzingers nicht absehbar. Dass der Ältere ins kirchenmusikalische Fach drängte und der jüngere die wissenschaftliche Laufbahn einschlagen würde, zeichnete sich aber ab. Schon im Seminar hatten sie die Spitznamen „Bücherratz“ und „Orgelratz“ verpasst bekommen. Georg sollte später als Leiter der Regensburger Domspatzen den ältesten Knabenchor der Welt zu neuen künstlerischen Höhen führen. Sein Bruder durfte nicht Professor bleiben, sondern wurde zu Höherem berufen. Erst 1977 als Erzbischof in sein Heimatbistum München-Freising, dann 1982 als Präfekt der Glaubenskongregation nach Rom. Schließlich traf den Kurienkardinal am 19. April 2005 das „Fallbeil“ beim Konklave, wie er seine Papstwahl selbst drastisch kommentierte. Damit rückte auch sein Bruder Georg, damals längst im Ruhestand, wieder ins öffentliche Interesse. Die beiden hatten sich ihren Lebensabend anders vorgestellt.

Doch egal, ob Benedikt XVI. im Amt war oder nach seinem Rücktritt 2013 – die beiden versuchen nach wie vor, Zeit miteinander zu verbringen. Zweimal im Jahr, nach Weihnachten und im Sommer, fliegt Georg für ein paar Wochen nach Rom. Dort sind für ihn am Altersruhesitz seines Bruders im Kloster „Mater Ecclesia“ Räume reserviert. Ansonsten telefonieren die beiden. Eine große Festakademie auf dem Freisinger Domberg wie vor fünf Jahren gibt es dieses Mal nicht. Der fast erblindete Georg Ratzinger bleibt in Regensburg. Geplant ist, in seiner Hauskapelle am 29. Juni einen Gottesdienst zu feiern. Geladen ist ein kleiner Kreis, darunter das Stiftskapitel von Sankt Johann, dem er angehört. Danach wartet auf alle ein gutes Frühstück – denn das Leben wissen die Ratzingers sehr wohl zu feiern.

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